
Das nun neu belebte Kino ist für Tutzing seit Jahrzehnten ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt. Dazu gehören noch weitere Angebote im selben Gebäude. Der Magnet an der Kirchenstraße trägt die Handschrift der Familie Harthauser.
Rita Harthauser hatte das Kino zusammen mit ihrem ersten Mann etwa zwei Jahre nach dessen Gründung 1953/54 übernommen. Mit ihrem zweiten Mann Dieter Harthauser führte sie später über viele Jahre nicht nur das Tutzinger Kurtheater. Gerade um die Chance auf frühzeitige Filmpremieren zu verbessern, übernahm das Paar weitere Kinos: in Weilheim die damaligen „Postlichtspiele“, an deren Stelle sich heute das Bekleidungsgeschäft Echter befindet, in Peißenberg das „Cinema“. Das Tutzinger Kino wurde damals auch als Theater genutzt. Dessen Umkleideräume bauten die Harthausers 1972 zu einer Wohnung um.
1982 kam dann ein großer weiterer und zweifellos mutiger Schritt, der für Tutzing bedeutsam werden sollte: In schwieriger gewordenen Zeiten für Filmtheater verkleinerten Rita und Dieter Harthauser das Kino, das zuvor 330 Sitzplätze hatte, und bauten den vorderen Teil des Gebäudes, wo zuvor ein großes Foyer war, zu einem Restaurant um, dem sie den passenden Namen „Film-Taverne“ gaben. Dieter Harthauser erfüllte sich damit auch einen Jugendtraum, denn schon eine frühere Tätigkeit in einem Bierdepot hatte ihm gefallen.
Drei Veränderungen innerhalb kurzer Zeit

Zehn Jahre lang haben die Eheleute das Lokal selbst betrieben. In Verbindung mit dem benachbarten Kino - eine einzigartige Kombination - wurde daraus ein beliebter Tutzinger Anziehungspunkt. Für weitere zehn Jahre folgte ihnen dann ihr Sohn Robert Harthauser, der zusätzlich im Untergeschoss ein Bistro mit dem ebenfalls stimmigen Namen „Flimmi’s“ einrichtete. Seitdem gab es in der Gaststätte mehrere Pächter-Wechsel. Das Kino KurTheater betrieb von 2003 bis 2023 der Filmjournalist und Hörfunk-Moderator Michael Teubig.
In den Monaten August 2023 bis Februar 2024 kam dann alles zusammen. Innerhalb kurzer Zeit gab es drei Veränderungen: Die Pächter des „Flimmi’s“ verabschiedeten sich. Teubig, enttäuscht über meist sehr wenig Besuch bei den Filmvorführungen, beendete seinen Kinobetrieb. Und der Pächter der Film-Taverne hörte auf.
Zunächst war offen, was aus dem Magneten an der Kirchenstraße werden würde. Aber bald deuteten sich neue Lösungen an. Robert Harthauser und sein Sohn Maximilian bauten das „Flimmi’s" zu einer „Eventlocation“ um, die sie für Veranstaltungen und Partys aller Art vermieten, aus der „Film-Taverne“ wurde das indische Restaurant „Taj Mahal“, das der Filmhistoriker Friedemann Beyer bei der Kino-Eröffnung als sehr besuchenswert lobte. Und das Interesse an einer Neubelebung des Kinos wurde schon kurz nach dessen Schließung deutlich. Monate der Aufbauarbeit folgten – bis zur feierlichen Eröffnung des neuen „Bürgerkinos“ am Donnerstag.
Dieter Harthauser ist 2013 gestorben, Rita Harthauser 2019. Sie hat bis zuletzt im Kinogebäude gewohnt, und immer wieder sah man sie im Kurtheater. Bekannt sind auch ihre weiteren Kinder: Roswitha Zellner leitet das Kinocenter Trifthof in Weilheim, Sigrid Horn – die Mutter des Tutzinger Bürgermeisters Ludwig Horn - betreibt mit ihrer Familie die Pension „Möwe“ gegenüber dem Kino, und sie ist Vorsitzende des Tutzinger Fördervereins für Tourismus


Mehr zur Geschichte des Kurtheaters:
https://kulturtheater-tutzing.de/der-verein/geschichte-kurtheater-tutzing/
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