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Marchner tritt nicht mehr an

Gemeinderat will seine „Bürger für Tutzing“ auflösen - Kein Nachfolger gefunden

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Wolfgang Marchner im Gespräch mit anderen Kommunalpolitikern auf dem Wochenmarkt, als er noch auf der Kustermannstraße stattfand

Für seine Gruppe „Bürger für Tutzing“ sitzt Wolfgang Marchner allein im Gemeinderat. Aber von sich reden gemacht hat er immer. Ein Blatt vor den Mund genommen hat er nie, auch wenn er sich damit nicht immer Freunde gemacht hat. Inzwischen aber ist der Diplomingenieur 81 Jahre alt. „Ich mach’s nimmer“, sagte er uns heute. Das heißt: Bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr kandidiert er nicht wieder für den Gemeinderat.

Gesundheitlich fühlt er sich zwar fit, in seiner Familie seien viele 100 Jahre alt geworden. Doch er glaube seinen Beitrag für die Gemeinde geleistet zu haben. Wie es mit seiner Nachfolge aussieht? „Ich habe keine“, sagt er unumwunden: „Es hat sich niemand gefunden.“ Nur zu gern hätte er es gesehen, wenn andere seine Arbeit im Gemeinderat fortführen würden. Das müssten aber „Topleute“ sein, sagt er. Da aber für diese Aufgabe zumindest bisher niemand zur Verfügung steht, will er die „Bürger für Tutzing“ auflösen. Er hatte sie vor der Kommunalwahl 2002 eigens für die Gemeinderatskandidatur gegründet. Nachdem er 1998 als Initiator des Bürgerbegehrens und Bürgerentscheids gegen das damals geplante Seehof-Hotel bekannt geworden war, hatte er sich 2002 auch um das Bürgermeisteramt beworben. Den Sprung ganz an die Rathausspitze schaffte er nicht, der CSU-Bürgermeister Peter Lederer wurde wiedergewählt.

Tutzinger Engagement begann mit dem Seehof-Bürgerbegehren

Doch mit seiner völlig neuen Gruppe Bürger für Tutzing errang Marchner sofort zwei Mandate. Auf einem zog er in den Gemeinderat ein, auf dem anderen Anja Behringer. Sechs und zwölf Jahre später wurde nur noch Marchner für die Bürger für Tutzing gewählt, aber er behielt dieses Mandat für die Gruppe, die er immer als die seine betrachtete. Eine Aufstellungsversammlung hat er anfangs abgehalten, die nach seiner Erinnerung besser besucht war als die der CSU. „So schlecht kann mein Ruf nicht sein“, so kommentiert er dies rückblickend.

Mit seiner Kritik an den Hotelplänen der späten 1990er Jahre hatte er etliche Gleichgesinnte gewonnen, doch von weiteren Versammlungen der Bürger für Tutzing ist über all die Jahre nichts bekannt - der Mann dieser Gruppe war und ist Marchner. Sein Protest gegen das damalige Seehof-Projekt hat ihm den Ruf eines Hotelgegners eingebracht, doch solchen Behauptungen widerspricht er energisch. Er habe immer ein Hotel gewünscht, versichert er. Seine Gegnerschaft habe sich nicht auf ein Hotel bezogen, sondern auf die damals vorgesehene Baugröße, die für dieses Grundstück unangemessen gewesen sei.

Das Baugeschehen in Tutzing war seitdem Marchners Leib- und Magenthema. Er hält viele bauliche Entwicklungen gerade an der Peripherie von München für „unglücklich“, so etwa in Germering oder Gräfelfing, und er will Vergleichbares in Tutzing verhindern. Auch in dieser Gemeinde gefällt ihm längst nicht alles, was gebaut wird. Er fungiert zwar als „Ortsplanungsreferent“, doch er habe sich nicht immer durchsetzen können, sagt er dazu. Doch alles in allem hat sich seiner Meinung nach schon Vieles zum Besseren gewendet.

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