Jugend
8.11.2026
Von vorOrt.news

Jugendtreff wohl eher beim Stadion

Regierung hält Nebengebäude am Würmseestadion für geeignet - Keine Städtebauförderung fürs Schiff

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Im früheren Sportlerstüberl (rechts) ist statt einer Gaststätte schon lange ein Jugendverein untergebracht: der Freizeitclub JM. Nun ist ein weiterer "Jugendtreff" in einem Nebengebäude im Gespräch. © BG

Tutzings Jugendliche könnten mittelfristig einen eigenen Treffpunkt bekommen – und zwar am Würmseestadion. Bei einer Besichtigung hat die Regierung von Oberbayern ein Nebengebäude des Stadions als geeignete Alternative für einen Jugendtreff bewertet. Auffällig ist eine Wortwahl: Auf Wunsch wurde aus dem „Jugendzentrum“ ein „Jugendtreff“.

Das Museumsschiff "Tutzing" wird dagegen nicht über das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) gefördert werden. Auch das hat die Regierung von Oberbayern klargestellt. Das Museumsschiff sei nicht per ISEK förderfähig. Ob damit die Idee vom Tisch ist, die „Tutzing“ an Land zu bringen und als Jugendzentrum zu nutzen, ist noch nicht bekannt. Die „Tutzing“ soll Jugendzentrum werden

Eilig ist es nicht. Der Arbeitskreis ISEK hat eine Machbarkeitsstudie für den Jugendtreff am Würmseestadion für das Programmjahr 2028 vorgemerkt, Kostenpunkt rund 50 000 Euro. Er ordnet sie als mittelfristige Planung ein, die strategisch vorbereitet werden soll. Im Dezember 2025 war die Untersuchung zur Umnutzung der Gebäude am Stadion noch für 2027 im Gespräch.

Dass es in Tutzing Bedarf an Angeboten für junge Leute gibt, zeigt der Jugendbeirat seit Monaten. Zum WM-Auftakt im Juni kamen rund 120 Jugendliche zum Public Viewing ins Roncallihaus, im Juli folgte ein Tischtennisturnier in der Würmseehalle. Bei einem Projekttag des Gymnasiums im Juli sammelte der Beirat mit Schülerinnen und Schülern Ideen für ein jugendfreundlicheres Tutzing. Ein fester Treffpunkt würde solchen Initiativen einen Ort geben.

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Kommentare

Herr Rekus, dass Tutzing in Schulen, Krippen und Vereine investiert, bestreitet niemand. Nur erreichen die Institutionen vor allem diejenigen Kinder, deren Eltern engagiert und interessiert sind, die ihre Kinder zum Training fahren und sie abends nach den Hausaufgaben fragen.

Beim Jugendzentrum geht aber um die anderen. Um Jugendliche, die zu Hause weder Ruhe noch Rückhalt finden, die sich keinen Vereinsbeitrag leisten können und die in einer so wohlhabenden Gemeinde wie Tutzing leicht übersehen werden, weil sie sich unter dem Radar bewegen und sich nirgends zu Wort melden. Für genau diese Gruppe hat der Jugendbeirat einen sozialpädagogisch begleiteten Ort mit Hausaufgabenhilfe und Rückzugsraum gefordert, und darauf bezogen sich meine Kommentare weiter unten.

Vor diesem Hintergrund greift Ihr Vorschlag zu kurz. Ein Guthaben fürs Café hilft denen, die ohnehin schon ins Café gehen, weil sie sich das leisten können. Wer am Nachmittag einen ruhigen Platz zum Lernen braucht, einen Erwachsenen, der zuhört, oder einfach einen Ort, an dem man bleiben darf, ohne etwas zu bestellen, der hat nichts von einer App mit Kappungsgrenze. Und Wirte sind keine Sozialpädagogen.

Sie schreiben, ein Jugendzentrum koste Geld und mache Arbeit, Jahr auf Jahr hinaus. Das ist richtig, und deshalb habe ich die Zahlen angeführt, aus denen hervorgeht, dass zwei Fachkraftstellen in diesen Haushalt passen. Zumal Jugendarbeit eine Pflichtaufgabe der Gemeinde ist und keine freiwillige Leistung, die man einschiebt, falls gerade mal ein Fördertopf was ausschüttet.

Ihren Wunsch nach einer Überbrückungslösung teile ich ausdrücklich. Sie muss nur, das hatte ich unten ja bereits erläuter, eine hauptamtliche Fachkraft, feste Öffnungszeiten, einen bereits vorhandenen Raum, etwa im zentral gelegenen Thomahaus, sowie ein von sachkundigen Fachleuten erstelltes Konzept aufweisen. Das lässt sich ab 2027 umsetzen, ohne Zuschüsse von der Städtebauförderung und es braucht auch keinen Neubau dafür. Die Studie in 2028 könnte dann die Frage beantworten, welches Gebäude als Dauerlösung geeignet ist. So wäre Tutzing bei der Jugend auch in dem Bereich gut aufgestellt, in dem es bislang noch entscheidend fehlt.
Als ich oben im Artikel las, dass das Thema Jugendzentrum - zumindest von einigen - als nicht eilig betrachtet wird, ist mir dies auch spontan aufgestoßen. Obwohl ich alterbedingt nicht betroffen bin, sehe ich das durchaus anders; für mich wäre dies schon eines der vorrangigen Themen.

Aber dem Tenor in den Kommentaren hier und bei anderen Gelegenheiten, dass Tutzing als Gemeinde nichts für die Jugend tue, sie vernachlässige usw. kann ich auch nicht zustimmen.

-> Hat Tutzing nicht immer schon, und so auch jetzt wieder sehr viel Geld in unsere Schulen investiert? In gute und ortsnahe Bildung der Kinder?
-> Die Unterstützung in Krippen & Kindergärten, wo die Kinder schon frühzeitig soziales Verhalten & soziales Kontakte außerhalb der Familien mitbekommen?
-> Die alljährliche Unterstützung der Tutzinger Sport- & Kulturvereine, insbesondere für die Jugendarbeit?

Das sollte man bitte nicht unter den Tisch fallen lassen und vergessen.

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Ich möchte jedoch lieber lösungsorientiert nach vorn blicken; und daher hier mal einen etwas anderen Denkansatz zur Diskussion stellen, um die Zeit bis wir in Tutzing ein Jugendzentrum haben zu überbrücken:
-> Jedes Jugendzentrum kostet Geld und macht Arbeit. Nicht nur anfangs bei Bau & Ausstattung, sondern auch Jahr für Jahr ...
-> Könnte man nicht jetzt schon ein kleines Budget für die Jugendlichen einrichten, damit sie sich bereits ab 2027 in Tutzinger Cafes oder Kneipen treffen können und ihre (alkohohlfreie) Zeche bezahlen? Zumindest teilweise.

Das wäre erst mal nur eine erste, grundsätzliche Idee, noch kein bis ins Detail durchgeplantes Konzept.
Vielleicht eine kleine lokale App, bei der sich Tutzinger Gastro-Betriebe (die mitmachen möchten) und Tutzinger Jugendliche registrieren könnten; abgerechnet wird am Monatsende bis zu einer Kappungsgrenze. (10 €? 20 € oder was auch immer.)
(Bearbeitet)
Herr Jilg, Sie fragen, was erwartet wird. Dazu ein paar Zahlen.

Der Gemeinderat hat im Januar einstimmig den Haushalt beschlossen. Nach den vorläufigen Zahlen für 2025 konnten 3,7 Millionen Euro an den Vermögenshaushalt gehen, geplant waren 0,9 Millionen. Die Rücklagen von knapp 7 Millionen Euro mussten nicht angetastet werden. Die Gewerbesteuer ist innerhalb weniger Jahre von 4 auf fast 10 Millionen Euro gestiegen. Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt 320 Euro, im bayerischen Durchschnitt sind es 866 Euro. Die freiwilligen Zuschüsse an Vereine in Höhe von einer Million Euro wurden nicht gekürzt. Von Zahlungsunfähigkeit kann also keine Rede sein. Tutzing entscheidet nach wie vor selbst, wofür es sein Geld ausgibt.

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass Jugendarbeit nach dem Sozialgesetzbuch und dem bayerischen Ausführungsgesetz eine Pflichtaufgabe der Gemeinde ist. Weihnachtsbeleuchtung und Fischerhochzeit sind freiwillige Leistungen, und dass sie über Spenden laufen, ist völlig in Ordnung. Das Problem ist jedoch, dass die Pflichtaufgabe auf eine Machbarkeitsstudie im Jahr 2028 und auf Zuweisung aus einem Fördertopf wartet.

Die Städtebauförderung zahlt Umbauten, aber kein Personal. Aber erst die SozialpädagogInnen machen aus einem leeren Raum ein Angebot für Jugendliche, die zu Hause weder Ruhe noch Rückhalt finden und sich keinen Verein leisten können. Diese Stellen (wegen Urlaubs- und Krankheitsvertretung sind zwei Mitarbeitende erforderlich) muss die Gemeinde ohnehin selbst bezahlen, egal wo das Gebäude steht.

Studien zur frühen Förderung benachteiligter Kinder zeigen, dass sich jeder dort ausgegebene Euro später über geringere Kosten bei Sozialhilfe, Gesundheit und Justiz mehrfach auszahlt.

Erwartet wird nun dies: Dass die Gemeinde die Fachkraft jetzt einstellt, in vorhandenen Räumen anfängt und die Standortfrage danach in Ruhe klärt. Das Geld dafür ist vorhanden, es fehlt allein der Beschluss.
(Bearbeitet)
Wir übernehmen bewusst keine Artikel aus anderen Medien, ohne sie selbst überprüft zu haben, und distanzieren uns von dieser Verlinkung.
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/starnberg-tutzing-weihnachtsdeko-advent-spenden-li.3569437?reduced=true

Wenn man das in der SZ lesen muß, dann könnte es wohl klar sein, dass man nur das bauen kann, was subventioniert wird. Der Pausenhof der Grundschule, sowie die Fischerhochzeit nur mit Spenden möglich. Was wird denn erwartet?
Ob die Einrichtung Jugendtreff oder Jugendzentrum heißt, ist zweitrangig. Entscheidend ist, was die Gemeinde bislang verschweigt: Wird es hauptamtliche sozialpädagogische Fachkräfte geben, und decken sie ausreichende Öffnungszeiten ab?

Der Jugendbeirat hat im Gemeinderat genau darauf hingewiesen. Mia Neff forderte einen sozialpädagogisch begleiteten Ort für benachteiligte Jugendliche, mit Hausaufgabenhilfe und Rückzugsraum, der sich nicht über Partys rechtfertigen muss. Das beschreibt einen Bedarf, den TSV, Segelverein oder Freizeitclub JM nicht abdecken. Es geht um Jugendliche, die zu Hause weder Ruhe noch Rückhalt finden, sich keine Vereinsbeiträge leisten können und gerne übersehen werden. Sie sitzen in keinem Beirat und schreiben keine Leserbriefe. Umso bemerkenswerter ist, dass der Jugendbeirat sie mitdenkt.

Die Gemeinde folgt offenkundig einer anderen Logik: Gebaut wird, wofür es Fördergeld gibt. Deshalb gilt das Würmseestadion als „sinnvoll“, denn die Regierung von Oberbayern stellt ISEK-Mittel in Aussicht. Das Argument der Jugendlichen für das zentrale Thomahaus, das man ohne Auto und Elterntaxi erreicht, spielt bisher keine erkennbare Rolle. Zudem finanziert die Städtebauförderung nur den Umbau. Die Fachkräfte, die aus dem nackten Gemäuer einen psychosozialen Begegnungsraum machen, stehen in keinem Förderantrag und keinem Haushaltsentwurf.

Erschütternd ist auch das Tempo. Die Machbarkeitsstudie wurde aus dem Plan für 2027 gestrichen und ist nun für 2028 vorgemerkt. Wer heute in der achten Klasse ist, wird bei der Eröffnung volljährig sein, falls sie nicht erneut verschoben oder gestrichen wird.

Der Gemeinderat könnte sofort, ohne Fördertopf, zweierlei beschließen: ein Konzept mit dem Kreisjugendring, das Personal, Öffnungszeiten und Zielgruppe festlegt, und eine Übergangslösung in bestehenden Räumen, die es ab nächstem Jahr erprobt. Die Studie 2028 könnte dann klären, welches Gebäude passt. Sonst entsteht nur eine weitere JM mit ein paar Sitzsäcken, in der sich diejenigen treffen, die sich auch jetzt schon überall treffen.