Auf der Ilkahöhe soll bald der Bestattungswald „Waldruh Ilkahöhe“ eröffnet werden. Damit erhält Tutzing neben den klassischen Friedhöfen einen zweiten Ruhewald neben dem auf dem Waldfriedhof. Die Gemeinde hat in einer Satzung, die am Dienstag im Gemeinderat besprochen wurde, genaue Einzelheiten festgelegt. Vom rund 50 Hektar großen Waldgrundstück sollen etwa 37 Hektar als Bestattungswald genutzt werden. Gewässer, Steilhänge und eine Altlastenfläche bleiben ausgespart.
Als Besonderheit eines Ruhewalds oder Bestattungswalds gilt die naturnahe Form der Bestattung in einer geschützten Waldumgebung. Im Gegensatz zu klassischen Friedhöfen stehen dabei der Erhalt des Waldes und die Rückkehr der Asche in den Naturkreislauf im Vordergrund. Viele Menschen empfinden den Wald als einen friedlicheren, tröstlicheren und lebendigeren Ort als einen klassischen Friedhof. Der Wald verändert sich mit den Jahreszeiten, was den natürlichen Kreislauf von Leben und Vergehen widerspiegelt. Ruhe- und Bestattungswälder stehen in der Regel jedem Menschen offen – unabhängig von Glauben, Religion oder Weltanschauung. Abschiedszeremonien können sowohl mit einem Geistlichen als auch völlig frei und individuell gestaltet werden.
Ein eigenständiges großes Waldgebiet abseits klassischer Friedhofsstrukturen
Der vor einigen Jahren neu gestaltete Ruhewald auf dem Tutzinger Waldfriedhof und der Bestattungswald Waldruh auf der Ilkahöhe unterscheiden sich vor allem in Größe, Struktur und Rechtsform. Während der Ruhewald auf dem Waldfriedhof ein friedhofsinterner Bereich innerhalb eines bestehenden Friedhofs ist, handelt es sich auf der Ilkahöhe um einen reinen Naturwald – ein eigenständiges großes Waldgebiet abseits klassischer Friedhofsstrukturen. Das betreffende Areal auf dem Waldfriedhof ist relativ klein, auf der Ilkahöhe dagegen soll die Bestattungsfläche 37 Hektar umfassen. Dort sollen die Waldwege komplett naturbelassen bleiben, asphaltierte Straßen soll es nicht geben. Der Ruhewald im Waldfriedhof wird von der Gemeinde Tutzing verwaltet. Auf der Ilkahöhe wird es sich um einen öffentlich gewidmeten Gemeindefriedhof auf privatem Grund handeln.
Geplant sind eine kleine Kapelle in Holzbauweise, eine Toilette und drei Parkflächen mit zusammen rund 50 Stellplätzen. Im Bestattungswald auf der Ilkahöhe soll es weder Grabsteine noch Grablichter und auch keine Blumenschalen geben. Die Verstorbenen werden dort unter alten Bäumen hoch über dem Starnberger See ruhen.
Nach der Satzung wird die Waldruh eine öffentliche Einrichtung sein und die Gemeinde Tutzing ihr Träger, während der Wald weiterhin dem Gut Ilkahöhe gehört. Die Verträge mit dem Waldbesitzer hatte der Gemeinderat schon 2024 gebilligt. Seitdem lief das Planungsverfahren mit Änderung des Flächennutzungsplans, Bebauungsplan und artenschutzrechtlichen Prüfungen. Ein Bodengutachten ergab unbedenkliche Werte und einen ausreichenden Abstand zum Grundwasser. Gegen das Projekt ausgesprochen hatte sich der Verband für Gedenkkultur, in dem Steinmetzbetriebe organisiert sind.
Der Wald bleibt Wald
Für Beisetzungen in der Waldruh sollen ausschließlich Urnen verwendet werden, und zwar nur biologisch abbaubare Gefäße. Wer will, kann zwischen drei Arten von Ruhestätten wählen: einem Einzelplatz an einem Gemeinschaftsbaum, einem eigenen „Familienbaum“ mit bis zu zwölf Plätzen, der Verwandten und Freunden vorbehalten ist und einem eigenen Baum für Sternenkinder und Kinder bis zehn Jahre. Viele Menschen suchen sich bereits zu Lebzeiten „ihren“ Baum aus. Die Bäume werden in sieben Kategorien eingeteilt. Dabei zählen die Stärke des Baums, besondere Merkmale wie Zwiesel, Mehrstämmigkeit oder eine auffällige Rindenzeichnung und die Lage. Eine „gute Lage“ bedeutet vor allem die Nähe zum Parkplatz oder zum Andachtsplatz.
Bestattet werden können auf der Anlage Tutzinger Bürgerinnen und Bürger, die einen Anspruch darauf haben, und auswärtige Personen, die ein Nutzungsrecht erworben haben. Ein solches Recht kann man schon zu Lebzeiten erwerben, längstens bis Ende 2099. Die Ruhezeit beträgt 20 Jahre. Weiterverkauf und Rückgabe gegen Erstattung sind ausgeschlossen.
Der Wald soll so naturbelassen bleiben, wie er ist. Je nach Jahreszeit schmücken Moos, Herbstlaub oder Wildblumen die Ruhestätten, die einheitliche Namensschilder am jeweiligen Baum erhalten, auf Wunsch mit Name, Geburts- und Sterbejahr. Gepflegt wird ausschließlich von der Gemeinde. Grabschmuck, Gedenksteine, Anpflanzungen und Kerzen sind ebenso untersagt wie Rauchen und offenes Feuer. Angeleinte Hunde sind erlaubt, Kinderwagen und Rollstühle ebenfalls auf den Hackschnitzelwegen. Bei Sturm, Gewitter und Glatteis darf das Gelände nicht betreten werden. Beisetzungen finden in der Regel an Werktagen in Anwesenheit eines Gemeindevertreters statt.
Viele Familien leben heute weit verstreut, und nicht jeder hat Angehörige in der Nähe, die sich jahrzehntelang um ein Grab kümmern können. Für sie bietet die Waldruh eine Alternative: Pflegekosten und -aufwand fallen weg, und der Wald bleibt Wald. Was ein Platz unter den Bäumen kosten wird, soll eine eigene Gebührensatzung regeln. Die konkreten Gebühren sind noch nicht bekannt, weil die Stellungnahme des Steuerberaters noch aussteht.
Weitere Informationen:
https://www.gut-ilkahoehe.de/neue-seite
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Kommentare
Der Trend geht ja eh von der klassischen Sargbestattung am Anfang - auf Urne - und jetzt immer mehr solche Bestattungen - man sieht ja alleine am neuen Friedhof und Waldfriedhof, wieviel klassische Gräber inzwischen aufgelassen wurden und immer mehr Lücken vorherrschen…zudem immer weniger Kirchenmitglieder - Hauptgrund bleibt aber m.E. die Kosten und Pflege