Von Lorenz Goslich

Der konstruktive Kurs

Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn gibt sich zuversichtlich für die künftige Arbeit im Gemeinderat

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93,4 Prozent! Am Tag seines Amtsantritts Anfang Februar 2024 hat die Tutzinger Feuerwehr Ludwig Horn per Drehleiter emporgehievt, aber den wahren Höhenflug gab es für ihn nun bei der Kommunalwahl.

Zwei Worte fallen Ludwig Horn spontan zu seinem fulminanten Ergebnis ein: „Einfach schön.“ Womit er gerechnet hatte? „Über 80 Prozent sollten es schon sein, hab ich mir gedacht.“ Aber 93,4 Prozent – so eine starke Zustimmung der Tutzinger Bevölkerung zu seiner bisher zweijährigen Tätigkeit als Tutzinger Bürgermeister haben den 29-Jährigen dann doch überrascht. Denn selbstverständlich ist das gute Ergebnis nicht. „Es gab auch schon welche, die die einzigen Kandidaten waren und dann doch in die Stichwahl gekommen sind“, sagt er, und er gesteht: „Aufgeregt war ich schon.“

Wenn die CSU auch im Gemeinderat nicht die absolute Mehrheit hat, ist ihr Tutzinger Ergebnis doch auch im überregionalen Vergleich erstaunlich gut. In ganz Bayern hat die Partei 32,5 Prozent erreicht. Damit ist sie der klare Sieger, hat aber gegenüber der Kommunalwahl vor sechs Jahren 1,9 Prozentpunkte verloren und ihr schwächstes Ergebnis bei Kommunalwahlen seit 1952 erzielt. In Tutzing dagegen hat sie nach Abschwächungen in der Vergangenheit wieder deutlich zugelegt - von 31,43 Prozent vor sechs Jahren auf nun 40,1 Prozent. Acht der 20 Gemeinderatsmandate entfallen künftig auf die CSU. Mit dem Bürgermeister sind es neun von 21 Stimmen.

Wenn man nach den Gründen für diese auffallende Entwicklung forscht, wird oft - nicht nur bei Anhängern dieser Partei - die Auffassung vertreten, dass dies viel mit Ludwig Horn zu tun habe. Schon im Wahlkampf haben Vertreter verschiedener politischer Richtungen auf Fragen nach Gegenkandidaturen offen Zufriedenheit mit seiner Amtsführung erkennen lassen.

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Ludwig Horn (unten Mitte) 2017 in seiner Zeit als Vorsitzender des Freizeitclubs JM im Kreis der Vorstandsmitglieder

Im Nachhinein wirkt es so, als habe sich Horn darauf schon in jungen Jahren gezielt vorbereitet, so mit intensiven ehrenamtlichen Aktivitäten wie dem Vorsitz des Freizeitclubs JM, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder als Organisator des Weinfests am See. Auch in all diesen Funktionen hat der studierte Wirtschaftsinformatiker einiges bewegt. In Sitzungen tritt er gut vorbereitet auf, er kennt sich bis in Einzelheiten der oft komplexen Themen aus, hört gut zu und kann auch auf spontane Fragen meist detailliert antworten. Allen, welchen politischen oder sonstigen Richtungen sie sich auch zugehörig fühlen, vermittelt er das Gefühl, ernst genommen zu werden.

So hat er in der nun endenden Gemeinderatsperiode schon bei manchen umstrittenen Themen kontroverse Diskussionen entspannt. Die Zusammenarbeit mit Ratsmitgliedern auch aus anderen Parteien und Gruppen hat er geschätzt, und er bedauert, dass einige von ihnen nicht in den neuen Gemeinderat einziehen werden. Er freut sich aber auch über die Neuen. Er selbst hat seit Monaten versucht, Jüngere zu Kandidaturen zu motivieren - nicht nur für die CSU, sondern generell für lokales Engagement, unabhängig von der politischen Richtung. Einige Jüngere sind in den Tutzinger Gemeinderat gewählt worden, und dazu hat wohl nicht zuletzt Horn beigetragen.

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Ludwig Horn mit seiner Lebensgefährtin Maria Hörtrich. Die Erzieherin und Sozialpädagogin ist stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Freien Wähler Bayern.

„Es ist schön, jetzt einen Zeitplan von sechs Jahren zu haben“, sagt Horn, „denn es braucht Zeit.“ Dabei verweist er auf einige schwierige Themen, die echte Herausforderungen sind - von der finanziellen Situation der Gemeinde über die Neugestaltung des Feuerwehrhauses bis zur Ortsgestaltung, von der problematischen Situation bei der Sanierung der Mittelschule bis zur maroden Infrastruktur mit Straßen, Geh- und Radwegen und Brücken, Wasser und Abwasser. „Gerade bei den Themen, die für die Gemeinde über lange Zeit von Interesse sind, ist es wichtig, dass sich alle mitgenommen fühlen“, betont er.

In der Arbeit des bisherigen Gemeinderats glaubt Horn „ganz selten wirklich konträre Standpunkte“ zu erkennen. Auch bei Energiethemen sieht er Übereinstimmungen, so in Hinblick auf die Wärmeplanung mit einem Nahwärmenetz. „Wir sind gerade in Überlegungen, wie man im Ortskern die gemeindlichen Liegenschaften zusammen beheizen kann“, sagt er, „und wie man die Bürger mit einbeziehen könnte.“ Die Nutzung der Seewärme ist dabei eine Option, die über Tutzing hinaus mit Interesse verfolgt wird, wenn auch nicht die einzige.

Horn gibt sich zuversichtlich, dass der Kurs, den er als konstruktiv beschreibt, fortgesetzt werden kann, wenn er auch nicht mit völliger Übereinstimmung in jeder Hinsicht rechnet: „Wir werden in Detailfragen aufeinander zugehen müssen.“

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Über den Autor
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Lorenz Goslich

Wirtschafts- und Lokaljournalist, Diplom-Kaufmann, Dr. oec. publ. Schreibt für diverse Medien und liebt seinen Heimatort Tutzing.

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