Was den Seehof betrifft, gab es für die Tutzinger CSU früher ein klares Ziel: Auf dem Grundstück durfte nur wieder ein Hotel errichtet werden. Dafür hat sie besonders mit ihrem Bürgermeister Peter Lederer gekämpft, der von 1996 bis 2008 an der Rathausspitze stand. Mittlerweile hat sich an dieser Grundhaltung einiges geändert. CSU-Gemeinderat Dr. Thomas von Mitschke-Collande hat sich in der letzten Gemeinderatssitzung vor den Sommerferien klar dafür ausgesprochen, auf die Hotelnutzung zu verzichten. Man müsse die Dinge realistisch sehen und erkennen, dass es an dieser Stelle nicht das von vielen gewünschte Hotel geben werde. Sein Fraktionskollege Peter Stich formulierte es nicht minder deutlich: „Das Hotel können wir uns abschminken.“
Eine Kehrtwende? So will es CSU-Fraktionssprecherin Stefanie von Winning nicht verstanden wissen. „Wir sind alle für ein Hotel“, sagt sie, „aber es baut keiner.“ Deshalb scheinen die CSU-Gemeinderäte mehr und mehr dazu zu neigen, von der für dieses Areal bisher noch immer baurechtlich festgeschriebenen Hotel-Forderung abzukommen.
Ob das in der gesamten Tutzinger CSU so gesehen wird, das scheint allerdings keineswegs klar zu sein. In der CSU gebe es dazu keine geschlossene Meinung, sagt der stellvertretende Ortsvorsitzende Rolf Bäck, der selbst nicht dem Gemeinderat angehört. Er plädiert klar für ein neues Seehof-Hotel: „Ich bin dafür, Tutzing als Fremdenverkehrsort zu entwickeln - und dazu gehört die Hotellerie.“ Wenn sich die CSU-Gemeinderäte gegen ein Hotel äußerten, sei das nicht mit dem CSU-Ortsvorstand abgesprochen.
Das bestätigt auf Nachfrage auch Stefanie von Winning: „Wir haben mit der Partei darüber noch nicht in größerem Stil gesprochen.“ Man werde sich wohl mal treffen müssen, folgert Bäck. Seiner Meinung nach wäre dies ein Thema für eine außerordentliche Versammlung, vielleicht sogar für eine Mitgliederbefragung.
Was davon wiederum Stefanie von Winning hält? „Wir sind eine basisdemokratische Partei“, sagt die Fraktionssprecherin. Aber sie glaubt nicht einmal mehr, dass die Mehrheit der Tutzinger Bevölkerung für Tourismus ist: „Viele sind der Ansicht, ein Hotel bringt Unruhe.“ Bäck ist sich dagegen sicher: „Die Tutzinger Bürger wollen immer noch ein Hotel, aber nicht ein Monster.“ Was er zu den in die andere Richtung zielenden Äußerungen von Gemeinderäten - auch seiner eigenen Partei - sagt? „Die sind wahrscheinlich inzwischen so weich geklopft“, meint er, „dass sie sagen, da muss jetzt etwas passieren.“
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Kommentare
Wir erwarten von unseren Gemeinderäten, dass sie die Belange der Bürger mit Biss verfolgen. Nicht aber den Kopf in den Sand zu stecken oder sich weichklopfen zu lassen.
Vielleicht müsste nur einfach mal einer, der das auch kann, den Seehofeigentümern deutlich die Lage klar machen: Wir lassen uns nicht weichklopfen !!
Gut dass es eine neue junge Garde wie den Rolf Bäck gibt. Ein Unternehmer mit Visionen.
Bleibt zu hoffen, dass er sich in seiner Partei durchsetzen kann.
Das Thema wird das Ortsbild von Tutzing gewaltig verändern. Das schreit geradezu danach, die Bürger selbst entscheiden zu lassen.
Was hätten denn die Tutzinger von ein paar Luxuswohnungen? Gar Nichts .