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Tutzing ist Modellgemeinde beim "Online-Voting"

14- bis 17-Jährige können bei der Bürgermeister- und Landratswahl digital mitmachen - wenn auch nur als "Wahlsimulation"

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© Deutscher Jugendring

Zu den bayerischen Kommunalwahlen am 8. März gibt es wieder eine U18-Wahl für alle Menschen in Bayern, die aufgrund ihres Alters noch nicht offiziell wählen dürfen. Dabei handelt es sich nicht um eine "richtige" Wahl, sondern um eine Wahlsimulation.

Seit gestern, dem 16. Februar, sind bis zum 27. Februar in ganz Bayern U18-Wahllokale geöffnet, die von örtlichen Jugendringen, Jugendverbänden, Kommunen und Schulen organisiert werden. Neu ist, dass junge Leute unter U18 Jahre in ausgewählten Kommunen bequem und digital von zuhause abstimmen können. Eine dieser Kommunen ist Tutzing.

Die U18-Kommunalwahl 2026 ist damit ein bundesweites Modellprojekt fürs Online-Voting. Außer Tutzing beteiligen sich Augsburg (Stadt), Dasing, Donauwörth, der Landkreis Regensburg, Lauf a.d. Pegnitz, Lappersdorf, Mellrichstadt, Pegnitz und Zeitlarn.

Zwei unterschiedliche Formate der U18-Wahl: Analog und nun auch digital

Beim Online-Voting können 14- bis 17-Jährige online an der Wahl des Bürgermeisters und des Landrats teilnehmen - nicht aber an der Wahl des Gemeinderats. Begründet wird dies damit, dass die bei den offiziellen Wahlen vorgesehene Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens bei den U18-Wahlen aufgrund des hohen Aufwands für die analogen Wahllokale organisatorisch nicht umsetzbar sei.

In Bayern gibt es zwei unterschiedliche Formate der U18-Wahl: Analog und nun auch digital. An der klassischen analogen U18-Wahl dürfen alle unter 18 Jahren teilnehmen. Dazu sind seit gestern bis zum 27. Februar in ganz Bayern U18-Wahllokale geöffnet, die von örtlichen Jugendringen, Jugendverbänden, Kommunen und Schulen organisiert werden. Es gibt kein Mindestalter, auch jüngere Kinder können teilnehmen. Eine vorherige Registrierung oder ein Ausweis sind dabei nicht erforderlich – man kann einfach mitmachen.

Bei der zweiten Version, dem Online-Voting, sind nur 14- bis 17-Jährige mit deutscher oder einer anderen EU-Staatsbürgerschaft teilnahmeberechtigt. Sie erhalten per Post eine persönliche Wahlbenachrichtigung, mit der sie online abstimmen können. Die Wahlberechtigungen werden von der jeweiligen Kommune auf Grundlage der Melderegisterdaten versendet.

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Viele helfen auch in Tutzing bei der U18-Wahl mit

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Engagiert bei der Vorbereitung der U18-Wahl in Tutzing: (von links) Alizarin Sawairum und Lea Kergl, beide Auszubildende der Gemeinde Tutzing, Bürgermeister Ludwig Horn und die ehrenamtlichen Helferinnen Ilse Reiher und Klementine Rehm © Gemeinde Tutzing

Die digitale Version ist ein Pilotprojekt des bayerischen Digitalministeriums und des Bayerischen Jugendrings (BJR). Schirmherrin ist Bundestagspräsidentin Julia Klöckner.

Die U18-Wahl in beiden Versionen, analog und digital, ist keine amtliche, gesetzlich anerkannte Wahl im Sinn des Wahlrechts. Die abgegeben Stimmen haben keine rechtliche oder verbindliche Wirkung auf die Zusammensetzung der echten kommunalen Gremien. Es handelt sich um eine Wahlsimulation für alle, die noch nicht wahlberechtigt sind (unter 18 Jahren). Organisiert wird sie vom Bayerischen Jugendring, teilweise auch von örtlichen Jugendringen und Schulen, um Jugendliche für Demokratie und politische Teilhabe zu sensibilisieren. Für die technische Umsetzung des Online-Votings ist der Software-Anbieter Polyas zuständig.

Der BJR-Präsident dankt denjenigen Kommunen, die sich für das Projekt beworben und die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen haben, sehr herzlich: Sie ermöglichten es, dass die jungen Menschen unter 18 bis zum 27. Februar um 18 Uhr abends ohne den Besuch eines Wahllokals ihre Stimme abgeben könnten. Anerkennend äußert sich Seitz auch über viele haupt- und ehrenamtlich tätige Personen, die Bayern oft ihre Freizeit investierten, damit junge Menschen unter 18 vor Ort abstimmen könnten. Auch in Tutzing gab es dabei viel Engagement. Seitz verweist darauf, dass Nauch die zahlreichen Wahlveranstaltungen wichtige Beiträge zur Demokratiebildung leisteten.

"Richtig" wählen dürfen junge Menschen unter 18 in Bayern nur bei der Europawahl

"Richtig" wählen können 16- und 17-jährige Jugendliche in einigen Bundesländern schon heute bei bestimmten Wahlen. Das ist nicht einheitlich geregelt. In mehreren Bundesländern dürfen 16- und 17-jährige Jugendliche beispielsweise bei Landtagwahlen und bei Kommunalwahlen wählen, aber nicht in Bayern. Bei der Wahl zum Europäischen Parlament können alle in Deutschland lebenden Personen ab 16 Jahren seit 2024 ihre Stimme abgeben. Für Bundestagswahlen gilt in ganz Deutschland weiterhin das Wahlalter ab 18 Jahren.

Der Bayerische Jugendring setzt sich seit vielen Jahren für eine Senkung des Wahlalters ein. „Junge Menschen erleben heute Umbrüche, die epochal sind", sagt BJR-Präsident Philipp Seitz, "gesellschaftlich und politisch, aber auch, was ihre persönlichen Lebensumstände und ihr Berufsleben angeht." Er halte es deshalb für dringend geboten, junge Menschen mitentscheiden zu lassen. Denn sie seien am längsten von den politischen Entscheidungen betroffen, die heute getroffen werden. Wahlen seien dabei "die zentralste Teilhabemöglichkeit unserer Demokratie.“

Bayerns Digitalminister Mehring will künftig digitale reguläre Wahlen und Abstimmungen

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Links? Rechts? Geradeaus? Wohin der Weg in Tutzing und im Landkreis Starnberg führen sollte, dazu können junge Menschen unter 18 Jahre bei der U18-Wahl ihre Meinung äußern, wenn auch nicht "richtig", sondern nur als Simulation © Grafik: BG / vorOrt.news / pixabay

Für den bayerischen Digitalminister Mehring ist es "ein echter Meilenstein für moderne Demokratie und politische Bildung im Freistaat", dass der Bayerische Jugendring seine U18-Wahl erstmals auch digital durchführt. Bayerns Jugendliche würden damit zu Pionieren für ein "überfälliges Update unserer Demokratie – modern, digital, niedrigschwellig und sicher". Mit diesem Pilotprojekt werde Neuland betreten. Die technischen Grundlagen dafür würden geschaffen, künftig auch reguläre Wahlen und Abstimmungen digital durchführen zu können.

Mehring blickt dabei über das U18-Pilotprojekt hinaus: „Bei der letzten Bundestagswahl hatten leider viele Deutsche, die im Ausland leben, keine Chance, ihre Stimme rechtzeitig abzugeben." Digitale Abstimmungen – wie sie in anderen Ländern bereits erfolgreich eingesetzt werden – könnten solche Probleme zuverlässig lösen. "Meine Vision ist, dass die Menschen in Bayern künftig auch bei Bürgerbegehren oder den Kommunal- und Landtagswahlen digital abstimmen können – selbstverständlich auf höchstem Sicherheitsniveau und unter Wahrung aller Wahlrechtsgrundsätze" sagt der Digitalminister: "Wenn wir die Menschen wieder für unsere Demokratie begeistern wollen, muss politische Teilhabe einfach, direkt und zeitgemäß möglich sein." 2026 müssten digitale Verfahren dabei eine ebenso selbstverständliche Option sein, wie der Urnengang oder die Briefwahl: "So sparen wir Aufwand, senken Kosten und steigern die Wahlbeteiligung.“

"Demokratische Teilhabe so einfach und so selbstverständlich wie das Smartphone in der Hand"

BJR-Präsident Seitz sieht noch einen anderen Aspekt: „Mit dieser Premiere zeigen wir jungen Menschen, dass demokratische Teilhabe so einfach und so selbstverständlich sein kann wie das Smartphone in der Hand." Demokratie erneuere sich nicht von selbst. Sie brauche Menschen, die den Mut hätten, neue Wege zu gehen und sie zeitgemäß mit Leben zu füllen. "Mit den ersten vollständig digitalen U18-Wahlen gehen wir den nächsten Schritt", sagt Seitz: "Wir schaffen einen zusätzlichen Zugang zu demokratischer Teilhabe; niedrigschwellig, zeitgemäß und auf Augenhöhe." Dieses Pilotprojekt sei mehr als ein technisches Update – es sei "ein Bekenntnis zu einer Demokratie, die wächst und voran geht".

Die Ergebnisse der U18-Wahl 2026 werden am Sonntag, dem 1. März bei einer Abschlussveranstaltung in Augsburg bekanntgegeben.

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BRAVO! Ja bitte geht wählen. Mit der Wahl gebt ihr eure Stimme für Dinge, die euch wichtig sind.
Wenn wir heute darüber diskutieren, ab welchem Alter Menschen reif genug sind, eine politische Entscheidung zu treffen, müssen wir zugleich anerkennen, dass es auch im fortgeschrittenen Alter Personen gibt, die die Tragweite ihrer Wahlentscheidung nicht vollständig einschätzen können.

Was ich damit sagen möchte: Wir können gar nicht früh genug damit beginnen, andere Meinungen anzuhören, um uns eine eigene, fundierte Haltung zu erarbeiten. Ebenso können wir nicht früh genug lernen, Zusammenhänge und Konsequenzen von Entscheidungsprozessen zu verstehen und auch Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen.

Eine Entscheidung zu treffen ist häufig ein komplexer Vorgang. Historische Entwicklungen, Hintergrundwissen, rechtliche Grundlagen, mögliche Auswirkungen, gesellschaftliche Balance, geopolitische, volks- und betriebswirtschaftliche Aspekte ebenso wie beteiligte Akteure – all das ergibt eine vielschichtige Gemengelage, die bei Wahlentscheidungen nicht allen Bürgerinnen und Bürgern in vollem Umfang präsent ist und manche überfordern kann. Dies kann zu innerer Distanz, Ablehnung oder Gleichgültigkeit führen – oder dazu, populistisch agierenden Akteuren zu folgen, die vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen.

Daher meine Bitte: Geht wählen und nutzt die Chance, demokratische Prozesse aktiv mitzugestalten und euer Verständnis von Demokratie zu stärken. Aber bitte handelt verantwortungsvoll. Anders ausgedrückt „Bedenke was Du Dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen“.