Gesundheit
12.7.2021
Von Theo Heithorn / vorOrt.news

Seit 25. Juni erstmals wieder zweistellig

Inzidenz in Tutzing und im Landkreis steigt - doch ihre Aussagekraft gerät in die Diskussion

Es wirkt ein wenig wie eine Gratwanderung. Das Leben in Tutzing scheint sich endlich mehr und mehr zu normalisieren - da platzen die Meldungen von wieder steigenden Corona-Infektionszahlen herein. Zehn neue positiv getestete Fälle im Landkreis Starnberg meldet das Landratsamt Starnberg, davon zwei in Tutzing. Die 7-Tage-Inzidenz, die die Zahl positiv getesteter Welle innerhalb der vergangenen sieben Tage je 100 000 Einwohner anzeigt, ist im Landkreis Starnberg auf einmal wieder in den zweistelligen Bereich - auf 18,30 - gestiegen, nachdem sie seit dem 25. Juni unter 10, in Tutzing sogar bei 0 geblieben war (siehe Grafik).

Zweistellig ist die Inzidenz außerdem im näheren Umfeld nur im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (17,20). Die anderen Nachbarlandkreise bleiben bisher noch einstellig (siehe Tabelle weiter unten). Der Landkreis Starnberg ist zurzeit die Nummer 10 unter allen Landkreisen mit den höchsten Inzidenzzahlen. Entsprechende Angaben des "Starnberger Merkur" wurden durch eine Kontrolle der Daten im "Dashboard” des Robert-Koch-Instituts bestätigt.

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Die Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz in Tutzing und im Landkreis Starnberg im Zeitraum vom 22. Juni bis zum 12. Juli 2021. Alle Inzidenzen laut Robert-Koch-Institut (Landkreis 7-Tage-Inzidenz) und Landratsamt Starnberg (Gemeinde Tutzing). © Theo Heithorn
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Der Inzidenzwert soll künftig nicht mehr der alleinige Maßstab für Regeln sein

Aber an der Aussagekraft des Inzidenzwerts mehren sich Zweifel. Jedenfalls soll er, wenn es um Regeln gegen Corona geht, künftig nicht mehr so stark in den Vordergrund gestellt werden wie bisher. Mehr Bedeutung beimessen wollen die Verantwortlichen, so die des Robert-Koch-Instituts, der so genannten „Hospitalisierung“, wenn man entsprechenden Angaben der „Bild-Zeitung“ Glauben schenken darf. Darunter verstehen sie die Zahl der in Krankenhäusern zu behandelnden Corona-Patienten. Begründet wird diese Änderung damit, dass der Inzidenzwert mit zunehmender Zahl vollständig geimpfter Personen weniger aussagekräftig sei. Der Inzidenzwert soll zwar dennoch eine wichtige Kennzahl bleiben, aber nur noch einer von mehreren Faktoren bei Entscheidungen über die Corona-Regeln, die bisher weitgehend an diesen Maßstab gekoppelt waren.

Impfungen mit neuen Methoden sollen helfen

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Die Fußball-EM ist kein Vorbild: Bei Veranstaltungen in Tutzing wie dem Feuerwehr-Jubiläum am Wochenende achten die meisten Menschen nach wie vor auf Abstand © L.G.

Wie es nun weitergeht, bleibt angesichts des neuerlichen Inzidenz-Anstiegs dennoch abzuwarten. In Tutzing freuen sich viele über die zunehmende Normalisierung des Lebens, wie zahlreiche Beispiele zeigen, so etwa diverse Veranstaltungen wie der Festgottesdienst auf der Lindlwiese zum Jubiläum der Feuerwehr oder die „Sommerbegegnungen“ der evangelischen Kirche. Zurückhaltung ist dennoch überall spürbar. Manche, die sich lange nicht mehr gesehen haben, wollen sich erfreut die Hände geben, schrecken dann aber in letzter Sekunde doch zurück. Allseitige Umarmungen und hemmungslose Nähe, wie viele Fernsehzuschauer sie dieser Tage bei der Fußball-Europameisterschaft vorgeführt bekommen, gibt es zwar auch in hiesiger Gegend, doch die meisten Menschen bleiben doch noch lieber vorsichtig. Mahnungen zur Fortsetzung dieser Haltung hört man nun angesichts der steigenden Infektionszahlen wieder häufiger.

Starnbergs Landrat Stefan Frey hat sich zwar am Samstag bei der Feier der Tutzinger Feuerwehr sichtlich gefreut, dass er nun auch wieder mehr Menschen begegnen kann und sich nicht weitgehend auf Akten beschränken muss. Er will aber die Maßnahmen gegen Corona, die im Landkreis Starnberg über längere Zeit auffallend gut gewirkt haben, fortführen und beispielsweise die Impfungen mit neuen Methoden verstärken. Kürzlich gab es bereits eine weitere Sonderaktion in Gauting. Über die Hilfe vieler ehrenamtlich tätiger Personen bei solchen Gelegenheiten äußerte sich der Landrat sehr anerkennend. Bei einem Sonderimpftag im Starnberger Landratsamt hatten sich auch zahlreiche Menschen aus Tutzing, von der Feuerwehr bis zur Wasserwacht, engagiert. Perfekter Sonderimpftag

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Kommentare

Man darf es nicht ignorieren: trotz Sommer und - bislang - ordentlicher Impfquote ist die 7-Tagesinzidenz in Tutzing wieder auf 40,5 angestiegen. Für Tutzing bedeutet jeder neue Fall eine Inzidenz von rd. 10,1; derzeit haben wir 4.
Für den gesamten Landkreis gibt das RKI heute eine Inzidenz von 20,5 an; Tendenz seit 10 Tagen leicht aber kontinuierlich steigend.
Soweit die Tatsachen, die niemand leugnen kann.

Wir alle spüren gerade, wie frei und vielfältig das öffentliche Leben wieder werden könnte, wenn wir lernen mit Corona vernünftig umzugehen.
Das wollen wir doch alle; das sollte doch unser aller Ziel sein, oder?
Aber das wird nicht einfach so vom Himmel fallen; wir alle werden unseren jeweiligen Anteil dazu selbst beitragen müssen.

Beispiel Impfbereitschaft:
Kürzlich konnte man in der Presse lesen, dass auch bei uns im Landkreis erste Impfdosen ungenutzt verfielen, weil die Kandidaten/innen zu ihrem Impftermin nicht erschienen sind, teilweise wohl sogar ohne wenigstens abzusagen.
Muss das wirklich sein? Bitte, kann man nicht zumindest rechtzeitig Bescheid geben, damit andere den Impfstoff bekommen können?

Beispiel Testbereitschaft:
Eine vollständige Impfung ist ein sehr hoher, aber leider KEIN 100% Schutz gegen alle Coronavarianten!
Die Impfungen reduzieren die Ansteckungswahrscheinlichkeit und mindern - falls man dennoch erkrankt - die Symtome.
Das ist gut so... kann aber auch dazu führen, dass man die eigene Infektion gar nicht bemerkt und dabei das Virus unbewusst an Andere weitergibt.
Aus diesem Grund ist es meines Wissens weiterhin sinnvoll sich regelmäßig oder bei entsprechenden Anlässen zu testen, auch wenn man beide Impfungen bereits abgeschlossen hat.
(Bearbeitet)