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Ein starkes Signal für den Tutzinger Handel

Sportgeschäft Thallmair hat trotz Pandemie kräftig investiert - Intersport-Chef beeindruckt

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Was des Sportlers Herz begehrt: Thomas und Doris Thallmair präsentierten mit Intersport-Chef Alexander von Preen (rechts) stolz ihr breites Sortiment © L.G.

Leicht war das nicht: Ausgerechnet in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie hat die Tutzinger Familie Thallmair ihr Sportgeschäft komplett modernisiert. Das war mit hohem finanziellen Aufwand verbunden - fast 130 000 Euro hat der Umbau gekostet. Und das, während gleichzeitig die Geschäfte ganz oder zu einem beträchtlichen Teil stillstehen mussten, neue Ware zwar geliefert wurde, aber nur in geringem Maß verkauft werden konnte. Entsprechend waren die Einnahmen viel niedriger als in normalen Zeiten.

Dass der Inhaber Thomas Thallmair und seine Frau Doris gerade in dieser schwierigen Zeit eine so kostspielige Maßnahme angepackt haben, wirkt wie ein Beleg für ihre ungebrochene Zuversicht: Die Tutzinger Unternehmer glauben fest an eine gute Zukunft stationärer Geschäfte im Ort – trotz aller Probleme von Pandemien bis zur scharfen Konkurrenz durch Großmärkte und Online-Anbieter.

Der große Sporthandelsverbund Intersport, dem das Tutzinger Geschäft angeschlossen ist, unterstützt diese Haltung maßgeblich. Er verfolgt sogar ein neues Konzept mit modernen Standards, die die kleinen und mittleren Geschäfte im harten Wettbewerb stärken sollen. Die Arbeiten daran hat er auch in der Corona-Zeit fortgesetzt - in der Hoffnung, dass die ihm angeschlossenen Sportfachhandelsbetriebe daran mitwirken. Thomas und Doris Thallmair, beide selbst begeisterte Sportler, waren zunächst, im ersten Lockdown, sehr zurückhaltend, ob sie das alles mit einem teuren Umbau unter diesen Umständen wirklich wagen sollten. Aber dann haben sie es doch entschlossen angepackt.

Seit ein paar Wochen ist alles fertig. Das Geschäft an der Hauptstraße/Ecke Traubinger Straße wirkt in vieler Hinsicht wie verwandelt. Obwohl seine Verkaufsfläche mit insgesamt rund 300 Quadratmetern überschaubar ist, gibt es für die einzelnen Warenbereiche neu gestaltete, separate und attraktive Zonen: Bekleidung, Schuhe, Ausrüstung, Bademoden und vieles mehr. Einige Bereiche sind deutlich größer als früher, so die Schuhabteilung.

Der Intersport-Chef kam eigens an den Starnberger See

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Neuanfang in einer bewährten Zusammenarbeit: Alexander von Preen (links) und Thomas Thallmair bei der Vertragsunterzeichnung

Dieser Tage kam hoher Besuch von Intersport nach Tutzing: Der Vorstandsvorsitzende Alexander von Preen gab sich selbst die Ehre, zusammen mit führenden Mitarbeitern seines Unternehmens. Er wirkte beeindruckt davon, was die Thallmairs geschafft haben. Mit ihnen hat er bei dieser Gelegenheit auch einen neuen Vertrag unterzeichnet. Die Tutzinger sind dabei weiter als viele andere Sportgeschäfte in diesem Verbund, wie die Vertreter von Intersport sagten.

Für Thallmair war es bereits der dritte Umbau des Geschäfts nach 2008 und 2013. „Die Händler können völlig frei agieren“, versicherte von Preen, „das sind alles selbstständige Unternehmer.“ Das typische Intersport-Geschäft sei mittelständisch. Die dieser Genossenschaft angeschlossenen Läden sind nach seiner Einschätzung recht gut durch die Krise gekommen - allerdings mit erheblichem Aufwand. Die Geschäfte haben in der Corona-Zeit nach seiner Kenntnis durchschnittlich die in acht Jahren angesammelten finanziellen Rücklagen aufgebraucht.

Intersport hat seinen Fachhandelspartnern auch geholfen. „Wir brauchen keine Staatshilfe“, bekräftigte von Preen mit kritischem Blick auf die starke staatliche Unterstützung von Großkonzernen. Aber nun sind seiner Meinung nach Anreize für Mittelständler - steuerlicher oder anderer Art - dringend notwendig, damit ihnen Investitionen, so in Digitalisierung und Nachhaltigkeit, leichter fallen. Richtig sauer wird er, wenn mittelständischen Unternehmern nun auch noch Förderbetrug vorgeworfen wird. Thallmairs Geschäft konnte mittlerweile im Umsatz wieder einigermaßen aufholen, wie die Betreiber sagen: „Aber wir haben auch viel privates Geld hineingesteckt.“

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Doris und Thomas Thallmair haben viele Ideen und viel Geld ihr neu gestaltetes Geschäft gesteckt © L.G.

Thomas Thallmair: "Wir glauben an den stationären Handel"

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Wenn man sofort einen neuen Tennisschläger braucht, kann Amazon auch nicht helfen: Dass man alles gleich mitnehmen kann, ist ein wichtiges Argument für stationäre Geschäfte gegenüber Online-Anbietern - und gleichzeitig eine große Herausforderung an die Verfügbarkeit der Waren in allen Größen, Formen und Farben © L.G.

Trotz allem sind die Risiken durch die immer schärfer werdende Konkurrenz – gerade auch durch Online-Anbieter – natürlich allen bewusst. Wie kleine und mittlere Geschäfte auf Dauer dieser Konkurrenz überhaupt noch standhalten können, ist eine heftig diskutierte Frage.

Aber sowohl die Vertreter von Intersport als auch Thomas und Doris Thallmair senden ein starkes Signal - auch an Geschäftsleute anderer Branchen in Tutzing: „Wir glauben an den stationären Handel“, versichert Thallmair, „wir wollen kein Online-Anbieter werden und uns auch nicht auf Amazon oder Zalando schalten.“ Ergänzende Online-Angebote sind auch bei ihnen längst selbstverständlich - aber von einer Beendigung des Konzepts mit ganz normalen Läden kann keine Rede sein.

Als A&O gilt dabei die Warenverfügbarkeit: Die Kunden wollen alles möglichst sofort haben – aber beim Online-Kauf dauert es halt doch mindestens ein, zwei Tage, auch wenn die Lieferung noch am selben Tag, neudeutsch „Same Day Delivery“ genannt, mehr und mehr propagiert wird.

Intersport-Chef von Preen sieht aber noch ganz andere Vorteile der stationären Geschäfte. So im Umweltschutz: Die Produkte würden in größeren Mengen geliefert, es seien nicht wie beim Online-Versand ständig kleine Paketlaster unterwegs.

Doris Thallmair hört zudem immer wieder von Fehlkäufen per Internet. Da besorgen sich die Leute zum Beispiel auf digitalen Wegen nicht so recht passende Wanderschuhe und wundern sich dann, wenn sie auf einem Berg unterwegs sind, über Blasen an ihren Füßen. Andere gehen mit ganz normalen Turnschuhen auf den Tennisplatz und merken erst dort, dass sie nicht wirklich für diesen Sport geeignet sind.

Von Preen bekräftigt die Bedeutung lokaler Geschäfte für das Ortsleben

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Ein starkes Tutzinger Motiv: Der "See-Löwe" von Thallmair © L.G.

Als erheblichen Vorteil stationärer Geschäfte im Ort betrachten die Thallmairs nicht zuletzt deren Beitrag zum gesellschaftlichen Leben. So ein Laden ist auch ein Treffpunkt, das zeigt sich immer wieder. Viele Menschen haben die Möglichkeit, mit anderen im Geschäft ins Gespräch zu kommen, während des Lockdowns vermisst, erzählte Thomas Thallmair - und in seiner Datei sind immerhin rund 5300 Stammkunden registriert.

Die Bedeutung lokaler Geschäfte für das Ortsleben hält Intersport-Chef von Preen für ausgesprochen groß. Die auch in Tutzing engagiert geführte Diskussionen darüber, wie das alles am besten gestaltet werden sollte, kennt er ähnlich aus vielen anderen Kommmunen, in denen er regelmäßig unterwegs ist - bis hin zum Dauerbrenner, ob man die Autos aus den Zentren möglichst fern halten sollte, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Sein Rat: „Man sollte in den Orten nicht alles autofrei machen.“ Er selbst liebe schöne Bereiche und Ruhezonen, doch: „Städte mit Fußgängerzonen veröden als erste.“ Wie dringend die Leute Autos benötigen, um größere Produkte wie Skier oder SUPs zu transportieren, wissen Doris und Thomas Thallmair nur zu gut.

Die Mischung macht’s, davon zeigt sich von Preen überzeugt: Gastronomie mit Fachhandel und Gemütlichkeit kombiniert. Wie das Zusammenspiel in Tutzing funktioniert, dafür liefern die Thallmairs etliche Beispiele. So haben sie spezielle Tutzinger Angebote wie etwa Hoodies mit einem "See-Löwen" im Programm, und sie arbeiten auch viel mit anderen Tutzinger Anbietern zusammen, so etwa mit dem Nordbad in Sachen Stand-up-Paddling. Und „Marie`s Coffeeshop“, der nur ein paar Meter entfernt ist, hat für das Treffen mit den Leuten von Intersport feine Spezialitäten geliefert.

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