Von vorOrt.news

Deutliche Finanzfolgen von Corona

Stundungsanträge und Steuereinbußen bei der Gemeinde Tutzing

Corona wird für Tutzing über die gesundheitlichen Folgen hinaus weitreichende Konsequenzen haben. Das betrifft die finanzielle Situation in zahlreichen Unternehmen und Geschäften, bei Handwerksbetrieben und Dienstleistern, wohl auch bei so manchem Verein, aber auch bei der Gemeinde Tutzing. Viele Firmen haben beim Finanzamt bereits ihre Gewerbesteuer-Vorauszahlungen auf Null setzen lassen, wie Mitarbeiter der Rathausverwaltung im Gemeinderat mitgeteilt haben.

In der ersten Sitzung des neuen Gemeinderats erkundigte sich Georg Schuster (FDP) nach der aktuellen finanziellen Lage der Betriebe in Tutzing. „Wir machen uns da viele Gedanken drüber“, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald. „Das macht uns große Sorgen“, fügte sie hinzu. Die Gemeinde habe auch schon Stundungsanträge erhalten. Denkbare Hilfsmöglichkeiten werden im Rathaus nach Angaben der Bürgermeisterin geprüft. Schuster regte zu diesem Thema eine Sondersitzung des Gemeinderats an.

Erhebliche finanzielle Auswirkungen auch bei der Gemeinde selbst zeichnen sich ebenfalls bereits ab. Bei der Einkommensteuer ist das zwar noch nicht spürbar; nach den neuen Daten von Anfang Mai ist die auf die Gemeinde Tutzing entfallende Beteiligung nach Angaben von Kämmerin Manuela Goldate noch „in gewohnter Höhe“.

Gewerbesteuer-Einnahmen der Gemeinde Tutzing seit 1995

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Ansatz für 2020: Bisherige Schätzung © Haushaltsplan der Gemeinde Tutzing 2020
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Einkommensteuer-Einnahmen der Gemeinde Tutzing seit 1995

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Ansatz für 2020: Bisherige Schätzung © Haushaltsplan der Gemeinde Tutzing 2020

W.A.F. wird für dieses Jahr keine Gewerbesteuer zahlen

Doch bei der Gewerbesteuer gibt es bereits deutliche Hinweise auf Einbußen. Einer der größten Tutzinger Gewerbesteuerzahler ist das Unternehmen W.A.F. im Ortsteil Kampberg, das einer der führenden deutschen Veranstalter von Seminaren für Betriebsräte ist. „Wir werden für dieses Jahr keine Gewerbesteuer bezahlen“, bestätigt sein Vorstandsmitglied Christian Lütgenau. Denn die Geschäfte stehen weitgehend still. Nach Lütgenaus Angaben hat W.A.F. zuletzt rund 1,2 Millionen Euro Gewerbesteuer entrichtet. Das entspricht allein fast einem Viertel des diesjährigen Ansatzes für die Gewerbesteuer im Haushalt der Gemeinde, der 4,6 Millionen Euro beträgt.

Trotzdem gibt es in Tutzing nicht „einen großen Hauptsteuerzahler“, sagte Bürgermeisterin Greinwald in der Gemeinderatssitzung. „Die Vielfalt hält uns aufrecht“, sagte sie. Die Reduzierungen würden zwar sicher ein Problem werden. In der jüngeren Vergangenheit waren die Gewerbesteuer-Einnahmen in Tutzing gestiegen. Doch verglichen mit anderen Gemeinden sind sie in Tutzing immer noch nicht allzu hoch. „Wir sind halt immer arm“, kommentierte die Rathauschefin.

Nach Lösungen für die sich im Zuge der Corona-Krise bei den Kommunen und im Landkreis öffnenden Finanzlücken halten die Verantwortlichen unterdessen Ausschau. Wegen der allseits befürchteten massiven finanziellen Folgen sind in den Gemeinden – und auch in Tutzing - bereits Forderungen nach einer Reduzierung der Kreisumlage zu hören, die die Kommunen jährlich an den Landkreis Starnberg abführen müssen. Tatsächlich hat der neue Starnberger Landrat Stefan Frey schon eine gewisse Bereitschaft signalisiert, den Kommunen finanziell entgegenzukommen. Frey will Gemeinden nicht überfordern In Tutzing ist die Kreisumlage in den vergangenen Jahren ständig gestiegen:

Kreisumlage der Gemeinde Tutzing 2013 bis 2020

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© Haushaltsplan der Gemeinde Tutzing 2020 / Tabelle vorOrt.news
ID: 2967
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