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"Als junger Mensch hat man eine andere Perspektive"

Zwölf Personen unter 28 Jahre kandidieren für den Tutzinger Gemeinderat

Ob der Tutzinger Gemeinderat vor einem Generationswechsel steht, steht noch nicht fest. Klar erkennbar zeigen aber mehrere junge Menschen hohes Interesse daran, ins Kommunalparlament einzuziehen. Zwölf Personen, die jünger als 28 Jahre sind, kandidieren am Sonntag bei der Kommunalwahl auf sechs der insgesamt acht Listen für den Tutzinger Gemeinderat.

Am Montag wurde im Kulturtheater ein Informationsabend eigens für Erstwähler veranstaltet. Die Veranstaltung sei bewusst überparteilich angelegt, sagte die 22-jährige Juliana von Brühl-Störlein, die für die CSU kandidiert. „Wir haben vorab alle Parteien in Tutzing angeschrieben“, berichtete sie. Längst nicht alle von den Jüngeren, die für den Gemeinderat kandidieren, nahmen teil. So moderierte sie die Veranstaltung gemeinsam mit dem 23-jährigen Tobias Möller, der auf der Liste der Grünen steht und dem 22-jährigen Paul Friedrich, der für die FDP antritt. Bei der Veranstaltung zählten sie aber alle unter 28-Jährigen auf, die in Tutzing für den Gemeinderat kandidieren:

CSU: 3 Personen (Juliana v. Brühl-Störlein, Alberto Mader, Clara Mader)
Grüne: 2 Personen (Tobias Möller, Mia Pawlitzek)
SPD: 1 Person (Max Rehberg)
UWG: 1 Person (Simone Bartsch)
ÖDP: 1 Person (Julia-Isabel Krug)
FDP: 4 Personen (Paul Friedrich, Natascha Wilke, Marc-Philipp Pisarek, Laurens Burth)

Alle Personen, die für den Tutzinger Gemeinderat kandidieren:
133 Personen kandidieren für Tutzinger Gemeinderat

Kritische Fragen nach den Abläufen im Gemeinderat

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Großer Wahlzettel und viele Fragen: Tobias Möller, Paul Friedrich und Juliana von Brühl-Störlein (von links) erläuterten viele Aspekte der Kommunalwahl © L.G.

Alle drei, die die Veranstaltung gestalteten, haben Erfahrungen im Tutzinger Jugendbeirat gesammelt. Dabei haben sie offenbar Lust auf weiteres Engagement bekommen. Seine Motivation, für den Gemeinderat zu kandidieren, sei im Jugendbeirat entstanden, sagte Tobias Möller. „Vielleicht kennen wir Jüngeren noch nicht alle Gesetze und Regeln so gut“, meinte er, „aber dafür finden wir vielleicht kreative Lösungen.“

Die Altersstruktur im Tutzinger Gemeinderat tendiere „nach oben“, sagte Juliana von Brühl-Störlein: „Das sollte aber nicht bedeuten, dass man die Jugend einfach außen vor lässt.“ Gewiss sei Bürgermeister Ludwig Horn mit 29 Jahren noch recht jung. Aber wenn eine Altersspanne von zehn oder zwanzig Jahren zwischen Jüngeren und Älteren liege, dann laufe die Kommunikation häufig anders. In Tutzing gebe es Menschen aller Generationen: „Es ist wichtig, dass wir alle an einen Tisch bekommen und vor allem, dass sie alle miteinander reden.“

Dabei klang auch Kritik an den Abläufen durch: Diskussionen im Gemeinderat könnten spannend oder langweilig sein. Überspitzt zog Juliana von Brühl-Störlein in Zweifel, ob wirklich bei Bauanträgen drei Stunden lang über ein paar Zentimeter Dachhöhe diskutiert werden müsse: „Kann man da vielleicht etwas effizienter werden?“ Als junger Mensch, meinte sie, habe man „eine andere Perspektive“.

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Nur ein Bürgermeisterkandidat - aber man darf auch einen anderen Namen aufschreiben

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Viel Interesse fanden die Unterlagen zur Gemeinderatswahl © L.G.

Etliche Aspekte der Wahl wurden an diesem Abend beschrieben. Das wäre vermutlich auch für viele andere – und nicht nur jüngere – Menschen in Tutzing interessant gewesen. Dabei kamen auch Details zur Sprache. Etwa: Welche Stifte darf man in der Wahlkabine benutzen? Nicht alle, sagte Juliana von Brühl-Störlein. Füller beispielsweise seien problematisch. In den Wahlkabinen dürfen nur die dort bereitgestellten Materialien verwendet werden.

Wer wird überhaupt gewählt? Vier Wahlen stehen an, erläuterte Tobias Möller: Bürgermeister, Gemeinderat, Kreistag und Landrat. Da es fürs Tutzinger Bürgermeisteramt nur einen Kandidaten - Ludwig Horn von der CSU – gibt, kann man auf dem Stimmzettel auch eine andere Person eintragen, sagte Paul Friedrich. Einzige Voraussetzung: Die betreffende Person muss wählbar, also unter anderem mindestens 18 Jahre alt sein, und es dürfen keine Ausschlussgründe wie Straftaten vorliegen. Falls tatsächlich sehr viele verschiedene Personen eingetragen werden sollten, alle mit wenigen Stimmen, aber in der Summe so viele, dass keine Mehrheit für Ludwig Horn zustande kommen sollte, dann kann es sein, sagte Paul Friedrich, dass es eine Stichwahl zwischen dem amtierenden Bürgermeister und einer Person gibt, die nur 20 Stimmen bekommen hat.

Tobias Möller warnte vor einer Auffassung, die offenbar hin und wieder zu hören ist: Es sei ja egal, wer in den Gemeinderat komme, weil der Bürgermeister sowieso feststehe. „Er hat nur eine Stimme wie jedes Gemeinderatsmitglied“, sagte er: „Der Bürgermeister kann recht einfach überstimmt werden.“ Generell klang immer wieder durch, man solle so eine Gemeinderatswahl nicht unterschätzen. Viele für den Ort wichtige Themen, von Straßensanierungen über Kindergärten bis zu Schulen, würden im Gemeinderat entschieden.

Was ist kumulieren? Was ist panaschieren?

Vieles wurde erklärt, bis hin zu den Sonderformen der Wahl. So etwa das „Kumulieren“, mit dem man einer Person nicht nur eine, sondern zwei oder drei Stimmen geben kann. „Man kann auch drei Kreuze machen“, sagte Paul Friedrich. „Aber nicht 3x – das könnte als 3 mal gewertet werden.“ Die Namen mancher Personen stehen drei Mal auf der betreffenden Liste, so zum Beispiel der von Paul Friedrich selbst. Er bat, keine „3“ in jede Zeile zu schreiben: „Dann wären es neun Stimmen“. Ungültig ist der betreffende Stimmzettel dann nicht unbedingt, wenn die maximale Anzahl von 20 Stimmen nicht überschritten wurde. Aber die sechs zu viel vergebenen Stimmen gehen dann verloren.

Eine andere Möglichkeit ist das "Panaschieren“, indem man die Stimmen auf Kandidaten verschiedener Wahllisten verteilt. Oder man kann „streichen“ – das bedeutet, man wählt eine Wahlliste, streicht aber eine oder mehrere Personen auf dieser Liste heraus, die man nicht wählen will. Einige Erläuterungen wurden auch zur Briefwahl gemacht. Da muss man gut aufpassen, dass man die Wahlzettel in die richtigen Umschläge steckt und dass man nur dort unterschreibt, wo es gefordert ist.

Interessiert schauten sich einige, die dabei waren, am Schluss noch die Wahlunterlagen an. Sie werden es dann am Sonntag in den Wahlkabinen nicht mehr so schwer haben. Ein älterer Anwesender, der schon Erfahrung mit Wahlen hat, bezeichnete es als größte Herausforderung, in der kleinen Wahlkabine auf einem Quadratmeter die großen Wahlzettel mit bis zu 60 Namen aufzuklappen, auszufüllen und wieder zusammenzufalten.

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