Von vorOrt.news

„Das kleinere Übel“

Neubau an der Waldschmidtstraße: Gemeinderat lehnt eine Variante ab und stimmt einer anderen zu

In Tutzing wird immer wieder mal größer und anders gebaut, als es etlichen Gemeinderäten lieb ist. Das wird auch jetzt auf einem Grundstück an der Waldschmidtstraße wieder der Fall sein. Ein geplantes dreigeschossiges Gebäude hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung befürwortet, aber es war unübersehbar, dass mehrere seiner Mitglieder dies eher unwillig taten.

Wao-dschmidtstra-e23.jpg
So ähnlich wie das höher stehende Haus soll vermutlich auch das neue Gebäude aussehen, das an die Stelle des unteren Hauses treten soll © L.G.

Bürgermeisterin Marlene Greinwald bezeichnete diese Planung als „das kleinere Übel“ und sprach damit, wie es den Anschein hatte, mehreren anderen aus der Seele. Es hatte nämlich noch eine weitere Variante zur Debatte gestanden, die den Gemeinderäten wegen ihrer Größe noch viel weniger gefiel. Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde hatte aber bereits seine Zustimmung für den Fall der Ablehnung durch die Tutzinger signalisiert. Damit war klar, dass der Gemeinderat mit einer Abweisung des Antrags keine Chance haben und vom Landratsamt, wie es im Behördendeutsch formuliert wird, „ersetzt“ werden würde.

Ihre einzige Chance sahen die Tutzinger Gemeinderäte deshalb in der Zustimmung zur kleineren Variante, auch wenn die ebenfalls umstritten war. Einige Gemeinderäte kritisierten sie, so wegen der Dreigeschossigkeit. Andere verwiesen dagegen darauf, dass in der Nachbarschaft bereits ähnlich groß gebaut worden ist und dass das Gebäude wegen der Hanglage teils zweigeschossig erscheinen werde. Auch eine Tiefgarage soll errichtet werden.

Abbruch einer ortsbildprägenden Villa noch im nachhinein bedauert

Marlene Greinwald bedauerte, dass es nicht gelungen sei, eine ortsbildprägende Villa im oberen Bereich des Grundstücks zu erhalten. Das neue Bauprojekt werde nicht mehr dem Stil der alten Villa entsprechen.

Bei der Abstimmung zu dem Bauvorhaben an der Waldschmidtstraße ging es zweigeteilt zu: Erst lehnte der Gemeinderat die eine Variante ab, dann stimmte er der anderen zu.

Gemeinde mit Informationen über Bauangelegenheiten zunehmend zurückhaltend

Worin genau die Unterschiede zwischen den beiden Entwürfen bestanden, war im Detail für Besucher des Gemeinderats schwer herauszuhören. Selbst in öffentlichen Sitzungen werden Einzelheiten schon seit einiger Zeit auch in den Presseunterlagen meist nicht mehr mitgeteilt. Etliche konkrete Aspekte der einzelnen Themen, die in vorangegangenen Besprechungen der Rathausverwaltung, der Fraktionen, der Planer und der Behörden bereits erörtert worden sind, werden in den Sitzungen vielfach nur noch gestreift oder überhaupt nicht mehr angesprochen. In den öffentlichen Sitzungen ist dann für Außenstehende vielfach nicht erkennbar, worüber im Detail diskutiert oder gar abgestimmt wird.

Um offene Fragen zu klären, sind Journalisten deshalb nach solchen Sitzungen immer wieder auf Mutmaßungen und weitere Recherche angewiesen. Bei der Rathausverwaltung ist dies allerdings oft nur schwer möglich. Sie hat zu konkreten Anfragen schon in früheren Fällen ausdrücklich mitgeteilt, dass sie auch im Hinblick auf die neue Datenschutzgrundverordnung künftig "mit den Daten, besonders im Hinblick auf Bauangelegenheiten" noch mehr darauf achten werde, "was an Erläuterungen an Dritte weitergegeben" werde.

Bestimmte ausführliche Erläuterungen zu bestimmten Bauvorhaben erhalten zwar regelmäßig die Gemeinderäte, nicht aber die Pressevertreter und die Besucher von Gemeinderatssitzungen. Begründet worden ist dies von der Rathausverwaltung in einem Fall vor einiger Zeit damit, dass es sich um Sachverhaltsdarstellungen der Verwaltung, auch mit Beschlussvorschlägen der Verwaltung, gehandelt habe und dass diese Dinge vom Gemeinderat auch ganz anders gesehen werden könnten. Die Ausführungen seien deshalb erstmal nur für die Gemeinderäte gedacht.

Eine genaue Recherche wird damit erschwert. Wegen der Schwierigkeiten, bei der Rathausverwaltung detaillierte Primär-Informationen zu erhalten, sind Journalisten auf andere Quellen, auf Sekundär-Informationen und auf Mutmaßungen angewiesen. Eine solche Vorgehensweise ist immer mit Fehlerwahrscheinlichkeiten behaftet. Auch im Fall dieses Berichts über das Bauvorhaben an der Waldschmidtstraße muss deshalb ausdrücklich der Vorbehalt gemacht werden, dass möglicherweise nicht alle Angaben korrekt sind.

Lorenz Goslich

Quelle Titelbild: L.G.
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.
Feedback / Fehler melden