Von Gerald A. Herrmann

Wurzeln des Überlebens: Mutmacher für eine Landwirtschaft von morgen

Es ist „fünf vor zwölf“ für die Artenvielfalt

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Bertram Verhaag (li) und Gerald A Herrmann im Gespräch © Foto: Peter Urban Organic Services GmbH

Es ist „fünf vor zwölf“ für die Artenvielfalt, doch die Lösungen liegen bereits auf dem Acker. Am 18. April 2026 setzte das Kulturtheater Tutzing die Dokumentarfilmreihe „Bauern, Brot und Zukunft“ fort. Gezeigt wurde Bertram Verhaags Werk „Wurzeln des Überlebens“ – ein Film, der den theatralischen Text „Der Weltuntergang“ des Schweizer Schriftstellers, Kabarettisten und Liedermachers Franz Hohler mit der praktischen Hoffnung ökologischer Landwirtschaft verwebt.

Ein Weltbauernhof gegen das Artensterben

Der Film präsentierte fünf landwirtschaftliche Betriebe, die zeigen, wie die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts mit biologischen Verfahren bewältigt werden können. Von der Zucht von 3000 Tomatensorten über Agroforstsysteme bis hin zur muttergebundenen Kälberhaltung und dem gedeihlichen Zusammenleben und -wirken verschiedener Tierarten – Schweine, Hühner, Schafe, … – wurde ein Bild gezeichnet, das den Menschen als Teil der Natur begreift. Kontrastiert wurden diese Erfolgsgeschichten durch das Ticken eines Metronoms und Hohlers Mahnung, wie das Verschwinden eines winzigen Käfers auf einer Südseeinsel eine Kettenreaktion zum Untergang der Menschheit auslösen kann.

Der Regisseur als „Social Business“

In der anschließenden Diskussion stand Bertram Verhaag Rede und Antwort. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Dokumentarfilmer hat in drei Jahrzehnten rund 120 Filme produziert, die sich konsequent umweltpolitischen und sozialen Themen widmen. Verhaag versteht seine Arbeit als „Social Business“: Er verzichtet bewusst auf belehrende Kommentare aus dem Off und lässt stattdessen seine Protagonisten selbst sprechen, um den Zuschauern Mut zum Einmischen zu machen. Sein Ziel ist es, Menschen aus der Ohnmacht gegenüber scheinbar unantastbaren Dogmen zu führen.

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Die Generationenfrage und die Rolle der Schulen

Die Diskussion im Saal legte jedoch auch eine kritische Wunde offen: Während das Thema Artensterben seit Jahrzehnten bekannt ist, verändert sich die politische Realität nur langsam. Ein Teilnehmer merkte an, dass das Publikum vorwiegend aus der „Boomer-Generation“ bestand, während die Jugend (Gen-Z, Fridays for Future) fehlte. Verhaag räumte ein, dass seine Erzählweise mit ruhigen Bildern und dem Verzicht auf schnelle Schnitte nicht der gängigen „TikTok-Ästhetik“ entspricht.
Umso intensiver wurde die Idee diskutiert, solche Filme verstärkt in Schulen zu zeigen. Ein Hinweis auf eine Medien-Verleihstelle im Landkreis Starnberg gab Anstoß für konkrete Pläne einiger Besucher, selbst aktiv zu werden und Lehrer auf dieses Angebot aufmerksam zu machen.

Fazit: Bio ist sicher und überall verfügbar

Zum Abschluss der Debatte wurde die Frage nach der Verfügbarkeit ökologisch erzeugter Lebensmittel laut. Gerald A. Herrmann, Organisator der Reihe, stellte klar: „Bio ist verlässlich, zertifiziert und heute überall verfügbar“. Man brauche keine speziellen Online-Shops; ob im Bioladen, im klassischen Lebensmitteleinzelhandel oder in der Direktvermarktung, auch in Tutzing – die Verbraucher finden Bioprodukte in allen Vertriebskanälen. Durch die bewusste Entscheidung für Bio-Produkte lassen sich Natur, Klima und die eigene Gesundheit aktiv schützen.

Die Reihe „Bauern, Brot und Zukunft“ hat erneut bewiesen, dass sie ein inspirierender Raum für kritischen Diskurs in Tutzing ist.

Fortsetzung im November

Die Dokureihe wird am 19.11. um 19:30 mit dem Dokufilm „Die Bio-Revolution“ und einem anschließenden Filmgespräch fortgesetzt. „Die Bio-Revolution“ stellt die ca. 100-jährige Geschichte der Biolandwirtschaft von den Anfängen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute, dar. Der Film, produziert von THURNFILM und gezeigt auf Arte, nimmt die Zuschauer auf diese Zeitreise mit und vermittelt ein grundlegendes und aktuelles Verständnis über die erfolgreiche Entwicklung des Ökologischen Landbaus und seiner Lebensmittel.

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