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Energie in der Hosentasche

In Tutzing und Umgebung arbeiten etliche Initiatoren an der Erzeugung von Wasserkraft

Wasser ist ein Lebenselixier. Wenn mit der Versorgung etwas nicht stimmt, läuten sofort die Alarmglocken. Das hat sich erst kürzlich gezeigt, als in Kerschlach nicht zum ersten Mal eine Pumpe in einem Brunnen ausgefallen ist, der mit für die Tutzinger Trinkwasserversorgung zuständig ist. Der Schaden ist schnell behoben worden. Pumpe erneut ausgefallen Was in weiten Kreisen kaum bekannt ist: In der hiesigen Region gibt es Initiativen für die Erzeugung von Wasserkraft, die weithin für Aufmerksamkeit sorgen.

Ein Tutzinger entwickelt Kleinstwasserkraftwerke - Wellenkraftwerke aus Gauting

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Für innovativen Umgang mit Wasser gibt es im Landkreis Starnberg etliche Beispiele © obs/Hansgrohe SE

Ein Tutzinger sorgt beispielsweise mit dem Unternehmen „Smart Hydro Power“ in Garatshausen international für Aufmerksamkeit: Dort werden Kleinstwasserkraftwerken entwickelt. Klein, aber oho sind die Minianlagen, die recht einfach bei Flüssen installiert werden und für alle möglichen Zwecke, für Werkstätten bis zu ganzen Dörfern, Strom erzeugen können. Dr. Karl Rainer Kolmsee, der in Tutzing wohnt, hat die Firma 2010 gegründet. Sie nutzt die normale Fließkraft von Flüssen, also die kinetische Energie. Die Flüsse müssen zu diesem Zweck nicht aufwändig gestaut werden.

„Wellenkraftwerke“ sind die Spezialität des jungen Gautinger Teams von „Sinn Power Wave Technology“. Mit Gezeiten hat ihre Entwicklung nichts zu tun. Aus Modulen werden unter Nutzung der Auf- und Ab-Bewegungen von Wellen quasi schwimmenden Kraftwerke zusammengebaut, was auf der Homepage des Unternehmens anschaulich demonstriert wird https://www.sinnpower.com/ . Sie sollen eines Tages Menschen an allen Küsten der Welt mit Strom aus dem Meer versorgen können - für etwa die Hälfte der Kosten als herkömmliche Stromerzeugung.

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Wellenkraftwerk von Sinn Power in Gauting © gwt

Das "kleinste Wasserkraftwerk der Welt" - mit initiiert von einem Wörthseer

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Energie direkt aus dem Wasser kann jeder holen, verspricht das Unternehmen Aquakin © Aquakin

Ein junger Unternehmer aus Wörthsee arbeitet am „kleinsten und leichtesten Wasserkraftwerk der Welt“ mit: Benedict Padberg ist Mitgründer des Unternehmens Aquakin in Fürth.

Das Minikraftwerk kann nach Angaben seiner Entwickler „von jedem Menschen mit Zugang zu einem fließenden Gewässer umweltschonend eingesetzt werden, um elektrische Energie zu erzeugen und zu speichern“.

Mit Hilfe einer Mikroturbine stehe für alle Menschen – auch in den entlegensten Teilen der Welt – umweltfreundliche Energie für den Betrieb von unzähligen elektrischen Kleingeräten zur Verfügung.

Das Minikraftwerk hat einen Durchmesser von 20 Zentimetern und wiegt gerade mal 400 Gramm. Man kann es also sozusagen in der Hosentasche mitnehmen.

Altes Wasserkraftwerk in Berg reaktiviert

Als einer der Vorreiter im Landkreis Starnberg für innovative Wasserkraftmodelle gilt die Familie Siebenwirth in Berg. Sie erzeugt in der der ehemaligen Mühle Martinsholzen, die bis 1947 betrieben wurde, seit einigen Jahren wieder Strom aus Wasserkraft des Lüßbachs. Zu diesem Zweck hat sie auf dem Hof ein Kraftwerk gebaut Damit kann sie 20 bis 30 Haushalte versorgen.

Manche Initiativen stoßen auch auf Widerstände

Nicht alle derartigen Initiativen finden allerdings nur Beifall. Beim Wasserkraftwerk der Familie Siebenwirth hat zum Beispiel der Bund Naturschutz sein Veto eingelegt. Günter Schorn, der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, hält es zwar für sehr gut, dass die alte Anlage am Haus wieder instand gesetzt worden ist. Die Eingriffe in die Landschaft seien aber viel zu groß.

Der dabei betriebene Aufwand in dem als Biotop ausgewiesenen Lüßbachtal, kritisiert Schorn, wäre nicht nötig gewesen: „Das Ziel hätte man auch anders erreichen können.“ So sei aus einem einfachen Bauwerk „ein Monster“ geworden. Besonders einen gebauten Zulauf hält Schorn für einen schwer wiegenden Eingriff in die Natur und in die Landschaft.

Sogar rechtliche Schritte wollte der Bund Naturschutz schon einleiten. Er ist davon aber wieder abgekommen. Wer der zu Beklagende sei, sagt Schorn, sei nicht zu fassen gewesen.

Quelle Titelbild: gwt
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