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Tutzing regelt die Bebauung am Seeufer

Folge langwieriger Diskussionen über zwei größere Vorhaben ist eine Veränderungssperre

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Der Bereich der Veränderungssperre ist gelb markiert. Rechts der Starnberger See mit dem Freibadegelände und einigen privaten Ufergrundstücken, oben der Sprungsleitenweg. © Gemeinde Tutzing

Monatelange kritische Diskussionen über zwei größere Bauvorhaben in der Nähe des Tutzinger Seeufers münden in eine Veränderungssperre. Der Gemeinderat hat sie auf Empfehlung seines Bau- und Ortsplanungsausschusses beschlossen. Damit will er erreichen, dass sich Gebäude maßvoll in die bestehende parkartige Landschaft mit der für den Starnberger See typischen Villenbebauung einfügen. Die Veränderungssperre betrifft zwei Flurnummern oberhalb des Freibadegeländes, neben dem Sprungleitenweg. Die dort geplanten Bauten liefen „den städtebaulichen Zielvorstellungen der Gemeinde zuwider“, erläutert die Gemeinde in der Begründung der Veränderungssperre. Es handelt sich um zwei benachbarte Projekte.

Rechtsanwalt: Das Seeufer ist ein verletzlicher Bereich

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So sah die Baustelle direkt am Sprungleitenweg schon Mitte 2018 aus. Hinten der Altbau auf dem Nachbargrundstück. © L.G.

Eines der beiden Vorhaben - direkt am Sprungleitenweg - ist schon seit einiger Zeit in Arbeit. Der Hang ist an dieser Stelle tief abgegraben worden, unterhalb ist der Rest des großen Grundstücks parkartig angelegt worden. Bei dem dort vorgesehenen Gebäude hat sich ein von den Bauwerbern gewünschter Turm zu einem Streitobjekt entwickelt. Obwohl das Landratsamt als Genehmigungsbehörde den Bauantrag wegen dieses Turms und einer so entstehenden optischen Dreigeschossigkeit abgelehnt hat, war er in später eingereichten Bauanträgen abermals enthalten. Eine andere Version ohne Turm hatte das Landratsamt dagegen genehmigt. An diesem Hin und Her gab es zuletzt im Bauausschuss heftige Kritik.

Die Folge ist nun die Veränderungssperre. Sie betrifft auch die Planung auf dem Nachbargrundstück. Dessen Eigentümer wollen an der Stelle eines bestehenden Gebäudes und eines weiteren kleineren Bauwerks zwei Villen errichten, deren Größe der Bauausschuss wegen einer befürchteten Riegelwirkung schon mehrmals abgelehnt hat. Für das betreffende Gebiet ist ein Bebauungsplan in Arbeit. Er hat jedoch noch nicht die so genannte Planreife erreicht. Damit können seine Vorgaben nicht herangezogen werden. Als Maßstab gilt die Umgebungsbebauung, wie es im Paragrafen 34 des Baugesetzbuchs vorgesehen ist. Einer solchen „Planersatzvorschrift“ könne die städtebauliche Entwicklung in diesem Bereich aber nicht überlassen werden, schreibt die Gemeinde in der Begründung zur Veränderungssperre.

Damit folgt die Gemeinde einer Empfehlung des für sie tätigen Münchner Rechtsanwalts Dr. Volker Gronefeld. Er hatte ihr im Bauausschuss empfohlen, ihren planerischen Willen für die künftige bauliche Entwicklung am Seeufer zu präzisieren. Es handele sich um einen "verletzlichen Bereich". Damit, sagte er, gehe es nicht nur um Privatinteresse, sondern auch um öffentliches Interesse.

Nach den für die Veränderungssperre festgelegten Zielen soll die bisherige optische Wirkung vom See aus, geprägt durch die Bebauung mit freistehenden Einzelhäusern und ihrem umgebenden Grünraum, auch zukünftig in diesem Teil der Gemeinde städtebaulich erhalten bleiben. Dies soll durch konkrete Vorgaben für die Ausmaße der Baukörper gesichert werden. So sollen höchstens zwei Vollgeschosse mit maximal 7,30 Metern Wandhöhe zulässig sein.

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Quelle Titelbild: Gemeinde Tutzing
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