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Ein FDP-Bürgermeister in Tutzing

Überraschungssieger von Eichenau ist heute Abend im Roncallihaus zu Gast - Thema: Barrierefreiheit

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FDP-Bürgermeister in Eichenau ist Peter Münster © Plakat der FDP Tutzing

FDP-Bürgermeister haben Seltenheitswert. Einer von ihnen ist heute Abend in Tutzing zu Gast: Peter Münster. Der Rechtsanwalt hat vor drei Jahren zur allgemeinen Überraschung gegen einen CSU-Kandidaten in der Stichwahl die Rathausspitze von Eichenau im Landkreis Fürstenfeldbruck erobert - unterstützt übrigens von den Grünen, die bei ihm "durchaus Übereinstimmungen" mit ihren Zielen sahen. Auch in Krailling im Landkreis Starnberg gibt es einen FDP-Bürgermeister: Rudolph Haux ist vor ein paar Monaten zum Nachfolger der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Christine Borst von der CSU gewählt worden.

Eichenaus Bürgermeister Peter Münster kommt heute Abend auf Einladung der Tutzinger FDP ins Roncallihaus, die damit gewissermaßen in Tutzing ihren Kommunalwahlkampf eröffnet. Einen Schwerpunkt soll das Thema Barrierefreiheit bilden, bei dem der Tutzinger FDP-Ortsvorsitzende Michael Klein in einer Vorabmeldung Versäumnisse der Gemeinde beklagt. Sowohl ältere Bürger als auch junge Familien mit Kinderwägen stünden im Ort immer wieder vor Herausforderungen. Er verweist auf ein vor sechs Jahren von der bayerischen Staatsregierung gesetztes Ziel, das Land bis zum Jahr 2023 im öffentlichen Raum komplett barrierefrei zu gestalten. "Ein Gesamtkonzept scheint für diesen Zeitraum in der Gemeinde jedoch nicht zu existieren", kritisiert er.

Klein: "Das Rathaus sollte eigentlich eine Leuchtturmfunktion übernehmen"

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"Zu steil, zu schmal, schwer zu befahren": Rampe am Tutzinger Rathaus © L.G.

Anfangen will der Ortsverband der FDP am Rathaus, das bei diesem Projekt "eigentlich eine Leuchtturmfunktion übernehmen sollte", wie er meint. Vielmehr verdeutliche es jedoch die Mängel bei diesem Thema. Die Rampe an der Außentreppe sei zu steil, zu schmal und wegen des Kopfsteinpflasters schwer zu befahren. Im Rathaus selbst müsse dann direkt nach der Eingangstür erst eine mobile Rampe installiert werden.

In den ersten Stock, zum Beispiel zum Besuch einer Gemeinderatssitzung, komme man dennoch nicht, kritisiert Klein, und weiter: „Nur ein Außenaufzug würde die Barrierefreiheit für das gesamte Haus sicherzustellen.“ Hier unterstütze die FDP die Initiative der Behindertenbeauftragen Elisabeth Dörrenberg (CSU), die sich ebenfalls für einen solchen Aufzug ausspreche. Tatsächlich hat sie bereits vor einem Jahr im Hauptausschuss des Gemeinderats einen entsprechenden Antrag gestellt. Er wurde dort zunächst nicht detailliert behandelt, sondern wegen der Kosten an die Beratungen über den Gemeindehaushalt verwiesen. Ob das Thema weiter verfolgt wird, ist nicht bekannt. Außenaufzug fürs Rathaus beantragt

Dringenden Handlungsbedarf sieht die FDP auch am Tutzinger Bahnhof. „Dort reden wir über Carsharing, Parkplätze, und Fahrradständer", so Klein: "Dass der Bahnhof aber trotz des umfangreichen Umbaus vor wenigen Jahren immer noch nicht voll barrierefrei ist, ist eigentlich ein No-Go.“ Der dritte Fahrstuhl, für den ein Schacht bereits vorhanden sei, solle von der Gemeinde aktiv vorangetrieben und in der Prioritätenliste nach oben gesetzt werden.

Carsharing, Parkplätze, Fahrradständer, aber keine volle Barrierefreiheit: "Ein No-Go"

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Der Tutzinger FDP-Ortsvorsitzende Michael Klein (li.) beim Besuch des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner in Tutzing 2017 © L.G.

„Was nützt mir ein Parkplatz auf der Westseite", fragt Klein, "wenn Mitbürger mit eingeschränkter Mobilität dann ein paar hundert Meter um den kompletten Bahnhof herum müssen?“

Am Bahnhof hat die Tutzinger FDP auch gleich ein weiteres Problemfeld entdeckt: Die Unterführung dort sei teils nur unter Gefahren passierbar - ebenso wie die an der Kustermannstraße. Klein fordert: „Wir brauchen hier für Tutzing ein ganzheitliches Konzept, da für die Barrierefreiheit viele Details eine Rolle spielen, die auch mehrere Themenkomplexe umfassen."

Die Veranstaltung heute Abend im Roncallihaus beginnt um 19 Uhr. Nach einem Vortrag des Eichenauer Bürgermeisters Münster soll bereits ein konkreter Forderungskatalog erstellt werden. „Wenn wir bis 2023 das Ziel erreichen wollen, müssen wir unverzüglich loslegen", so Klein. Aktuell scheine die Gemeinde diese Frist jedoch "nicht auf dem Schirm zu haben".

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