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"Nicht nur Privatinteresse"

Bebauung am Seeufer: Gemeinde Tutzing soll ihren planerischen Willen präzisieren

Die künftige bauliche Entwicklung am Tutzinger Seeufer soll verstärkt unter die Lupe genommen werden. Den konkreten Anlass dafür bilden zwei Bauvorhaben im Norden der Gemeinde, oberhalb des Freibadegeländes, am Sprungleitenweg. Es handelt sich um Pläne für zwei "nicht ganz unbedeutende Baukörper", so formulierte es der Rechtsanwalt Dr. Volker Gronefeld im Bauausschuss des Gemeinderats.

Die beiden Bauvorhaben sollen nebeneinander am Sprungleitenweg entstehen, der von der Hauptstraße zum Seeufer hinunter führt. Beide Planungen beschäftigen den Bauausschuss schon seit geraumer Zeit, in beiden Fällen sind schon mehrmals verschiedene Entwürfe eingereicht worden.

Ein Bebauungsplan ist in Arbeit, hat aber keine Planreife, so dass als Kriterium nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs die Umgebungsbebauung heranzuziehen wäre. Er habe aber Schwierigkeiten, sagte Gronefeld, beide Bauvorhaben nur unter diesem Aspekt zu beurteilen. Um endlich Klarheit zu schaffen, hat er empfohlen, dass die Gemeinde nun erst einmal ihren planerischen Willen für die künftige bauliche Entwicklung am Seeufer präzisieren sollte. Beim Seeufer handele es sich um einen "verletzlichen Bereich". Damit, sagte Grönefeld, gehe es nicht nur um Privatinteresse, sondern auch um öffentliches Interesse.

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Blick vom Tutzinger Freibadegelände: Links sollen die beiden Villen entstehen, rechts haben die Bauarbeiten längst begonnen

Der Bauausschuss empfiehlt dem Gemeinderat eine Veränderungssperre

Der Bauausschuss ist dem Rat des Juristen gefolgt. Er hat die beiden Anträge, die für die Bauvorhaben eingereicht worden waren, abgelehnt. Darüber hinaus empfahl er dem Gemeinderat, eine Veränderungssperre für das betreffende Gebiet zu erlassen. Der Bebauungsplan soll weitergeführt werden.

Das Bauvorhaben direkt am Sprungleitenweg ist schon seit einiger Zeit in Arbeit. Die tiefe Baugrube am Hang ist in Tutzing bekannt. Das Gebäude, das dort entstehen soll, war schon genehmigt. Als Stein des Anstoßes fungiert jedoch nach wie vor ein Turm, den die Bauwerber gern mittig in dem Bauwerk errichten würden. Wegen des Grundstücks-Zuschnitts wird der Bau länglich ausfallen, und die Eigentümer sind der Meinung, dass ein Turm die Ansicht auflockern würde.

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'"Verletzlicher Bereich": Blick vom Sprungleitenweg © Fotos: L.G.

"Ich sehe, wie der Turm emporwächst"

Im Gemeinderat und im Landratsamt ist der Turm aber schon seit langer Zeit negativ beurteilt worden. Weil der Bau mit ihm dreigeschossig wirken würde, hat das Landratsamt die Planung schon 2016 abgelehnt. Dann haben die Bauwerber einen Entwurf ohne Turm und stattdessen mit einem Vorbau und einem Giebel eingereicht. Der gefiel allen besser, und er wurde 2017 genehmigt. Aber seitdem sind noch drei weitere Entwürfe eingegangen: im Januar 2018 wieder mit Turm - das wurde abgelehnt. Im Juli 2018 wieder ohne Turm - das wurde genehmigt. Im Dezember 2018 schließlich wieder mit Turm - da steht eine Entscheidung noch aus.

„Ich sehe, wie der Turm wieder emporwächst“, sagte dazu Rechtsanwalt Gronefeld. Im Bauausschuss gab es angesichts dieses Hin und Her recht deutliche Kommentierungen. Dr. Heinrich Reiter (Freie Wähler) wähnte „eine Art Beschäftigungstherapie“ für die Gemeinderäte, Peter Stich (CSU) sagte klipp und klar: „Das hängt mir schon langsam zum Hals raus.“

Das zweite Bauvorhaben daneben, etwas abgerückt vom Sprungleitenweg, kam diesmal nur kurz zur Sprache. An der Stelle eines bestehenden älteren Gebäudes und eines Nebengebäudes sind dort zwei Villen geplant, deren Dimension den Gemeinderäten zu groß erscheint. Schon mehrmals hatten sie auch eine Unterordnung des Nebengebäudes gefordert, doch nach dem aktuellen Antrag erscheinen ihnen die beiden vorgesehenen Villen zu gleichrangig.

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