Von vorOrt.news

Beim Gewerbe scheiden sich die Geister

JM7.jpg
Viel Interesse gab es für die Podiumsdiskussion der JM © KG

Treffsichere Fragen und strukturierter Ablauf: Bei seiner Podiumsdiskussion mit den drei Tutzinger Bürgermeisterkandidaten hat der Freizeitclub JM auf der ganzen Linie überzeugt. Mit rund einem Dutzend Mitarbeiter hat der Club die Veranstaltung am Donnerstagabend in einem Raum der Dreifachturnhalle perfekt organisiert. Elisabeth-Valerie von Rheinbaben und Matthias Gröschel führten als Moderatoren so gut durch den Abend, dass man sich Ähnliches von mancher Talkshow im Fernsehen wünschen würde. Auf geschickte Weise brachten sie die Kandidaten vor rund 120 Besuchern sogar dazu, gewisse Unterschiede in ihren Haltungen erkennen zu lassen - was im bisherigen Verlauf des Wahlkampfs eher selten der Fall war.

Deutliche Unterschiede waren besonders beim Thema Gewerbe zu erkennen. Florian Schotter (CSU) sprach sich klar sowohl für die Erhaltung und Weiterentwicklung des bereits ansässigen Gewerbes als auch für Neuansiedlungen von Unternehmen aus. Dabei verwies er auf etliche positive Folgewirkungen von den Arbeitsplätzen bis zu Mitarbeitern der Feuerwehr, die es heutzutage oft kaum noch gebe, weil viele Menschen nicht am Ort arbeiteten. Ein neues Gewerbegebiet kann sich Schotter zum Beispiel in der Traubinger Kiesgrube vorstellen.

Bernd Pfitzner (Grüne) sprach sich zwar dafür aus, das heimische Gewerbe zu halten, zeigte sich aber gegenüber Neuansiedlungen skeptisch, weil dies auch neue Mitarbeiter anziehe, für die es aber kaum bezahlbaren Wohnraum gebe. „Neue Gewerbegebiete ziehen Gewerbe an“, sagte er: „Wo sollen die Leute wohnen?“ Als Negativbeispiel nannte er das neue Gewerbegebiet in Wieling: Der erste neue Firmenbau dort stehe „fürchterlich in der Landschaft“.

Der Tutzinger Unternehmer Michael Lanio konnte nicht verstehen, wie sich Pfitzner das wirtschaftliche Leben in Tutzing - gerade auch für kleinere Betriebe - mit so einer Haltung vorstelle. Pfitzner bemühte sich daraufhin klarzustellen, dass er vor allem gegen Gewerbegebiete „auf der grünen Wiese“ sei, dass aber für Gewerbetreibende am Ort Lösungen gefunden werden müssten.

Andeutungen zu einem neuen Gewerbegebiet in Tutzing

Marlene Greinwald (Freie Wähler) bedauerte die bevorstehende Abwanderung der Tutzinger Firma Steinmüller nach Wieling. Firma Steinmüller verlässt Tutzing Sie legte den Schwerpunkt auf die Gewerbesteuer: „Wir müssen uns über die Gewerbesteuer finanzieren, das ist die einzige Möglichkeit, um uns auch immer das leisten zu können, was wir uns leisten wollen.“ Dann deutete sie sogar an, dass bereits an einem Konzept gearbeitet wird: „Wir sind auf einem guten Weg, ein Gewerbegebiet zu bekommen.“ Konkret wollte sie dazu noch nichts Näheres sagen.

Anzeige
Banner-Tutzing.png

Für einen Jugendtreff gibt es keine Zusagen

JM4.jpg
Gemeinsamkeiten und Unterschiede: (von links) Bernd Pfitzner, Marlene Greinwald und Florian Schotter © KG

Nicht leicht taten sich alle drei Kandidaten bei Fragen nach der künftigen Jugendarbeit der Gemeinde Tutzing oder gar nach einem Jugendtreff im Rahmen der so genannten offenen Jugendarbeit, den es in Tutzing im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden nicht gibt. Klar zugesagt wurde eine solche Einrichtung von keinem der Kandidaten, es wurde aber versichert, dass man bei allen diesbezüglichen Planungen mit den Jugendlichen zusammenarbeiten werde. Als denkbarer Standort für einen Jugendtreff wurde von Besucherseite unter anderem das seit Jahren leer stehende Meier-Haus neben dem Gymnasium ins Spiel gebracht, das jedoch wegen Denkmalschutz als problematisch für solche Zwecke gilt.

Gemeinsam war allen drei Kandidaten der Wunsch nach einem möglichst guten Miteinander aller Menschen in Tutzing - gerade auch der verschiedenen Generationen. An einer Stelle sagte Schotter, es gehe um das Miteinander auch insbesondere im Gemeinderat, es gebe oft zu viele persönliche Animositäten. Da beugte sich Marlene Greinwald zu ihm und fragte ihn, wie oft er schon im Gemeinderat gewesen sei. „Ich weiß, dass es sich mittlerweile deutlich gebessert hat“, erwiderte Schotter.

Alle drei Kandidaten sind für ein Seehof-Hotel

Erstaunlich eindeutig war die Übereinstimmung der drei Kandidaten bei der Frage nach der Zukunft des Seehofs: Alle drei sprachen sich für ein Hotel und gegen Wohnbauten auf dem ufernahen Grundstück aus. Einig waren sie sich auch bei der Unterstützung von Flüchtlingen. Übereinstimmend sahen sie es kritisch, dass viele von ihnen nach starken Bemühungen durch ehrenamtliche Helfer nun nicht mehr arbeiten dürfen, obwohl sie Stellen bekommen haben und bei ihren Arbeitgebern gern gesehen sind. Die CSU habe hier hohe Hürden aufgebaut, kritisierte ein Besucher. Auch der CSU-Kandidat Schotter sagte deutlich, dass ihm der aktuelle politische Trend „in Richtung AfD“ missfalle. Marlene Greinwald wandte sich klar gegen die Absicht, die Flüchtlinge nur noch in Gemeinschaftsunterkünfte zu verlegen: „Das heißt, die Rot-Kreuz-Alm soll aufgelöst werden.“ Der Wind habe sich auch im Landratsamt Starnberg gedreht, sagte Pfitzner, das mittlerweile sehr restriktiv geworden sei: „Der politische Druck ist sehr hoch.“ Der Kandidat der Grünen fügte sogar hinzu: „Was im Landratsamt läuft, ist wesentlich schärfer als in anderen Landratsämtern.“

Parkplätze am Bahnhof werden kostenpflichtig

Die Parkplätze am Bahnhof werden künftig kostenpflichtig sein, bestätigte Marlene Greinwald. Das hatte sich in jüngerer Zeit bereits angedeutet. Geld soll das Parken steuern
Zum Busverkehr sprach sich Greinwald nach der Einführung der Linie nach Andechs und der angekündigten Linie nach Feldafing für weitere neue Buslinien aus, so in Ortsteile wie Unterzeismering und Kampberg - und zwar mit stündlichem Takt.

JM8.jpg
Besser als mancher Fernsehtalk: (von links) Matthias Gröschel, Elisabeth-Valerie von Rheinbaben, Bernd Pfitzner, Marlene Greinwald und Florian Schotter © KG

Kritische Fragen nach dem Zustand kommunaler Gebäude

Die gut vorbereiteten jungen Moderatoren fragten immer wieder kritisch nach. Die Gemeindeverwaltung habe „sehr spät“ den Sanierungsbedarf in der alten Schule erkannt, sagte Gröschel zum Beispiel. Auch das Gymnasium sei in einem „erstaunlichen Zustand“. Er wollte wissen, wie so etwas künftig bei den kommunalen Liegenschaften verhindert werden könne. Auch da traten unterschiedliche Ansatzpunkte zu Tage. Pfitzner legte den Schwerpunkt auf die energetische Sanierung, die schon längst Verbesserungen hätte bringen können, wie er meinte. Da widersprach ihm Marlene Greinwald: Das müsse man gut abwägen, von solchen Modellen seien einige Gemeinden schon wieder abgekommen.

Pfitzner und Schotter wollen sechs Jahre Bürgermeister bleiben, Greinwald legt sich nicht fest

Zum ersten Mal wurden die drei Kandidaten gefragt, ob sie bereit sind, 2020 - bei der nächsten Kommunalwahl - gleich wieder anzutreten oder ob sie die sechs Jahre, für die jetzt gewählt wird, im Amt bleiben wollen. Schotter sagte klar, er würde sechs Jahre bleiben, sich dann aber bei der darauf folgenden Kommunalwahl, also 2026, erneut zur Wahl stellen. Marlene Greinwald wollte sich nicht festlegen, das müsse sie nach der jeweiligen Situation entscheiden. Schotters Lösung bezeichnete sie aber als gut. Pfitzner würde sechs Jahre Bürgermeister bleiben wollen, sah Schotters Ansatz aber ebenfalls positiv.

JM1.jpg
Sie dürfen stolz sein: JM-Organisatoren (von links) Maximilian Tanner, Matthias Gröschel, Elisabeth-Valerie von Rheinbaben, Ludwig Horn, Patrick Greinwald, Anna Stöckerl und Florian Schiffner © L.G.
Quelle Titelbild: KG
ID: 257
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.

Kommentare

Die hier beschriebene Qualität der Veranstalter macht doch eigentlich klar: Lasst endlich die Jungen ran! Die haben noch kein Sitzfleisch angesetzt aber Mut, Schwung und in die Zeit passende Ideen. Hier warten die Gemeinderäte 2020 auf ihre Chance. Wer - ausser Hubert Hupfauf - wird sie darin bestärken, sich für das Gemeinwohl zu engagieren?
Helge Haaser Passau