Sechs Jahre ist es her. Ende Januar 2012 endete beim Tutzinger Gasthof „Andechser Hof“ die Ära der bisher letzten Pächter Michaela und Klaus Köllner. Seitdem stand die dem Kloster Andechs gehörende Wirtschaft leer. Etliche Anläufe für einen Neuanfang sind gescheitert. Aber nun gibt es neue Eigentümer: Kornelia und Georg Schuster haben das Grundstück von der Klosterbrauerei Andechs gekauft.
Die Eheleute sind alteingesessene Tutzinger und durch unterschiedlichste lokale Aktivitäten bekannt. Diesen Aspekt betrachtet Christian Rieger, der kaufmännische Leiter der klösterlichen Wirtschaftsbetriebe, als besonders wichtig: „Wir freuen uns, dass wir den Andechser Hof an eine ortsansässige Familie weitergeben können, die die Gegebenheiten und Bedürfnisse in Tutzing bestens kennt.“ Es hatte auch einige andere Interessenten gegeben, darunter einen Bauträger und einen Gastronom aus München. Mit einem von ihnen waren die Verhandlungen sogar schon weit gediehen. Doch letztlich ist aus all dem nichts geworden - und nun sind die Schusters zum Zug gekommen. Über den Kaufpreis sind keine konkreten Angaben zu erhalten. Früher sind einmal spekukativ 1,5 Millionen Euro als vom Kloster gewünschter Preis genannt worden. Es könnte sein, dass der Verkaufsabschluss in dieser Größenordnung zu vermuten ist.
Kloster war "in der ganzen Phase mit der Gemeinde in Kontakt"
Georg Schuster ist seit 2014 als Parteiloser Mitglied des Tutzinger Gemeinderats für die ÖDP. Auch seine Frau Kornelia Schuster ist für kommunalpolitische Aktitiväten bekannt. Sie hat dem Vorstand der Tutzinger CSU angehört, hat diesen aber verlassen, weil ihr im Zuge des Bürgermeister-Wahlkampfs wegen der ÖDP-Nähe ihres Mannes nahegelegt wurde, ihr Amt ruhen zu lassen.
Rund um das Interesse des Ehepaars Schuster für den Andechser Hof hatte es einige Diskussionen gegeben. Es scheinen auch nach wie vor Überlegungen angestellt zu werden, ob die Gemeinde ein Vorkaufsrecht geltend machen kann. Das ist generell möglich, rechtlich aber von konkreten Voraussetzungen abhängig. Ob sie in diesem Fall vorliegen, muss sich zeigen. Die Kommune hätte wohl auch schon früher von dieser Möglichkeit Gebrauch machen können. „Wir sind in der ganzen Phase der Verhandlungen mit der Gemeinde in Kontakt gewesen“, sagt Kloster-Sprecher Martin Glaab.
Neue Eigentümer wollen '"ein Stück Tutzing" gestalten
Die Eheleute Schuster haben den Verkauf jedenfalls am Donnerstag bereits notariell beurkunden lassen. Sie wollen damit für ihren Heimatort Tutzing etwas tun, bekräftigen sie - und "ein Stück Tutzing gestalten". Dass die traditionsreiche Gaststätte Andechser Hof mit ihrem großen Saal in der ursprünglichen Form weiter betrieben werden kann, ist wohl eher unwahrscheinlich. Eine Wirtschaft - eventuell in kleinerer Form - können sich die Schusters aber durchaus vorstellen.
Ansonsten zeigen sie sich in dieser frühen Phase für neue Nutzungsformen noch recht offen. Sie verweisen darauf, dass es sich baurechtlich um ein Mischgebiet handelt. Läden, vielleicht sogar eine ganze Geschäftszeile, halten sie ebenso für möglich wie ein Hotel und Wohnungen. Konkret denken sie bereits an eine neue betreute Wohnanlage, für die in Tutzing erheblicher Bedarf gesehen wird.
Auf jeden Fall wird es für die neuen Eigentümer mit dem Kauf nicht getan sein. Für notwendige Sanierungen oder Neubauten werden Beträge zwischen drei Millionen und fünf Millionen Euro geschätzt. Für Investoren könnte es hier wohl Potenziale geben. Was letztlich möglich sein wird, das wird auch maßgeblich von einem Bebauungsplan für dieses Gebiet abhängen. Die Gemeinde ist also auf jeden Fall entscheidend mit im Boot.
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