Bei der Tutzinger SPD stehen Neuwahlen bevor. Dabei wird es wohl einen Wechsel an der Spitze des Ortsvereins geben. Die Vorsitzende Renate Geiger will nicht mehr für die Führungsposition kandidieren. Als denkbarer Nachfolger gilt Werner Hensel. Der 55-Jährige hat bei einer Mitgliederversammlung in dieser Woche sein Interesse bestätigt. Er stammt aus Nordrhein-Westfalen und wohnt seit etwa drei Jahren in Tutzing.
Mitglieder des Tutzinger SPD-Vorstands sind derzeit außer Renate Geiger Helmut Popp und Ernst von der Locht (beide stellvertretende Vorsitzende), Manfred Schlotterer (Kassier), Werner Hensel (Schriftführer), Peter Zapletal (Beisitzer) und Prof. Peter Hanke (Kassenprüfer). Im Tutzinger Gemeinderat ist Renate Geiger in der aktuellen Amtsperiode die einzige Vertreterin der SPD. Schon oft ist eine Überalterung des Ortsvereins beklagt worden, doch mittlerweile sind einige neue jüngere Mitglieder dazugekommen, wie bei der Mitgliederversammlung bekannt geworden ist. Renate Geiger war erkrankt, sie nahm an der Versammlung nicht teil.
Tutzinger Podiumsdiskussion vor der Europawahl geplant
Thema der Versammlung war auch die Vorbereitung der Europawahl. Bei einer Veranstaltung am 16. April will der Ortsverein die gegensätzlichen Möglichkeiten für die Europäische Union herausarbeiten: Enge Vernetzung und harmonische Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten oder Auflösung der EU. Der Politikwissenschaftler Peter Hanke sieht als Alternative nur eine reine Zollunion. „Die Folge wäre aber, dass die Chinesen und die Amerikaner mit uns machen können, was sie wollen“, warnte er. Die europäischen Staaten jeweils für sich seien zu klein, um etwas gegen die „Großen“ ausrichten zu können. Ein Gegengewicht und eine Begegnung mit ihnen „halbwegs auf Augenhöhe“ sei nur möglich, wenn Europa mit einer Stimme spreche.
Eine Diskussion gab es schon darüber, wie die Polarisierung am besten in einen Titel gefasst werden kann. „Zwischen Integration und Auflösung“ schlug Hanke vor. Andere wollten das Wort „Integration“ lieber durch den Begriff „Solidarität“ ersetzen, zumal Integration derzeit eher für das Migrationsthema stehe. Der 33 Jahre alte Christian Stegmüller, eines der neuen Mitglieder, schlug einen kurzen Titel vor: „Europa - wozu?“ Der Vorschlag gefiel allgemein. Allerdings meinte der stellvertretende Vorsitzende von der Locht, dass sich junge Menschen diese Frage nicht mehr stellten: „Sie reisen ohne Pass durch Europa hin und her.“
"Von Veränderungen bei der SPD nach den Wahlklatschen noch nichts gemerkt"
Auch mit der von der Bundes-SPD angekündigten Erneuerung der Partei beschäftigten sich die Tutzinger Genossen. Zu diesen Bemühungen stehen sie gespalten. Hensel begrüßte es, dass Themen wie soziale Gerechtigkeit aufgegriffen würden, er fürchtete aber, dass dies nur ein Strohfeuer sei, das schnell wieder erlöschen werde. Einige Genossen kritisierten, dass von der Neuausrichtung bei der Basis bisher kaum etwas ankomme. Hanke fragte, wo die Gewichtsverlagerung der Partei "nach den Wahlklatschen" stattgefunden habe: "Ich habe noch nicht gemerkt, dass sich etwas geändert hat."
Der langjährige Tutzinger SPD-Vorsitzende Gernot Abendt sagte: "Wir hätten in die Opposition gehen sollen, nicht in die Regierung - jetzt werden wir durch die Koalitionsgemeinschaft immer mehr zerschlissen." Die SPD-Politik sei verwischt: "Jetzt kommen die anderen und besetzen die Felder." Dies könne sich nur ändern, wenn die SPD wieder in die Opposition gehe. Dazu gab Hanke aber zu bedenken: "Dann hätten wir, nachdem sich die FDP vom Acker gemacht hat, als die Leute dagestanden, die verhindern, dass das Land regiert wird."


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