Kultur
19.1.2020
Von Ferdinand Goslich

So klingt Wasser

Das "Duo Fantasia" zog im Roncallihaus die Zuhörer in seinen Bann

Es hat sich längst herumgesprochen. In Tutzing wohnt ein Musiker-Ehepaar, das hier schon mehrmals die Zuhörer in seinen Bann gezogen hat. Die Pianistin Julia Ito und der Flötist Utum Yang hatten am Sonntag für ihr Konzert im Roncallihaus das Thema Wassermusik gewählt.

Virtuosität und präzise Spieltechnik

See1.jpg
Was liegt in Tutzing näher als das Thema Wasser? © L.G.

Der aus Südkorea stammende Utum Yang beherrscht seine Querflöte meisterhaft. Lyrische Passagen spielt er ungemein zart und einfühlsam. Wenn es drauf ankommt, glänzt er mit frappierender Virtuosität. Seine japanische Frau Julia Ito ist eine versierte Pianistin. Ihre Spieltechnik wirkt eindrucksvoll, präzise und klangintensiv. Auch opulente Klavierwerke bewältigt sie bravourös. Kurzum - zwei kongeniale Musiker gaben sich die Ehre. Flötisten Yang zaubert auf seinem Instrument tatsächlich Tonkaskaden hervor wie einen perlenden Wasserstrom. Gleich zu Beginn brillierten die beiden Musiker mit der Suite Nr. 1 der „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel (1685-1759).

Duo-Fantasia4a.jpg
So liebevoll, wie sich Utum Yang und Julia Ito anschauen, gehen sie auch mit ihrer Musik um. © CN Studio

Zwei Brahms-Lieder

Bach1.jpg
Wie einer der Bäche, die zum See hinunterplätaschern © L.G.

Wasser liegt in Tutzing sehr nah. Einen weiteren perfekten Bezugspunkt hat das Duo Fantasia in Johannes Brahms (1833-1897) gefunden. Der Komponist hat in Tutzing mehrere Urlaube verbracht und in unserem Ort auch zwei Werke passend zum Abendthema geschrieben: „Auf dem See“ op. 52 und „Regenlied“ op. 59 Nr. 3.

Auch bei der Klaviersonate von Alexander Scriabin (1871-1915) erinnerte Julia Ito mit perlenden Sechzehntel-Läufen ans Wasser-Motto. Mit seinen zehn Klaviersonaten schlug Scriabin einen Bogen von der Spätromantik zur Moderne.

Nach der Pause starteten Julia Ito und Utum Yang mit der „Undine-Sonate“ für Flöte und Klavier, zu der sich der Komponist Carl Reinecke (1824-1910) durch das Märchen „Undine“ von Friedrich de la Motte-Fouqué hatte anregen lassen. Bei der Fabel über Undine geht es um die Sehnsucht einer Nixe nach einer menschlichen Seele.

Als Julia Ito die Barcarolle op. 60 für Klavier von Frédéric Chopin (1810-1849) spielte, changierend zwischen zarten Stellen und brodelndem Temperament, konnte man sich an einen der Bäche erinnern, die in Tutzing zum See hinunterplätschern.

Venezianischer Hut macht Stimmung

Venedig-F-Celestyal-Cruises.jpeg
Das Lagunenwasser von Venedig waberte förmlich mit © Celestyal-Cruises

Als unglaublich effektvollen „Rausschmeißer“ hatte sich das Duo Fantasia schließlich das brillante Stück „Karneval von Venedig“ op. 77 von Giulio Briccialdi (1818-1881) ausgesucht. Utum Yang vollführte darin abenteuerliche Variationen-Kapriolen. Man hörte regelrecht das Lagunenwasser mitwabern. Und das darin vorkommende Thema „Mein Hut, der hat drei Ecken“, das schon mehrere Komponisten wie Paganini oder Chopin bearbeitet haben, riss die Zuhörer sichtlich mit.

Sein nächstes Konzert „Heitere Klassik und Romantik“ gibt das Duo Fantasia am 9. Februar um 20 Uhr im Pfarrzentrum der katholischen Kirche Mariä Geburt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Schulstraße 11. Das Wasserprogramm wiederholen Julia Ito und Utum Yang am 1. April im Augustinum in Stuttgart.

Über den Autor

Ferdinand Goslich

Add a comment

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.
Feedback / Report a problem