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Direktor Thalmeier: "Reine Vorsichtsmaßnahme"

Schließung des Tutzinger Gymnasiums: Keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Tröpfcheninfektion

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Bis 16. März geschlossen: Gymnasium Tutzing © L.G.

Das Tutzinger Gymnasium ist seit Samstag, dem 7. März geschlossen. Die Maßnahme ist bis zum Montag, 16. März angeordnet worden. Eine Schülerin, die das Gymnasium Tutzing besucht, hatte sich in den Faschingsferien mit ihrer Familie in Südtirol aufgehalten - und bei ihr sowie ihrem Vater wurde das Corona-Virus festgestellt. Seit Donnerstag gilt die italienische Region als Corona-Virus-Risikogebiet.

Schuldirektor Andreas Thalmaier teilt dazu auf der Website des Gymnasiums mit: "Die Schülerin war und ist vollkommen symptomfrei, sodass es keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Tröpfcheninfektion gab." Bei der Schulschließung handele es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Für alle Personen, die nicht näher mit dem Kind in Kontakt stünden, bestehe nach Auskunft des Leiters des Gesundheitsamts Starnberg keine erhöhte Gefahr einer Ansteckung. Diese Personen könnten sich auch frei bewegen. Das betreffe alle Mitschülerinnen und Mitschüler, die sich nicht länger in unmittelbarer Nähe des Kindes aufgehalten haben, sowie alle Lehrkräfte.

Alle Veranstaltungen an der Schule sind abgesagt - auch die Nachmittagsbetreuung

Als die Infektionen der Schülerin und ihres Vaters am Freitagnachmittag bekannt wurden, haben Gesundheitsamt und Schulleitung schnell gehandelt: Sie haben sich dafür entschieden, das Tutzinger Gymnasium und auch die Mittagsbetreuung vorsorglich von Samstag, 7. März bis einschließlich Montag, 16. März geschlossen zu halten. Alle Schülerinnen, Schüler und Lehrer werden gebeten, zuhause zu bleiben. Ausnahmslos alle Veranstaltungen an der Schule sind abgesagt. Dies betrifft insbesondere auch die Nachmittagsbetreuung.

Das Gesundheitsamt hat die Kontaktpersonen aus dem schulischen als auch dem privaten Umfeld ermittelt und deren häusliche Isolation veranlasst. Etwa 750 Schüler besuchen das Tutzinger Gymnasium, das Lehrerkollegium umfasst rund 70 Personen. „Die Schließung erfolgt nach den Empfehlungen des bayerischen Coronavirus-Krisenstabes“, teilt das Landratsamt Starnberg mit. Das betroffene Kind und sein Vater seien im Starnberger Klinikum isoliert worden. Der Gesundheitszustand des Kindes sei gut, der Vater zeige Erkältungssymptome.

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Die Situation kann sich täglich ändern und neu bewertet werden

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Mitteilung auf der Website des Gymnasiums Tutzing

Thalmeier weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die Situation täglich ändern kann, so etwa, wenn noch weitere Personen positiv getestet werden oder wenn die Lage politisch anders bewertet wird. Dies bedeute, dass die Schulschließung gegebenenfalls verlängert werden könne. Es sei aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Schulschließung bereits früher ende. Thalmeier bittet deshalb die Eltern, ab Sonntag täglich ins Elternportal und in Ihre E-Mails zu schauen. Dort würden sie über alle relevanten Änderungen informiert. Die vollständige Mitteilung des Direktors steht unten auf dieser Seite.

Alle Schüler, die in Südtirol oder anderen Risikogebieten waren, sollen zuhause bleiben

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Beliebtes Urlaubsgebiet: Südtirol - hier St. Ulrich im Grödnertal © L.G.

Offenbar haben sich in den vergangenen zwei Wochen etliche Schüler in Südtirol aufgehalten. Nachdem das Robert-Koch-Institut Südtirol am Donnerstag zum Risikogebiet erklärt hat, werden solche Personen, die innerhalb von 14 Tagen nach Rückkehr aus Südtirol Corona-Virus-Symptome entwickeln, als begründete Verdachtsfälle eingestuft.

Alle Schulkinder, die sich in den vergangenen 14 Tagen in Südtirol aufgehalten haben, fordert das bayerische Gesundheitsministerium dazu auf, in der kommenden Woche zu Hause zu bleiben. Eine solche Empfehlung gilt für alle Risikogebiete. Darunter versteht man solche Gebiete, in denen fortgesetzte Übertragungen von Mensch zu Mensch ("ongoing community transmission") zu vermuten sind. Das Robert Koch-Institut legt die Risikogebiete nach verschiedenen Kriterien fest. Dazu gehören die Erkrankungshäufigkeit, die Dynamik der täglich gemeldeten Fallzahlen, Maßnahmen wie zum Beispiel Quarantäne ganzer Städte oder Gebiete sowie exportierte Fälle in andere Länder und Regionen. Jeden Tag gibt es eine Neubewertung, die Risikogebiete werden bei Bedarf angepasst.

Kontaktpersonen sollen für 14 Tage in häusliche Quarantäne

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Soll man oder soll man nicht? Da verhalten sich die Menschen in diesen Tagen recht unterschiedlich © pixabay

Internationale Risikogebiete sind in China die Provinz Hubei einschließlich der Stadt Wuhan, im Iran die Provinz Ghom, Teheran, in Italien: Südtirol (entspricht Provinz Bozen) in der Region Trentino-Südtirol, die Region Emilia-Romagna, die Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien, in Südkorea die Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang). Als besonders betroffenes Gebiet in Deutschland gilt der Landkreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen).

Dazu erläutert das bayerische Gesundheitsministerium: "Das Robert Koch-Institut empfiehlt in der gegenwärtigen Situation, in der die meisten Fälle im Zusammenhang mit einem Aufenthalt im Risikogebiet oder lokalen Clustern (lokale Häufungen) auftreten, eine Eindämmungsstrategie. Die massiven Anstrengungen auf allen Ebenen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) verfolgen das Ziel, einzelne Infektionen so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus dadurch so weit wie möglich zu verhindern. Um das zu erreichen, müssen Infektionsketten so schnell wie möglich unterbrochen werden. Dies gelingt nur, wenn Kontaktpersonen von labordiagnostisch bestätigten Infektionsfällen möglichst lückenlos identifiziert und für 14 Tage (maximale Dauer der Inkubationszeit) in häuslicher Quarantäne untergebracht werden. In diesen 14 Tagen ist das Gesundheitsamt mit den Betroffenen täglich in Kontakt, um rasch zu handeln, falls Symptome auftreten sollten."

Mitteilung von Andreas Thalmeier, Direktor des Gymnasiums Tutzing

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Andreas Thalmeier, Direktor des Gymnasiums Tutzing, bittet um Besonnenheit © L.G.

Liebe Eltern,

ich muss Ihnen leider mitteilen, dass unsere Schule ab sofort bis einschließlich Montag, 16.03.2020 geschlossen ist. Eine Schülerin, die letztmals am Montag, 02.03.2020, an der Schule war, wurde positiv auf Corona getestet.

Die Maßnahme der Schulschließung wurde in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Starnberg und auf Empfehlung des Corona-Krisenstabs der bayerischen Staatsregierung getroffen.

Die Schülerin war und ist vollkommen symptomfrei, sodass es keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Tröpfcheninfektion gab. Bei der Schulschließung handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Alle Personen, die zur näheren Kontaktgruppe des Kindes zählen, werden bzw. wurden bereits gesondert vom Gesundheitsamt informiert, werden getestet und müssen zu Hause bleiben.

Für alle Personen, die nicht näher mit dem Kind in Kontakt standen (also alle Mitschüler*innen, die sich nicht länger in unmittelbarer Nähe des Kindes aufgehalten haben sowie alle Lehrkräfte), besteht nach Auskunft des Leiters des Gesundheitsamts Starnberg keine erhöhte Gefahr einer Ansteckung. Diese Personen können sich auch frei bewegen.

Ausnahmslos alle Veranstaltungen an der Schule sind abgesagt, dies betrifft insbesondere auch die Nachmittagsbetreuung.

Die Situation kann sich täglich ändern (z.B. wenn noch weitere Personen positiv getestet werden oder wenn die Lage politisch anders bewertet wird). Dies bedeutet, dass die Maßnahme ggf. verlängert werden kann, es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Schulschließung bereits früher endet. Bitte schauen Sie deshalb ab Sonntag täglich ins Elternportal bzw. in Ihre E-Mails, Sie werden über alle relevanten Änderungen informiert.

Ich appelliere an Sie, weiterhin so besonnen zu agieren wie bisher und hoffe, wir können am 17.03.2020 wieder ganz normal unseren Schulbetrieb aufnehmen.

Viele Grüße

Ihr

Andreas Thalmaier

Quelle: www.gymtutzing.de

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