Jugend
21.12.2022
Von vorOrt.news

„Lange Fremdbetreuung schadet Kleinkindern“

Tutzinger Waldorf-Kinderhaus erweitert Angebotspalette - Neue Eltern-Kind-Gruppe ab März

Waldorf3.png
Das Tutzinger Waldorf-Kinderhaus erweitert seine Angebotspalette © Waldorf Kinderhaus Tutzing

Beim Tutzinger Waldorf-Kinderhaus gibt es Ausbaupläne. Im Frühjahr 2023 soll eine neue „Eltern-Kind-Gruppe“ starten. Außerdem ist ein Anbau an das Gebäude oben an der Traubinger Straße in Tutzing vorgesehen. Er steht in Zusammenhang mit einer im September dieses Jahres gegründeten Waldgruppe. 20 weitere Kinderbetreuungsplätze sollen entstehen.

Bisher gibt es zwei Gruppen mit 20 und elf Kindern, eine Krippe mit zwölf Kindern und die neue Waldgruppe. Die neue Eltern-Kind-Gruppe ist für sieben Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren gedacht. Nach Angaben des Kinderhaus-Leiters Fabian Waidacher richtet sich das Angebot an solche Familien, die ihre Kinder noch nicht in eine institutionelle Kindertagesbetreuung geben möchten, sondern lediglich Kontakt und Austausch innerhalb einer Gemeinschaft erfahren möchten und trotzdem einer professionelle Beratung und Unterstützung an ihrer Seite haben wollen. Die Kinder könnten dort mit Geichaltrigen Spielen und sich Kennenlernen.

Die Gruppe soll von März 2023 an einmal wöchentlich für zwei Stunden in den Räumen des Waldorf-Kinderhauses stattfinden. Geleitet werden soll sie von einer langjährigen Waldorferzieherin, die in Rente ist, diese Aufgabe aber gern übernimmt. Zusätzlich kann in diesem Rahmen eine Elternberatung zu den Themen frühkindliche Bildung, Ernährung, Stillen und Wickeln und die Koordination zusätzlicher Angebote in Anspruch genommen werden.

Das Konzept lehnt sich an die „Reggio-Pädagogik“ aus Italien an. Die Gemeinde Tutzing gewährt für die neue Gruppe einen Zuschuss von 1000 Euro, wie Bürgermeisterin Marlene Greinwald kürzlich im Hauptausschuss des Gemeinderats bekanntgegeben hat. Damit kann das Kinderhaus einen Teil der jährlich auf rund 2400 Euro geschätzten Kosten für die neue Gruppe decken, sagt Waidacher, und das Angebot kostengünstig für Familien halten. Für einmalige Besuche ist ein Elternbeitrag von 15 Euro für zwei Stunden vorgesehen, für vier bis fünf Treffen zu je zwei Stunden monatlich eine Pauschale von 25 bis 30 Euro.

Kinder sehr früh über längere Zeiträume abzugeben, sei allerdings nicht sehr förderlich, sagt Waidacher. Das sei durch Untersuchungen wie die „Cortisol-Studien“ nachgewiesen. Früh in Fremdbetreuung geschickt würden Kinder meist wegen wirtschaftlichen Drucks in der Familie: „Für das Kind hat das keinen positiven Effekt.“ Im Zuge der Diskussionen über ganztägige Fremdbetreuung von Kindern berufstätiger Eltern warnen auch Psychoanalytiker vor langen Trennungen. Sie seien mit enormen psychischen Belastungen für die Kinder verbunden. Bei längerer Fremdbetreuung von Kindern seien bei ihnen immer höhere Werte des Stresshormons Cortisol nachweisbar. Nach einer amerikanischen Langzeitstudie "Nichd - Early Child Care Research Network", in deren Rahmen seit den 1990er Jahren rund 1300 Kinder von der Geburt bis zum sechsten Schuljahr untersucht worden sind, können die Belastungen und der Stress mehrstündiger täglicher Fremdbetreuung in frühester Kindheit bis in die Pubertät negativ nachwirken. Das Waldorf-Kinderhaus nimmt Kinder aus diesen Gründen frühestens im Alter von einem Jahr, eher später in seine Krippe auf. Waidacher sieht die Eltern-Kind-Gruppe, die einmal wöchentlich stattfinden soll, als guten Einstieg.

Anzeige
animiert-TL_ohne-Theater.gif
ID: 5465
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.