Für das Seehof-Gelände ist ein neuer Bauantrag eingegangen: Der Grundeigentümer will ein so genanntes Boardinghaus errichten, in dem wohl hotelähnliche Angebote gemacht werden sollen. Im Gemeinderat sind aber am Dienstag gleich Zweifel aufgetaucht, ob auf diese Weise nicht die bisher baurechtlich vorgeschriebene Hotelnutzung aufgeweicht werden soll, so dass irgendwann doch Wohnungen daraus werden. Es gab schon Andeutungen, dass der neue Antrag abgelehnt werden dürfte, wenn er nach den Sommerferien behandelt wird. Bürgermeisterin Marlene Greinwald setzt sich dafür ein, dass die Gemeinde die Angelegenheit in die Hand nimmt. Der Gemeinderat hat sie damit beauftragt, mit dem Grundeigentümer in Verhandlungen zu treten. Der Hauptpunkt dabei wird die Art und Größe der Nutzung sein.
Der Wandel der CSU: Früher für ein Seehof-Hotel, heute dagegen
Im Gemeinderat mehren sich die Plädoyers einer Wohnbebauung und damit für eine Abkehr vom „Sondergebiet Hotel“. Gerade die CSU ist von einer Hotelnutzung abgekommen, für die sie sich über viele Jahre eingesetzt hatte. Doch eine Wohnbebauung wollen die meisten nur akzeptieren, wenn sie deutlich kleiner ausfällt als die zulässige Hotelnutzung - und das wären mehr als 5000 Quadratmeter Fläche.
Aufgelockerte Variante mit mehreren Gebäuden könnte Platz für Flaniermeile lassen
Auf viel Interesse gestoßen sind Varianten für die künftige Bebauung des Seehof-Grundstücks, die Stadtplaner Florian Burgstaller vorgeschlagen hat. Sie reichten von einem großen Gebäude, ähnlich wie das alte Seehof-Hotel, bis zu einer aufgelockerten Bebauung mit drei oder vier Gebäuden, in denen Cafés und Boutiquen untergebracht werden können und die neben der Schlossstraße Platz für eine Flaniermeile lässt.
Diese Gebäude wären teils deutlich kleiner als der alte Seehof, in einer Variante würde die Gesamtfläche 2600 Quadratmeter umfassen. Dr. Heinrich Reiter (Freie Wähler) plädierte für nur 2000 Quadratmeter, Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing) wollte gar allenfalls 1900 Quadratmeter befürworten.
Blick auf eine große Wand statt auf den See erschreckt die Gemeinderäte
Beim Anblick einer Bebauung ähnlich dem alten Seehof-Hotel schienen die Gemeinderäte fast zu erschrecken. Der Stadtplaner zeigte nämlich auf einer Skizze die rückwärtige Ansicht - und da schauten die Räte vom Kurhaus aus auf eine große Wand, wo heute der freie Blick auf den See möglich ist.
Reiter: Areal rund um die Mariensäule sollte in Gemeindeeigentum übergehen
Die von Burgstaller vorgeschlagene aufgelockerte Bebauung würde etwa bis zur Höhe des Eingangs zum Schloss und zur Evangelischen Akademie reichen. Weiter unten in Seenähe wäre das Areal bei dieser Variante frei. Nach Auffassung von Dr. Heinrich Reiter (Freie Wähler) sollte dieser Grundstücksteil in Gemeindeeigentum übergehen. Denn andernfalls, meinte er, werde der Grundeigentümer bald auch für diesen Geländeteil Bauwünsche anmelden.
Viel Verhandlungspotenzial also für die Bürgermeisterin.
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Kommentare
Tutzing hat alles was ein Hotel für gehobenen Tourismus attraktiv macht. Die Traumlage in einer der schönsten Gegenden. Eine Dichte an tollen Golfplätzen, wie man sie nicht mehr findet. Wassersport jeglicher Art. Die Alpen vor der Tür, selbst zum Wintersport nicht zu weit erlaubt es die Ganzjahresauslastung. Jede Menge Ziele für attraktive Ausflüge in der Nähe.
Besser kann ein Standort fast nicht sein. Dass sich hier ein gutes Hotel nicht rechnet kann mir keiner sagen. Und statt ein paar neuen extrem teuren Wohnungen für einige wenige würde es auch für Tutzing eine Belebung des Ortes darstellen.
Ich erlebe selbst jedes Jahr, wie ich auswärtige Teilnehmer unseres Vereinstreffens noch nicht einmal in Tutzing unterbringen konnte.
Gegen ein Hotel gibts aus Sicht von Tutzing m.E. nicht einen einzigen wirklich stichhaltigen Grund. Und die Interessen eines Investors, der es ja auch als Hotelgrund gekauft hat, können uns nun wirklich egal sein.