Tutzings Jugendliche könnten mittelfristig einen eigenen Treffpunkt bekommen – und zwar am Würmseestadion. Bei einer Besichtigung hat die Regierung von Oberbayern ein Nebengebäude des Stadions als geeignete Alternative für einen Jugendtreff bewertet. Auffällig ist eine Wortwahl: Auf Wunsch wurde aus dem „Jugendzentrum“ ein „Jugendtreff“.
Das Museumsschiff "Tutzing" wird dagegen nicht über das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) gefördert werden. Auch das hat die Regierung von Oberbayern klargestellt. Das Museumsschiff sei nicht per ISEK förderfähig. Ob damit die Idee vom Tisch ist, die „Tutzing“ an Land zu bringen und als Jugendzentrum zu nutzen, ist noch nicht bekannt. Die „Tutzing“ soll Jugendzentrum werden
Eilig ist es nicht. Der Arbeitskreis ISEK hat eine Machbarkeitsstudie für den Jugendtreff am Würmseestadion für das Programmjahr 2028 vorgemerkt, Kostenpunkt rund 50 000 Euro. Er ordnet sie als mittelfristige Planung ein, die strategisch vorbereitet werden soll. Im Dezember 2025 war die Untersuchung zur Umnutzung der Gebäude am Stadion noch für 2027 im Gespräch.
Dass es in Tutzing Bedarf an Angeboten für junge Leute gibt, zeigt der Jugendbeirat seit Monaten. Zum WM-Auftakt im Juni kamen rund 120 Jugendliche zum Public Viewing ins Roncallihaus, im Juli folgte ein Tischtennisturnier in der Würmseehalle. Bei einem Projekttag des Gymnasiums im Juli sammelte der Beirat mit Schülerinnen und Schülern Ideen für ein jugendfreundlicheres Tutzing. Ein fester Treffpunkt würde solchen Initiativen einen Ort geben.
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Der Jugendbeirat hat im Gemeinderat genau darauf hingewiesen. Mia Neff forderte einen sozialpädagogisch begleiteten Ort für benachteiligte Jugendliche, mit Hausaufgabenhilfe und Rückzugsraum, der sich nicht über Partys rechtfertigen muss. Das beschreibt einen Bedarf, den TSV, Segelverein oder Freizeitclub JM nicht abdecken. Es geht um Jugendliche, die zu Hause weder Ruhe noch Rückhalt finden, sich keine Vereinsbeiträge leisten können und gerne übersehen werden. Sie sitzen in keinem Beirat und schreiben keine Leserbriefe. Umso bemerkenswerter ist, dass der Jugendbeirat sie mitdenkt.
Die Gemeinde folgt offenkundig einer anderen Logik: Gebaut wird, wofür es Fördergeld gibt. Deshalb gilt das Würmseestadion als „sinnvoll“, denn die Regierung von Oberbayern stellt ISEK-Mittel in Aussicht. Das Argument der Jugendlichen für das zentrale Thomahaus, das man ohne Auto und Elterntaxi erreicht, spielt bisher keine erkennbare Rolle. Zudem finanziert die Städtebauförderung nur den Umbau. Die Fachkräfte, die aus dem nackten Gemäuer einen psychosozialen Begegnungsraum machen, stehen in keinem Förderantrag und keinem Haushaltsentwurf.
Erschütternd ist auch das Tempo. Die Machbarkeitsstudie wurde aus dem Plan für 2027 gestrichen und ist nun für 2028 vorgemerkt. Wer heute in der achten Klasse ist, wird bei der Eröffnung volljährig sein, falls sie nicht erneut verschoben oder gestrichen wird.
Der Gemeinderat könnte sofort, ohne Fördertopf, zweierlei beschließen: ein Konzept mit dem Kreisjugendring, das Personal, Öffnungszeiten und Zielgruppe festlegt, und eine Übergangslösung in bestehenden Räumen, die es ab nächstem Jahr erprobt. Die Studie 2028 könnte dann klären, welches Gebäude passt. Sonst entsteht nur eine weitere JM mit ein paar Sitzsäcken, in der sich diejenigen treffen, die sich auch jetzt schon überall treffen.