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„Unser Wasser ist von guter Qualität“

Mehrheit des Tutzinger Gemeinderats hat keine Bedenken wegen Neubauplänen in Kerschlach

Vorgänge in der Nachbarschaft sind nicht unwichtig. In Tutzing gilt das zum Beispiel für Änderungspläne beim Gut Kerschlach. Das früher von Klosterschwestern bewirtschaftete und dann vom Unternehmer Werner Mützel zu einem Biobetrieb umgestellte Gut gehört zwar zur Gemeinde Pähl im Landkreis Weilheim-Schongau. Doch aus Kerschlach stammt ein beträchtlicher Teil des Tutzinger Trinkwassers.

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Der Brunnen beim Gut Kerschlach versorgt große Teile von Tutzing mit Trinkwasser © L.G.

Etwa die Hälfte der Tutzinger Bevölkerung bezieht ihr Trinkwasser aus einem Kerschlacher Tiefbrunnen. Das betrifft die Bürger in Tutzing-Süd - unterhalb der Bahnlinie bis etwa Traubinger und Lindemannstraße bis zur Lindemannstraße - sowie die Einwohner der Ortsteile Monatshausen, Diemendorf, Fischerbuchet und Unterzeismering. Die Ortsteile Tutzing-Nord - oberhalb der Bahnlinie bis Lindemann- und Marienstraße -, Traubing und Obertraubing werden von drei Brunnen aus Wieling versorgt.

In mehreren Sitzungen hat sich der Tutzinger Gemeinderat deshalb mit den Kerschlacher Plänen befasst. In seiner Oktober-Sitzung hat er nun mehrheitlich - gegen drei Stimmen - beschlossen, keine Bedenken gegen sie vorzubringen.

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Tutzing ist ganz nah bei Kerschlach. Der Ortsteil Monatshausen ist gerade mal 2,3 Kilometer entfernt. © L.G.

Zuvor machte allerdings Wolfgang Marchner (Bürger für Tutzing), der auch Wasserreferent des Gemeinderats ist, noch einmal sehr kritische Anmerkungen. Das gesamte Gebiet Kerschlach sei von Wasserschutzgebiet umgeben: „Das ist die Stelle, aus der wir hauptsächlich unser Trinkwasser beziehen.“

Im Flächennutzungsplan ist der betreffende Bereich rund um zwei Hügel mit Tief- und Flachbrunnen als Schutzgebiet für Grund- und Quellwassergewinnung ausgewiesen. „Eigentlich dürfte da oben gar kein Baugebiet mehr sein“, sagte Marchner. Die vorgesehene Neubebauung, prognostizierte er, „sind natürlich nur der Anfang einer Entwicklung, die sich da abzeichnet“.

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"Unser Wasser wird regelmäßig überprüft": Der Zugang zum Brunnen © L.G.

Die meisten anderen Tutzinger Kommunalpolitiker wollten Marchners Bedenken nicht folgen. „Unser Wasser wird regelmäßig überprüft, es ist von guter Qualität“, versicherte Bürgermeisterin Marlene Greinwald. Und über die Neubebauung habe die Gemeinde Tutzing nicht zu befinden. Dass ein Bebauungsplan erstellt werde, sei ein Gewinn, „der das Ganze einschränkt“.

Als sich Marchner auch noch skeptisch über den Zustand der Kerschlacher Abwasserentsorgung äußerte, sagte Greinwald, es gebe keine Hinweise darauf, dass die Landwirtschaft in Kerschlach nicht ordnungsgemäß betrieben werde oder dass die Abwasserleitungen nicht dicht seien. Dennoch will sie beim zuständigen Abwasserverband AWA-Ammersee nachfragen.

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Ein idyllischer Fleck - aber Kerschlach steht vor Änderungen © L.G.

Zum Gut Kerschlach gehören derzeit Gewerbebetriebe, Büros und Wohnungen, Pferdeställe und das „Café Merano“. An der Stelle eines bisherigen Stalls ist ein Mehrfamilienhaus mit 19 Wohnungen, fünf Büros und einem Garagengebäude vorgesehen. Der Gutsbereich soll in den derzeitigen Außenbereich erweitert, eine Reithalle errichtet, ein Milchviehstall für Pferdeboxen umgebaut werden. Die Zahl der bisher 56 Einwohner im Gut soll sich fast verdoppeln.

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Ein Blick ins Gut © L.G.
Quelle Titelbild: L.G.
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