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Tutzinger Gemeinderat wird nicht größer

Bevölkerung amtlich mit 9966 Personen festgelegt - Kandidaturen noch meist offen - AfD will antreten

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Der Tutzinger Gemeinderat wird im nächsten Jahr bei der Kommunalwahl nicht von bisher 20 Mitgliedern auf 24 Mitglieder vergrößert werden. Bürgermeister Ludwig Horn hat am Dienstag im Gemeinderat mitgeteilt, dass das Bayerische Landesamt für Statistik die Bevölkerung der Gemeinde Tutzing zum Stichtag 30. Juni 2025 mit 9966 Personen festgelegt hat.

Nach Artikel 31 der Bayerischen Gemeindeordnung haben die Gemeinderäte in Kommunen bis zu 10 000 Menschen 20 Mitglieder und in Kommunen mit mehr als 10 000 bis zu 20 000 Menschen sind es 24 Mitglieder. Wegen der vom Statistischen Landesamt festgelegten Bevölkerungsgröße sei nicht mit einer Erhöhung auf 24 Gemeinderatsmitglieder zu rechnen, sagte Horn im Gemeinderat.

Über Kandidaturen zur Gemeinderatswahl 2026 ist bisher kaum etwas bekannt. Fest steht die nochmalige Kandidatur von Ludwig Horn (CSU) zum Bürgermeister - das hatte er bei seiner Wahl im November 2023 zugesagt, obwohl sie für sechs Jahre gilt, und er hat mehrmals bekräftigt, dass er dabei bleibt. Weitere Bewerbungen für das Amt des Bürgermeisters gibt es bisher nicht. Keine Informationen gibt es bisher auch darüber, ob alle derzeitigen Gemeinderatsmitglieder wieder zur Wahl antreten. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" plant die AfD eine Kandidatur für den Tutzinger Gemeinderat. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/afd-kommunalwahl-starnberg-tutzing-gauting-ingo-hahn-li.3238023

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Wie groß ist die Tutzinger Bevölkerung wirklich?

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Rätsel über die Größe der einheimischen Bevölkerung geben unterschiedliche Angaben auf: 10 065 Einwohner hat Tutzing nach Angaben auf der Gemeinde-Webseite, 9966 Personen sind es nach Angaben des Bayerischen Statistischen Landesamts. © https://www.tutzing.de/tutzing-in-zahlen/

Auf der Webseite der Gemeinde wird die Bevölkerung von Tutzing noch mit 10 065 Personen angegeben (Stand 31. Juli 2025). Da in Deutschland eine Meldepflicht beim Einwohnermeldeamt besteht, müsste die Gemeinde eigentlich die beste Kenntnis über ihre Bevölkerung haben. Denn wer eine Wohnung bezieht, muss sich innerhalb von zwei Wochen anmelden. Wer auszieht und keine neue Wohnung im Inland bezieht, muss sich ebenfalls innerhalb von zwei Wochen abmelden.

Die Differenz der Daten von Gemeinde und Statistischem Landesamt erstaunt auch deshalb, weil die Volkszählung, die das Statistische Landesamt seinen Berechnungen zugrundelegt, schon recht lange her ist: Sie hat im Mai 2022 stattgefunden. Zum Zeitpunkt der Kommunalwahl werden diese Daten fast vier Jahre alt sein.

Es gibt aber eine so genannte Bevölkerungsfortschreibung, die das Statistische Bundesamt vierteljährlich und jährlich veröffentlicht. Dabei werden die früheren auf dem Zensus aus dem Jahr 2011 basierenden Bevölkerungszahlen für die Berichtszeiträume nach dem Zensus-Stichtag (15. Mai 2022) aufgrund der neuen Basis "sukzessive neu berechnet und zur Verfügung gestellt", wie es in einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts heißt.

Bei den Statistikern werden aber alle möglichen verschiedenen Methoden und Daten verwendet - der Mikrozensus, eine Stichprobenerhebung, die Einwohnerregisterstatistik und andere Quellen. Hinzu kommen Unterschiede im Meldeverhalten der Bevölkerung, beispielsweise nicht gemeldete Umzüge oder Wegzüge. Einen wesentlichen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung hat zudem die Migration. Die Vielfalt der Informationen dürfte auch etliche potenzielle Fehlerquellen in sich bergen.

Wie groß also ist die Tutzinger Bevölkerung wirklich? Ob hierfür die von "außen" angestellten Berechnungen der Statistiker oder die "innen" von der Gemeinde selbst in ihrem Einwohnermeldeamt erhobenen Daten die besser geeignete Grundlage sind, darüber lässt sich trefflich spekulieren.

Was offiziell gilt, ist aber dessen ungeachtet per Gesetz genau festgelegt: Für die Kommunalwahlen ist nach dem Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz (GLKrWG) der letzte fortgeschriebene Stand der Bevölkerung zugrundezulegen, der vom Bayerischen Landesamt für Statistik früher als sechs Monate vor dem Wahltag veröffentlicht wurde. Die Kommunalwahlen finden am 8. März 2026 statt. Der letzte fortgeschriebene Stand der Bevölkerung, der früher als sechs Monate vor dem Wahltag veröffentlicht wurde, ist nach Angaben des Landesamts die „Stichtagsbevölkerung“ zum 31. März 2025.

Die „Stichtagsbevölkerung“ ist übrigens nicht nur für die Zahl der Gemeinderatsmitglieder wichtig. Nach Angaben des Statistischen Landesamts ist sie darüber hinaus für mehrere Entscheidungen maßgeblich, so zum Beispiel für die Einstufung in ein Amt als erste Bürgermeisterin oder erster Bürgermeister, als weitere Bürgermeisterin oder weiterer Bürgermeister sowie für die Höhe der Dienstaufwandsentschädigung von kommunalen Wahlbeamtinnen und Wahlbeamten.

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Kommentare

Ja, Ihre Ergänzung ist entscheidend, Herr Rekus. Die Rechtsradikalen haben eine Art „Generalschlüssel“ zur Destabilisierung der Demokratie gefunden – und nutzen ihn Schritt für Schritt, während die demokratische Zivilgesellschaft wie gelähmt wirkt und noch immer keinen Gegenschlüssel in Entwicklung hat.

Für Tutzing heißt das: Wenn 2026 mit hoher Wahrscheinlichkeit die AfD in den Gemeinderat einzieht, wird sich für alle Parteien, besonders aber für die rechtskonservativen, die entscheidende Frage stellen: klare Abgrenzung, Kooperation oder die politische Schreckstarre?

Deshalb brauchen wir hier in Tutzing einen „Gegenschlüssel“ zum rechtspopulistischen „Generalschlüssel", der nicht laut, sondern verlässlich wirkt. Für den Gemeinderat eine belastbare Geschäftsordnung, die Grenzüberschreitungen stoppt; transparente Verfahren, die Behauptungen schnell mit Fakten konfrontieren; eine klare Selbstverpflichtung der demokratischen Fraktionen zur Nichtkooperation mit Extremisten. Und überall im Ort braucht es eine Zivilgesellschaft, die Betroffene schützt, Debatten sachlich moderiert und Zugehörigkeit stiftet. So bleibt die Sprache im Rat und im Ort zivil und die Arbeit konzentriert sich auf Lösungen. Auf sachgerechte und die Bürgerschaft überzeugende Tutzinger Lösungen.

Unter dieser Voraussetzung wird der Generalschlüssel der Destabilisierung in Tutzing keine passenden Schlösser finden.
Herr Kerbs, Sie beschreiben diese "zornig-aufgeheizten Atmosphäre" mit reduzierter "Geduld und Frustrationstoleranz" und die Folgen durchaus richtig.
Ich möchte hinzufügen, dazu bedient man sich zunehmend der menschlichen Ängste, tatsächlicher oder vermeindlicher Krisen und der Apokalyptik, um im Windschatten Entscheidungen durchzusetzen, die in entspannteren Zeiten eher keine Mehrheiten finden würden.
In einer solchen Ära, die im Prinzip 500 Jahre Aufklärung & Vernunft im Kant'schen Sinne einfach mal durch den Abfluß spült, spielen Tatsachen, Statistik, belegbare Nachweise dann keine Rolle mehr. Es reicht, etwas zu behaupten oder auch etwas nicht zu "glauben".

Beliebige Beispiele?
-> Trumpl & Co negieren einfach all' die Daten zu den klimatischen Veränderungen, also gibt es sie in ihrer Welt auch nicht.
-> Umgekehrt gibt es auch: Man kann zwar keine Gefahr konkret belegen, aber man "fühlt" sich bedroht oder gefährdet und verlangt daher von der Gesellschaft allgemeine Einschränkungen & Verbote.
Nun wird der politische Disput im Jahr 2025 nicht mehr vom Bürger geführt, sondern von Polarisierungsunternehmern. Ihr Ziel ist längst nicht mehr Verständigung oder ein fairer Aushandlungsprozess; es geht ihnen darum, die Gesellschaft in einen Zustand permanenter Grundärgerlichkeit zu versetzen. In dieser zornig-aufgeheizten Atmosphäre sind Geduld und Frustrationstoleranz rar geworden. Der präfrontale Cortex, ebenso wie die emotionale Empathie, werden in solch erhitzten Debatten ausgeschaltet – und mit ihnen die Bereitschaft, sich auf Nuancen einzulassen oder andere Positionen auszuhalten. Stattdessen steigt die Akzeptanz für rechtspopulistische Strömungen, deren vermeintlich einfache Antworten in dieser Verfassung besonders anschlussfähig sind.

Wie wirksam diese Strategie ist, zeigt die Entwicklung in den USA: Dort wird es inzwischen von der Öffentlichkeit hingenommen, wenn höchste Regierungsbeamte ihre Posten verlieren, weil sie korrekte Arbeitsmarktdaten veröffentlichen und stattdessen gefordert wird, die Statistik zugunsten der Regierung zu schönen.

Wenn in Tutzing die Rechtsradikalen erstmals in den Gemeinderat einziehen, wird die politische Kultur vor Ort unwiderruflich verändert. Die Brutalisierung und Verrohung des politischen Diskurses, wie sie bereits vielerorts, im Osten und zunehmend auch in Kommunen des Westens, zu beobachten ist, droht nun auch hier Einzug zu halten. Die Hoffnung, dass sich rechtsextreme Kräfte durch ihre bloße Präsenz entzaubern, wird sich nicht erfüllen. Tatsächlich vollzieht sich, neurobiologisch wie politisch, genau das Gegenteil: Eine Verschiebung der Grenzen des Sagbaren und Akzeptablen und eine Erosion demokratischer Standards, wie sie in den USA längst Realität ist.
Entscheidend ist doch vor allem, was wir Bürger aus den politischen Disputen machen?
Lassen wir uns in der Phase der argumentativen Diskussion unüberbrückbar spalten, oder sind wir selbst auch bereit anschließend in einer Politischen Entscheidung wieder zusammenzufinden? (Kombination aus Mehrheiten und Einbindung mittels Kompromis)

Denn eines ist auch klar:
Der politische Disput - bitte immer sachlich statt persönlich - gehört genauso zur DNS der Demokratie, wie unsere Wahlen und unsere Gewaltenteilung.
Ja, die Gefahr der Polarisierung ist leider hoch. Ich halte einen unabhängigen (partei)politischen Lokaljournalismus für uns Bürger und unsere demokratischen Prozesse dennoch für unverzichtbar. Denn durch seine unmittelbare Verankerung im sozialen Gefüge der Gemeinde als „vierte Gewalt“ sichert er Transparenz und schafft Öffentlichkeit für lokale Entscheidungsprozesse. Wo Gemeinderäte unbeobachtet tagen können , wo kritische Gegenmeinungen kein Sprachrohr finden, wo Korruption im Kleinen beginnt - dort zeigt sich seine Abwesenheit.
Ich verstehe den Wunsch der Herren Muhr und Mieth nach einer sachlichen Diskussion. Allerdings lässt sich das Politische aus der Berichterstattung über kommunale Themen kaum ausblenden. Entscheidungen zu Gemeindeangelegenheiten entstehen schließlich nahezu ausschließlich im Rahmen politischer Prozesse. Eine Online-Plattform, die lokale Ereignisse beleuchtet, kann (partei)politische Aspekte unmöglich ignorieren.

Zumal bereits die Forderung nach einer politikfreien Plattform selbst aus einer parteipolitische Haltung entstanden ist.
Ich finde die Parteipolitik an diesem Portal als unpassend, ich weiß, dass Parteipolitik auch Interessenvertretung ist, aber in diesem Portal sollten bürgernahe Probleme behandelt und wenn möglich gelöst werden.
Egal welche Partei diese Probleme ins Programm aufnimmt und zu lösen versucht.
Ich schreib's ganz offen:
Die AfD & Co. wünsche ich mir nicht im Tutzinger Gemeinderat.

Stattdessen aber...
fehlen mir im Tutzinger Gemeinderat echte, tiefrote "Sozis" mit klarem Schwerpunkt auf die Interessen der sog. "kleinen Leute".
Solche Persönlichkeiten sehe ich derzeit im Tutzinger Gemeinderat so gar nicht; leider nicht bei der SPD und auch nicht bei den Grünen.
Wenn's die SPD & die Grünen nicht tun, vielleicht schließen dann doch mal die Linken diese Angebotslücke im Tutzinger Politangebot?
Mit dem Rückenwind aus der diesjährigen Bundestagswahl; mit 8,8 % die aktuelle Nr. 5 im Bundestagsranking vor manch' großen Namen.
Noch ist es ja nicht so, dass nur Großverdiener und Millionäre in Tutzing leben (und wählen) !
(Bearbeitet)