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Firma W.A.F. kann in Kampberg erweitern

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Die Firmenzentrale in Kampberg. Erweitert werden soll im hinteren Bereich (auf dem Bild links) © W.A.F.

Vier Jahre nach seinem Neubau im Tutzinger Ortsteil Kampberg plant das Unternehmen W.A.F. eine Erweiterung. Sie soll direkt hinter dem Firmengebäude an der Blumenstraße entstehen. Eine dafür erforderliche Änderung des Bebauungsplans hat der Tutzinger Gemeinderat gestern Abend einstimmig genehmigt.

Mit den Erweiterungsplänen reagiert der Vorstand auf eine offenbar recht große Nachfrage nach Seminaren für Betriebsräte, die das Unternehmen veranstaltet. In Deutschland soll es rund 100 000 Unternehmen mit Betriebsräten geben - also ein nennenswerter Markt. Nachdem solche Fortbildungsveranstaltungen früher weitgehend eine Spezialität von Gewerkschaften waren, haben sich in Deutschland mittlerweile neben ihnen rund 100 freie Anbieter in diesem Markt etabliert.

Die drei größten von ihnen sind die Unternehmen ifB KG in Seehausen am Staffelsee, das Poko-Institut in Münster und „W.A.F. Institut für Betriebsräte-Fortbildung AG“ - so heißt das Unternehmen genau, das 1983 vom ehemaligen Feldafinger Bürgermeister Günter Gerhard und von Rüdiger Marquardt gegründet worden ist. Sie sind die Eigentümer des Unternehmens, beide gehören dem Aufsichtsrat an, Marquardt ist dessen Vorsitzender. Geleitet wird W.A.F. von den beiden Vorständen Peter Britting und Christian Lütgenau.

Das Tutzinger Unternehmen ist einer der drei freien "Großen" in Deutschland

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Zentrale für Betriebsrats-Seminare: Eingangsbereich des Unternehmens in Kampberg © W.A.F.

Die große Nachfrage nach Seminaren für Betriebsräte hat einen einfachen Grund: Solche Fortbildungen muss der jeweilige Arbeitgeber bezahlen, das ist im Paragrafen 37 des Betriebsverfassungsgesetzes geregelt.

Der Markt der Betriebsrat-Seminare teilt sich heute je etwa zur Hälfte auf Gewerkschaften und freie Anbieter auf - und ifB, Poko und W.A.F. vereinigen zusammen nach Schätzungen allein 80 Prozent des „freien“ Marktes auf sich. Ein besonders großer Bedarf an Schulungen ergibt sich alle vier Jahre in Zusammenhang mit den Betriebsratswahlen.

Bei denen werden üblicherweise rund 40 Prozent der Betriebsräte ausgetauscht - und die „Neuen“ müssen sich erst einmal in die recht komplexe Thematik einarbeiten.

Es gibt eine Menge von Basisthemen, bei denen ein Betriebsrat Bescheid wissen sollte, und darüber hinaus viele Spezialthemen: Arbeitsrecht, Betriebsverfassungsrecht, EDV, Lohn, Arbeitszeit, Tarifrecht, personelle Angelegenheiten, Rhetorik, soziale Belange, Umstrukturierungen. Dabei legen die W.A.F.-Vorstände auf Neutralität Wert - von Klassenkampf-Parolen, wie man sie von den Gewerkschaften kennt, wollen sie nichts wissen.

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Ansehnliche Beiträge zum Tutzinger Gewerbesteuer-Aufkommen

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Das Firmengebäude ist direkt an der Blumenstraße gebaut worden, die nach Kampberg führt. Lange war für dieses Gelände zuvor kein Interessent gefunden worden © W.A.F.

2018 ist wieder ein Jahr der Betriebsratswahlen. Bei W.A.F. wird mit entsprechendem Andrang gerechnet. Mit 23 000 Buchungen wurden im vorigen Jahr rund 36 Millionen Euro Umsatz erzielt, in diesem Jahr erwartet Lütgenau 44 000 Buchungen. Gerade mal 5000 Buchungen waren es, als er 2004 bei dem Unternehmen begonnen hat. Für ihn führt angesichts des Firmenwachstums kein Weg daran vorbei: „Wir brauchen mehr Platz.“ 44 Mitarbeiter werden zurzeit in Kampberg beschäftigt, eine Personalaufstockung ist abzusehen.

Weitere vier Personen sind in Feldafing tätig. Von dort aus bietet W.A.F. seit zwei Jahren auch Online-Seminare an. Für sie wird künftig erheblicher Bedarf erwartet, weil sie es ermöglichen, bequem von daheim aus zu lernen. Auf der anderen Seite sind auch Reisen, die vom Arbeitgeber bezahlt werden, beliebt, so dass sich zeigen muss, wie sich diese Entwicklung einpendelt. W.A.F. bereitet sich jedenfalls für alle Fälle vor. In Feldafing sind am früheren Firmenstandort Studios für die Online-Seminare eingerichtet worden. In Feldafing war W.A.F. früher der größte Gewerbesteuerzahler. In Tutzing, schätzt Lütgenau, dürfte heute ein Drittel des gesamten Gewerbesteuer-Aufkommens von diesem Unternehmen stammen.

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Sie brauchen mehr Platz: Vorstände Peter Britting (re.) und Christian Lütgenau © W.A.F.

Hunderte Experten halten die Seminare ab

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Das Material für alle Seminare wird in Kampberg vorbereitet und verpackt © W.A.F.

Die Seminare finden nicht in Kampberg statt, sondern an 80 verschiedenen Standorten in ganz Deutschland, meist in Hotels. 350 bis 400 freie externe Mitarbeiter - Juristen und andere Experten auf den jeweiligen Gebeten – werden dabei eingesetzt.

In der Kampberger Zentrale wird die gesamte Verwaltung abgewickelt. So werden die kompletten Unterlagen für die Seminar-Teilnehmer in diesem Gebäude vorbereitet, versandfertig gemacht und - klimaneutral per „Geogreen“-Programm der Deutschen Post - an die jeweiligen Standorte verschickt.

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Am Teich neben der Zentrale geht es schon auch mal locker zu © W.A.F.

Drei Bürohunde gehören fest zum Team

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Sie wirken ganz zufrieden, auch wenn sie keinen Betriebsrat haben: Tapsi und Diego - zwei der Bürohunde bei W.A.F. © W.A,F.

In Kampberg geht alles recht persönlich zu, kurze Entscheidungswege und Familienfreundlichkeit gelten als wesentlich. Bisher sind noch alle Beschäftigten, die in Elternzeit waren, anschließend wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Stolz ist man bei W.A.F auf eine Auszeichnung, die das Unternehmen kürzlich erhalten hat. Die Zeitschrift „Focus Business“ hat zusammen mit dem Arbeitgeber-Bewertungsportal „kununu.com“ mittelständische Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verglichen. Und unter rund 1000 Unternehmen hat W.A.F. Platz 40 im Gesamtranking erreicht, im Bereich Bildung und Kultur sogar Platz eins. Bei dieser Prämierung hatten wirklich nur die Mitarbeiter das Wort.

Alle Beschäftigten kommen, wie man sich in Kampberg erzählt, auch regelmäßig gern zum gemeinsamen Kochen in die Küche neben dem Foyer, und immer wieder mal treffen sie sich zu Veranstaltungen. Drei Bürohunde gehören ohnehin fest zum Team.

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Beliebter Treffpunkt: die Küche in der Kampberger Firmenzentrale © W.A.F.
Quelle Titelbild: W.A.F.
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