Gesundheit
28.12.2020
Von vorOrt.news

Das „Tutzinger Modell“ braucht neue Kräfte

Ambulante Krankenpflege wird 100 Jahre alt - Gute Teilzeit-Potenziale auch ohne Ausbildung

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Geschäftsführer Armin Heil mit seinen drei Vorgängerinnen (v.li.) Sr. Josefa Knab, Sr. Gertrud Banz und Sr. Maria Birgit Baur © Ambulante Krankenpflege

Was für ein Jubiläum: 100 Jahre alt wird die Ambulante Krankenpflege Tutzing 2021. Das bedeutet 100 Jahre aufopferungsvolle Hilfe für die Mitbürger, 100 Jahre Unterstützung in vielen Lebenslagen, 100 Jahre Gemeinschaftsgefühl.

An all dem ist gerade zurzeit wieder viel Bedarf. Geschäftsführer Armin Heil und sein Team suchen neue Mitarbeiter für die Pflege. Wir pflegen tägliche Lebensfreude Viele Tutzinger kümmern sich gern um andere - das zeigt bemerkenswert viel Engagement bei zahlreichen Initiativen. Aber manche haben vielleicht noch gar nicht an die Möglichkeit einer Tätigkeit bei der Ambulanten Krankenpflege gedacht, die auch sehr gut in Teilzeit ausgeübt werden kann. Es sei nicht einfach, Menschen zu finden, die bereit seien, in der Pflege Verantwortung zu übernehmen, bestätigt Heil, der sich über alle neuen Mitarbeiter freut.

Dabei ist Ausbildung in der Pflege gar nicht unbedingt erforderlich. Es geht vor allem um die Begleitung und Unterstützung von Menschen in ihrem Haushalt, bei der Gestaltung ihres Alltags und bei kleineren Aktivitäten. Umgekehrt erhalten die Mitarbeiter bei solchen Tätigkeiten viel zurück. Als Armin Heil kürzlich in einem Interview mit den „Tutzinger Nachrichten“ nach einem Motto für seine Arbeit gefragt wurde, sagte er: „Aus Freude am Beruf - Menschen pflegen, begleiten und beraten dürfen.“

Nimmermüde in Tutzing unterwegs

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Stets mobil: Oben Schwester Josefa mit ihrem bekannten Käfer, unten Autos und E-Bike im typischen Rot, wie die Mitarbeiter sie heute nutzen © Ambulante Krankenpflege / Ausstellung der Missions-Benediktinerinnen im Tutzinger Rathaus / L.G.

Quasi wie eine Personifizierung dieser Einstellung und der Ambulanten Krankenpflege ist für viele ältere Tutzinger Schwester Josefa Knab, die im Jubiläumsjahr genauso alt sein wird wie die Ambulante Krankenpflege. Deren Inbegriff war sie 33 Jahre lang, wie sie als „Engel von Tutzing“ mit dem Fahrrad, einem Moped oder ihrem bekannten VW-Käfer nimmermüde unterwegs war, um den Menschen zu helfen. Schwester Josefa war von 1949 an Leiterin der Ambulanten Krankenpflege, Schwester Gertrud Banz von 1980 an und Schwester Maria Birgit Baur von 1991 an. Armin Heil steht seit 1996 an der Spitze. Über ein Bild mit seinen drei Vorgängerinnen bei einer Mitgliederversammlung der Ambulanten Krankenpflege (oben) zeigt er sich "etwas stolz".

Für den Vorsitzenden der Ambulanten Krankenpflege, Tutzings katholischen Pfarrer Peter Brummer, steht fest: „In Tutzing kann man gut und gut begleitet alt werden.“ Das große Leistungsspektrum umfasst Beratung, häusliche Pflege, Betreuung demenzerkrankter Menschen, Pflege in der letzten Lebensphase, Kurse für pflegende Angehörige, Hausnotruf, Mahlzeitdienst und Nachbarschaftshilfe. Zu der breiten Angebotspalette gehören die betreute Wohnanlage in der Tutzinger Bräuhausstraße und die vor der Eröffnung stehende betreute Wohnanlage in Bernried am Grundweiher, Tagespflegeeinrichtungen in Tutzing, im Quinthaus an der Traubinger Straße, und in Starnberg, im Ilse-Kubaschewski-Haus, sowie zwei Wohngemeinschaften für Demenzkranke.

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Erweiterung der Angebotspalette: Die neue betreute Wohnanlage in Bernried am Grundweiher, hier noch im Modell © Ambulante Krankenpflege

Zusammenarbeit vieler Idealisten in einem starken Netzwerk

Ein paar Zahlen kennzeichnen die beeindruckende bei diesem Verein regelmäßig geleistete Arbeit. Auf fast 75 000 Hausbesuche kommen die pflegenden Mitarbeiter im Jahr. Dabei wechseln sie fast 3000 Verbände, übernehmen fast 8000 Blutzuckermessungen und leisten 1300 Stunden hauswirtschaftliche Unterstützungen. 90 Mitarbeiter sind angestellt, darüber hinaus sind 122 Personen ehrenamtlich aktiv. Sie alle arbeiten für 50 Klienten in Starnberg und für 180 Klienten in Tutzing monatlich.

Knapp 1200 Mitglieder gehören dem Verein an und sorgen mit ihren Beiträgen, darüber hinaus mit Spenden für das wichtige finanzielle Fundament. Diese über 100 Jahre immer wieder verfestigte Struktur im Gemeindeleben mit breiter Unterstützung aus der Bevölkerung findet mittlerweile als „Tutzinger Modell“ weithin Beachtung. Pfarrer Brummer sieht die Zusammenarbeit vieler Idealisten in einem starken Netzwerk als „das Kostbarste in einer Gemeinschaft“.

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Respekt als Grundlage: Plakat auf einer Mitgliederversammlung der Ambulanten Krankenpflege © L.G.
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Kommentare

Warum fragen Sie, wenn Sie meine Antworten nicht akzeptieren?
Und auf plumpe Suggestiv-Versuche ala "Wir wissen beide..." und dann schieben Sie einfach Ihre Sicht der Dinge hinterher, lasse ich mich grundsätzlich nicht ein.
Schwamm drüber.
Sie haben Ihre Sicht dargestellt, ich die meine. Belassen wir es dabei.
(Bearbeitet)
Ihre Frage:
"Mal im Vertrauen gefragt, Herr Rekus: Würden Sie für das Geld, das Sie Ihren Mitarbeitern großherzig ausbezahlen, selber in den Ring steigen?"

Da Sie mich fragen:
Ich arbeite seit 9 Jahren ehrenamtlich mit; also ohne Gehalt, mehrere hundert Stunden, jedes Jahr. Da bin ich auch nicht der Einzige.
Und wie ich ebenfalls schrieb, verdienen alle unsere MA wirklich anständig, auch im Vergleich zu anderen Berufen mit mehrjähriger Ausbildung und hoher Verantwortung. (Ein KFZ-Mechaniker sollte sich bei der Bremsenwartung auch keinen Schlendrian leisten.)

Anders geht's auch gar nicht. Wer heutzutage seine MA in der Altenpflege schlecht bezahlt oder schlecht behandelt, dem laufen die MA davon, und werden von uns oder einem anderen Pflegedienst mit offenen Armen aufgenommen.
(Bearbeitet)
Ja, ich kenne diese Sonntagsreden über die unterbezahlten, ausgebeuteten Pflegekräfte auch. Die mag es wohl auch geben. Bei uns aber nicht! Die Löhne und Gehälter in unserem Pflegedienst müssen sich vor Vergleichen mit anderen Branchen nicht verstecken.

Ich oute mich hier mal als ehrenamtlicher Vorstand & Schatzmeister des Sozialdienstes im benachbarten Pöcking, und trage somit auch seit Jahren Verantwortung u. a. für unseren Ambulanten Pflegedienst.
Vor diesem Hintergrund kann ich sagen, dass in unserem Verein grundsätzlich alle Mitarbeiter/innen über den jeweiligen Messlatten von Mindestlohn bzw. vom Branchentarif bezahlt werden. Es ist davon auszugehen, dass das bei anderen Pflegediensten hier in Tutzing und im Umland schon auf Grund des Fachkräftemangels mehr oder weniger ähnlich gehandhabt wird.

Was uns in der Pflegebranche und auch unseren Patienten helfen würde:
-> Auskömmlichere Vergütungen für die hauswirtschaftlichen & pflegerischen Leistungen, denen man die Handschrift strikten Kostenmanagements nicht ganz so sehr ansieht. Dann könnten wir noch mehr Pflegekräfte für unsere Patienten bezahlen.
-> Mehr Werbung und Förderung des Nachwuchses, um so in ein paar Jahren den Fachkräftemangel im Pflegebereich abzubauen. Dabei hilft überholtes Gerede über ach soooo schlecht bezahlte Arbeitsplätze nun wirklich nicht; das schreckt junge Menschen doch nur ab.
-> Immerhin startete dieses Jahr der längst überfällige Pflegeausbildungsfonds Bayern. Das war schon ein furchtbarer Anachronismus, dass in der Altenpflege Auszubildende mitunter noch selbst Schulgeld bezahlen mussten. Endlich Vergangenheit!

Ein angemessener Lohn und ein anständiger Arbeitsplatz sind heutzutage selbstverständliche Pflicht in allen Branchen. Pflegeberufe haben darüber hinaus viel mehr zu bieten:
-> Krisensichere Jobs in einer Gesellschaft, die immer älter wird.
-> Oft flache Hierarchien mit sehr kollegialem Klima.
-> Hohe Frauenanteile auf allen Ebenen, statt reiner „Männerclubs“. (Hallo Dax-Konzerne!)
-> Vielleicht das allerschönste Argument: Man arbeitet trotz aller Bürokratie immer noch mit und für Menschen. Ein repariertes Auto strahlt wenig zurück, im Vergleich zu einem Menschen, den man regelmäßig trifft und dem man hilft!
(Bearbeitet)