„Sehr mutig“ ist der aktuelle Erweiterungsbau am Benedictus-Krankenhaus für Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn. „Ich bin sehr dankbar, dass auch in schweren Zeiten gesagt wird, wir investieren weiter und trauen uns den Schritt in die Zukunft“, sagte er beim Richtfest. Die große Investition der Artemed-Gruppe, zu der dieses Krankenhaus gehört, fällt tatsächlich auf: Die Krankenhausreform von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat intensive Diskussionen und viele Ängste ausgelöst.
Nach Lauterbachs Plänen sollen Finanzierung, Organisation und Leistungsspektrum der Krankenhäuser in Deutschland tiefgreifend verändert werden. Ziel des Ministers ist eine bessere Versorgung der Bevölkerung. Dabei sollen Großzentren, nicht kleine Krankenhäuser im Mittelpunkt stehen. Das alles wird aber von scharfer Kritik begleitet. Die Union bezeichnet Lauterbachs Reformpläne als unausgegoren und als unzureichend, das Kliniksterben aufzuhalten. Vorwürfe kommen auch von anderen Seiten. So hält die Stiftung Patientenschutz Lauterbach Praxisferne vor, und die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisiert, für Krankenhäuser gebe es in den Entwürfen des Ministers keinen Inflationsausgleich.
Jetzt erst recht: So wirken inmitten dieser heftigen Diskussionen die Erweiterungsmaßnahmen am Tutzinger Benedictus-Krankenhaus. Mit dem Erweiterungsbau demonstrieren die Verantwortlichen dieser privatwirtschaftlich von Tutzing aus geführten Klinikgruppe hohes Engagement trotz aller aktuellen Probleme in der stark von öffentlichen Strukturen geprägten Gesundheitswirtschaft.
Wachsende Klinikgruppe mit Aktivitäten bis China
Dem Tutzinger Beispiel kommt auch deshalb große Bedeutung zu, weil die Artemed-Gruppe eine wachsende Krankenhausgruppe mit 18 Krankenhäusern ist, von der hochspezialisierten Fachklinik bis hin zum Grund- und Regelversorger. In „Medizinische Versorgungszentren“ (MVZ) sind oft niedergelassene Ärzte an die Klinikstandorte angegliedert, so dass die stationäre mit der ambulanten Versorgung verknüpft werden kann. Auch im Ausland ist die Artemed-Gruppe aktiv. So hat sie 2019 ihre erste Klinik in China eröffnet, das Shanghai Artemed Hospital, das in Lizenz von chinesischen Partnern betrieben wird. Ergänzt werden die Aktivitäten durch eine Stiftung , die weltweit Gesundheitsversorgung an Orte bringt, die ansonsten davon ausgeschlossen wären, und eine Akademie, die sich um die Fort- und Weiterbildung des Personals sowie um die Nachwuchsarbeit kümmert.
„Wir übernehmen hier Verantwortung für die Versorgung unserer Region.“
Die Investition für die aktuellen Baumaßnahmen soll insgesamt rund 15 Millionen Euro betragen. Etwa die Hälfte davon steuert der Freistaat Bayern mit Fördergeldern bei - mehr, als zunächst eingeplant war, weil auf einmal bestimmte Mittel zur Verfügung standen, mit denen nicht gerechnet worden war. Der „Anbau West“ am Standort des abgebrochenen alten Dialyse-Gebäudes ist nach Angaben des Unternehmens eines der größten Bauprojekte in der Geschichte des Hauses. In einem - mit Keller - viergeschossigen Gebäude soll es eine größere Notaufnahme und zusätzliche Intensivbetten geben.
Mit der Fertigstellung des Rohbaus ist nach Auffassung von Artemed ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Erweiterung und Modernisierung des Standorts erreicht worden. Im südlichen Bereich der Klinik war vor einigen Jahren ein Anbau für die Dialyse errichtet worden, die dann aber in Tutzing geschlossen wurde. Dort ist mittlerweile die Pflegeschule von Artemed untergekommen.
Die Verantwortlichen der Artemed-Gruppe haben beim Richtfest ihren Einsatz für eine fortschrittliche und patientenorientierte Gesundheitsversorgung bekräftigt: Die Weiterentwicklung des Standorts Tutzing sei ein bedeutender Schritt, um den steigenden Anforderungen in der medizinischen Versorgung gerecht zu werden und die bestmögliche Pflege für alle Patienten zu gewährleisten.
„Der Erweiterungsbau West unserer Klinik ist nicht nur ein weiteres Gebäude – er ist ein bedeutender Schritt in die Zukunft unserer Klinik“, so formulierte es Artemed-Regionaldirektor Dr. Max von Holleben. Mit einer neuen Notaufnahme, einer modernen Intensivstation mit Intensivüberwachungspflege (Intermediate Care, IMC) und einer fortschrittlichen Endoskopieabteilung schaffe man im Tutzinger Krankenhaus Raum für bestmögliche Versorgung der Patienten. Von Holleben betonte: „Wir übernehmen hier Verantwortung für die Versorgung unserer Region.“
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