Kirche
24.8.2026
Von vorOrt.news

Kirche kauft Violaburg

Gelände des Tutzinger Schlosses mit der Evangelischen Akademie nach Süden abgerundet

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Ein "V" und eine dezente Aufschrift an einem Tor - mehr kennen die meisten Tutzinger nicht von der "Violaburg" © L.G.

Wer an der Monsignore-Schmid-Straße entlanggeht, sieht nur eine hohe Mauer und ein Tor mit einer dezenten Aufschrift „Violaburg“ sowie einem „V". Was dahinter liegt, kennen die wenigsten Tutzinger aus eigener Anschauung. Das zwischen dem Schloss und dem Thompaplatz befindliche etwa 6000 Quadratmeter große Parkgrundstück direkt am Ufer des Starnberger Sees mit einem klassizistischen Pavillon ist ein offenes Geheimnis dieser Gemeinde. Jetzt gibt es eine neue Nachricht: Die evangelische Kirche Bayern, die das Schloss Tutzing 1949 gekauft und dort die bekannte Evangelische Akademie untergebracht hat, ist seit kurzem Eigentümerin des südlich ans Schloss-Areal angrenzenden Grundstücks, wie die Pressesprecherin der Kirche, Christine Büttner, auf Anfrage von vorOrt.news bestätigt.

Der 1803 errichtete Pavillon gehörte ursprünglich zum Schlossareal, das die Unternehmerfamilien Oetker und Kaselowsky vor und während des Zweiten Weltkriegs erworben hatten. Der Münchner Maler Anton Leidl (1900–1976), in München ausgebombt, fand während des Krieges Aufnahme im Schloss und wurde von seinem Freund, dem Unternehmer Rudolf August Oetker, sogar zum „Schlossvogt" bestellt. In den Jahren 1946 und 1947 baute Leidl den Pavillon zu seinem Atelier aus und fügte ihm ein kleines Wohnhaus an. Baumaterial soll er sich unter anderem aus dem Abbruch eines Bootshauses besorgt haben. Leidl gab dem Anwesen in Anlehnung an sein malerisches Werk den Namen „Violaburg". Bis zu seinem Tod 1976 lebte er dort. In seiner Zeit wurde das Haus zum Treffpunkt für Künstler und Literaten.

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Seeansicht: Das Schloss-Gelände mit der Löwenterrasse, links angrenzend das Areal der Violaburg © L.G.
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Hier tut sich was: Das erkennt man seit einiger Zeit, weil die Mauer bei der Violaburg abgebrochen worden ist © L.G.

Entscheidend für eine spätere Trennung der beiden Grundstücke war das Jahr 1949: Als die Landeskirche das Schloss-Areal von den Oetkers erwarb, zeigte sie am Pavillon und seinem Park zunächst kein Interesse – Leidl kaufte das Grundstück stattdessen selbst. Verantwortliche der Kirche sollen dies später als Fehler bezeichnet haben. Denn seither galt die Violaburg als das, was Immobilienfachleute ein Filetstück nennen: bestes Seeufer, direkt neben der im Schloss ansässigen Evangelischen Akademie – und in Privatbesitz.

Entsprechend regelmäßig wurde über einen möglichen Verkauf spekuliert. 2011 kursierten Gerüchte über angebliches Kaufinteresse des Fußballspielers Bastian Schweinsteiger, die dessen Berater umgehend dementierte. Damals wurde über einen Kaufpreis von angeblich zehn Millionen Euro gesprochen - eine Größenordnung, bei der offenbar auch potente Interessenten ins Grübeln kamen, zumal die bauliche Nutzung wegen des Bestandsschutzes stark eingeschränkt blieb. 2015 lehnte der Bauausschuss des Tutzinger Gemeinderats einen Vorbescheid für einen Abriss und Neubau ab. 2018 ließ die Gemeinde Tutzing für das Areal von Schloss und Violaburg vorsorglich den Teilbebauungsplan aufstellen, um das Ensemble vor tiefgreifenden Veränderungen zu schützen. Auch die Evangelische Akademie selbst hatte in der Vergangenheit wiederholt Interesse an einem Kauf bekundet, um ihr Gelände abzurunden. Das ist der Kirche nun gelungen.

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