Eine „Thomas Mann Lounge“ hat die in Tutzing ansässige Artemed-Gruppe heute in Feldafing eröffnet. Neben ihrem dort auf einem ehemaligen Areal des Bundeswehrgeländes errichteten „Benedictus-Krankenhaus“ befindet sich das kleine Haus „Villino“, in dem Thomas Mann in den Jahren 1919 bis 1924 viel Zeit verbracht hat. Er hat dort auch den größten Teil seines Romans „Der Zauberberg“ geschrieben.“ Das relativ kleine Villino liegt auf dem Klinikgrundstück, das die Bundeswehr 2012 an Artemed verkauft hat. Nach dem Verkauf haben sich die Zeiten auch fürs Villino geändert.
Dass Thomas Mann im Villino weiter einen wichtigen Platz behält, hat viel mit Gernot Abendt zu tun, dem früheren Kulturreferenten und dritten Bürgermeister von Tutzing. Der leidenschaftliche Sammler und Literaturkenner war früher in der Feldafinger Fernmeldeschule als Oberstleutnant für das ganze Gelände verantwortlich. Von einem Mitarbeiter bekam er eines Tages eine Information, die ihn schwer beeindruckte: Ein Gebäude auf dem Bundeswehrareal war genau das Gebäude, in dem Thomas Mann lange gelebt und gearbeitet hatte. In dieser Zeit war dort die Bauverwaltung der Fernmeldeschule untergebracht. Deren Leiter wollte das Haus eher in die Luft sprengen, als es zu verlassen. Der damalige Kommandeur traf eine andere Entscheidung. Da eine Armee üblicherweise nicht ein Literaturmuseum betreibt, machte sie das Villino 1999 zu einem „Haus des Widerstands“.
Das neue Angebot stößt in der Fachwelt auf Beachtung
Auch diesmal war es nicht von vornherein selbstverständlich, dass die Erinnerung an Thomas Mann in dem kleinen Gebäude so eindrucksvoll wachgehalten werden würde. Mit maßgeblicher Mitwirkung von Abendt ist dies auch diesmal gelungen. Es war sozusagen die zweite Rettung der „historischen Erblast“, von der Artemed-Gesellschafter Prof. Dr. Rainer Salfeld bei der Vernissage, sprach. Sein Unternehmen sieht sich nach seinen Worten geradezu verpflichtet, an den Literaten und Literaturnobelpreisträger Thomas Mann zu erinnern.
Welche Bedeutung dieser Entscheidung in der Fachwelt beigemessen wird, zeigt sich daran, dass der Präsident der Deutschen Thomas Mann Gesellschaft, Prof. Hans Waßkirchen, eigens zur Vernissage ins Villino kam. Salfeld fand aber noch einen anderen interessanten Bezugspunkt: „Es ist uns auch ein Vergnügen, weil der Roman ‚Der Zauberberg‘ in einer Lungenheilanstalt der 20er Jahre spielt, also eine Nähe zu unserer Bestimmung - der Heilung von Menschen - hat.“ Wenngleich, fügte er hinzu, „die langwierige und ein wenig dekadente Gesundheitsversorgung der oberen Zehntausend“ in den 20er Jahren weit entfernt gewesen sei von der modernen Hochleistungsmedizin, wie wir sie heute kennen.
Ein Teil des Villino wird künftig nach wie vor an Thomas Mann erinnern. In einem anderen Teil wird eine Stiftung der Artemed-Gruppe untergebracht. Abendt hat die Ausstellung durchdacht und umgesetzt. Er hat bereits früher viele Jahre lang Führungen und Vorträge zu Thomas Mann im Villino abgehalten und bringt zum Schaffen des Literaturnobelpreisträgers am Starnberger See „ein riesiges Detailwissen mit“, wie die Verantwortlichen von Artemed berichten.
"Zauberberg to go"
Über seinen Freund Georg Martin Richter war Thomas Mann in das Haus gekommen. Dort hat er am Zauberberg geschrieben, dort hatte er 1920 erstmals das damals unglaubliche Erlebnis des Grammophons, dem er im Zauberberg mit dem Kapitel „Die Fülle des Wohllauts“ ein dichterisches Denkmal setzte. Er verehrte Richard Wagner, musste aber zuvor, um seine Musik zu hören, in die Oper gehen oder sie selbst spielen.
Genau so ein Grammophon, wie Thomas Mann es seinerzeit genoss, ist auch in der Ausstellung zu sehen. Ein Restaurant wird nach dem Dichter benannt, und in den Zimmern der Klinik kann man über das Patienten-TV eine Verfilmung des Romans sehen - oder auch „Zauberberg to go“, eine witzige Zusammenfassung der Handlung mit Spielfiguren.



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