Ein großes Ereignis steht dem Kirchenchor St. Joseph heute bevor. Auf den gelb-gold-bräunlichen Plakaten, die im Ort hängen, kann man es lesen: Der Chor feiert seinen 100. Geburtstag. Heute, am Sonntag, 24. November, beginnt um 18 Uhr ein festliches Konzert in der Pfarrkirche St. Joseph.
Begleiterin des Jubiläums ist die Heilige Cäcilie. Schließlich ist sie die Patronin der Kirchenmusik. Deshalb wählte die Chorleiterin und Dirigentin des Abends, Helene von Rechenberg, die beliebte Cäcilienmesse von Charles Gounod, um das Können des „Jubilars“, ihres Kirchenchors, entsprechend zu präsentieren. Die Heilige Cäcilie, die um das Jahr 200 herum in Rom geboren wurde, übernimmt auch auf andere Weise die Patenschaft: Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens wird der Kirchenchor St. Joseph am Sonntag mit der Palestrina-Medaille des Allgemeinen Cäcilien-Verbands für Deutschland ausgezeichnet.
Mystisches „Gloria in excelsis“
Für die Cäcilienmesse ist das Orchester St. Joseph – passend zum Festkonzert – groß, diesmal symphonisch, besetzt. Dazu kommt die Orgel mit Klemens Schnorr als Solisten. Schnorr fungierte früher am Freiburger Münster als Domorganist und war an der Hochschule für Musik in Freiburg Orgellehrer Helene von Rechenbergs. Gounod (1818–1893) hat die „Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile“, wie die Messe vollständig heißt, faszinierend gestaltet.
Mal summt der Chor nur, an anderer Stelle singt er unisono – eine Eigenart französischer Kompositionskunst –, um gravierende Akzente zu setzen. Ständig wechselt die Dynamik des Chors zwischen Pianissimo und Fortissimo. Etwa nach dem zarten, fast mystischen „Gloria in excelsis“ des Soprans hebt der Chor zu einem mächtig auftrumpfenden „Laudamus te“ an.
Die Gesangssolisten
Für das Konzert hat Helene von Rechenberg vielgefragte Sänger engagiert. Das Sopran-Solo übernimmt Ines Bergk, die schon beim Konzert mit dem Fauré-Requiem in Tutzing auftrat. Damals hieß sie noch Ines Reinhardt. Sie hatte Gast-Engagements an der Berliner Staatsoper, beim Rheingau-Festival, am Landestheater Salzburg und der Süreyya-Oper in Istanbul.
Als Lied- und Konzertsänger trat Sebastian Köchig (Tenor) bereits in der Philharmonie Essen, dem Wiener Konzerthaus, dem Wiener Musikverein und beim Mozartfest Würzburg auf. Daneben interpretiert Köchig gern schwarzhumorige Chansons von Georg Kreisler.
Für die Bassrolle hat die Chorleiterin Eric Fergusson gewonnen. Er hatte zahlreiche Auftritte im In- und Ausland, gibt Liederabende und war als Solist in Mendelssohns „Elias“ und Haydns „Vier Jahreszeiten“ zu hören.
Orgeltöne wie aus „einem Wildbach“
Anders als bei der Cäcilienmesse und dem am Schluss folgenden 150. Psalm von César Franck, bei denen vorn im Altarraum musiziert wird, muss das Orchester für die einleitende 1. Symphonie d-Moll op. 42 von Felix Alexandre Guilmant (1837–1911) auf der Orgelempore platziert sein. Denn es kommt zu einer Zwiesprache oder auch einem Wettstreit zwischen Orgel und Orchester. Und da müssen sich die Instrumentalisten und der Organist gut hören können.
Die Chorleiterin bezeichnet das Werk als „romantisches Glanzstück“. Im Finale dringe die ganze Lebendigkeit französisch-romantischer Orgelmusik hervor, meint Helene von Rechenberg. „Wie bei einem Wildbach fließen im finalen Allegro die Sechzehntel-Ketten aus der Orgel und wirbeln umher.“
„Souveräner Gestalter“
Solist dieser Orgelsymphonie von Guilmant ist ebenfalls Professor Klemens Schnorr. Er konzertiert in ganz Europa und spielte für Rundfunk und Fernsehen Orgelwerke ein. Mehrmals wirkte er als Juror bei Internationalen Wettbewerben mit, etwa in Moskau, Kaliningrad, Wolgograd, Graz, Mailand oder Saragossa. In der „Badischen Zeitung“ war zu lesen: „Stets zeigt Schnorr sich als souveräner, stilkundiger Gestalter. Lebendigkeit, Klarheit und Farbigkeit sind Trumpf."
Inbrünstige Hymne von César Franck
Den krönenden Abschluss des Jubiläumskonzerts bildet die Vertonung des 150. Psalms von César Franck (1822–1890), der den Psalter der Heiligen Schrift beendet. In diesem „Großen Halleluja“ formt der Komponist das Lob Gottes in mitreißende Musik um. Da heißt es zuerst „Lobt ihn in seinem Heiligtum“, und danach werden verbal Trompeten, Posaunen, Harfen und Orgel beschworen, sich den Ruhmesworten anzuschließen, was diese nicht auf sich sitzen lassen und Enormes zur Klangfülle beitragen, bis die inbrünstige Hymne von Chor und Orchester in einem lautstarken „Halleluja“ mündet.
Chorkonzert zum 100-jährigen Bestehen des Kirchenchores St. Joseph
Charles Gounod, Cäcilienmesse
César Franck, 150 Psalm
Felix Alexandre Guilmant, Symphonie Nr. 1
Kirchenchor, Solisten und Orchester St. Joseph
Helene von Rechenberg, Leitung
Eintritt: 27 und 22 Euro, ermäßigt für Schüler/Studenten 17 Euro. Karten sind im Vorverkauf erhältlich im Pfarrbüro St. Joseph, Tutzing, Kirchenstraße 10, Tel. 08158/993333, in der Buchhandlung Held, Hauptstr. 70, Tel. 08158/8388 sowie im Tourismusbüro Tutzing, Leidlstr. 1, Tel. 08158/258850, und an der Abendkasse.
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*) Das Foto entstand voriges Jahr, als die Kirchenmusikerin den Wilhelm-Hausenstein-Preis der Gemeinde Tutzing erhielt


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