Gemeindeleben
18.8.2026
Von vorOrt.news

Das große Geschenk der Familie von Ehrlich

Am Tutzinger Gründungsort von Verla-Pharm gibt es nun ein Begegnungszentrum

Ehrlich5a.png
Wohnsitz der Familie von Ehrlich, Tutzinger Gründungsort von Verla-Pharm und jetzt Begegnungszentrum: Das Gebäude an der Traubinger Straße 23 © L.G.

Es ist ein Stück Tutzinger Geschichte in neuem Glanz. Im Gebäude der Familie von Ehrlich an der Traubinger Straße 23 mit seinem runden Torturm-Anbau beginnt in diesen Tagen eine ganz neue Ära: Die Ambulante Krankenpflege e.V. hat dort ein Begegnungszentrum eröffnet, das Menschen in belastenden Lebenssituationen und ihren Angehörigen Unterstützung, Orientierung und neue Perspektiven bieten soll. Einen eigenen Schwerpunkt bildet das Projekt „Hope“. Die Abkürzung steht für „Hoffnung und Perspektiven für Menschen mit Krebserkrankung“. Auch die Ambulante Krankenpflege selbst zieht mit ihrer Geschäftsstelle ein. Das Gebäude weiter unten in der Traubinger Straße, in dem sie bisher ansässig war, gehört der Gemeinde Tutzing.

Das von-Ehrlich-Haus hat für Tutzing große Bedeutung: Das Gebäude war nicht nur bis Mitte der 1960er-Jahre Wohnsitz der Familie von Ehrlich-Treuenstätt – dort war auch der erste Tutzinger Sitz des von ihr gegründeten und in Tutzing ansässigen Unternehmens Verla-Pharm, das heute eines der führenden mittelständischen Unternehmen im deutschen Pharmamarkt ist. Seit 1949 hat die Familie in Tutzing eine mehr als 200-jährige Apothekertradition fortgesetzt, die ihren Ursprung im Sudetenland hat. Der Name „Verla“ leitet sich aus den Anfangsbuchstaben des Familiennamens „Von Ehrlich“ und deren „Reichenberger Löwen Apotheke“ ab.

An der Traubinger Straße begann die Produktion zunächst in den Kellerräumen. In den 1990er-Jahren ließ Gabriele von Ehrlich-Treuenstätt das Haus umbauen, später wohnten dort Angestellte des Pharmaunternehmens. Der ausdrückliche Wunsch der 2024 verstorbenen Firmenchefin war es, Haus und Garten zu erhalten und im Sinne der Familie einem sozialen Zweck zuzuführen. Die von ihr 2022 gegründete Verla Stiftung hat das Haus grundsanieren lassen. Es fällt nun durch frischen weißen Verputz, sanierte Fensterläden und eine neue Kupferregenrinne auf. Die Stiftung finanziert zu 100 Prozent sowohl das Begegnungszentrum als auch das Projekt „Hope“.

Angehörige sollen über das Zentrum gezielt entlastet werden

Ehrlich10.png
Das Haus mit seinem großen Garten bietet für die Gäste viele Möglichkeiten © Ambulante Krankenpflege

"Es ist eine Ehre, in einem solch schönen Gebäude arbeiten zu dürfen", sagte eine Mitarbeiterin der Ambulanten Krankenpflege bei der ersten Besichtigung. Für Armin Heil, den Geschäftsführer des Vereins, ist das von-Ehrlich-Haus mit seinen neuen Angeboten „ein großes Geschenk an die Bürger dieser Gemeinde“. Bei einer Präsentation des Projekts vor wenigen Wochen im Gemeinderat sprach Heil, der auch zweiter Vorsitzende der Verla-Stiftung ist, von einem Begegnungszentrum für Menschen, „die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen - die einfach allein sind, die psychisch leichte Einschränkungen haben, die in die Depression rutschen“.

Dienstags bis freitags, jeweils von 9 bis 16.30 Uhr, sollen die Gäste in dem schönen Gebäude mit großem Garten einen strukturierten Tag erleben – mit gemeinsamem Frühstück, gemeinsamem Mittagessen und gemeinsamen Aktivitäten. Es gibt zehn feste Plätze und zwei zusätzliche Notfallplätze, Besuchstage lassen sich individuell buchen. Auch Angehörige profitieren: Über Angebote wie die Verhinderungspflege soll das Zentrum sie gezielt entlasten. Der Eigenanteil liegt bei 30 Euro pro Tag – im Wesentlichen für Verpflegung. Wer sich das nicht leisten kann, wird in sozialen Härtefällen davon befreit. Eine Bushaltestelle befindet sich direkt neben dem Gebäude, auch Parkplätze gibt es in der Nähe.

Anzeige
Webrug_1_EDEKA_HEISS.gif

„Hope“ schließt in der hiesigen Region eine Lücke

Ehrlich7a.png
Drei unter einem Dach: Begegnungszentrum, Ambulante Krankenpflege und "Hope" © L.G.

Das Projekt „Hope“ bietet Menschen mit Krebserkrankung im von-Ehrlich-Haus jeden Montag Zeit für Austausch, Begleitung und Stärkung. Gesprächsrunden, Workshops zu Ernährung, Bewegung und Entspannung sowie Fachvorträge zu psychoonkologischen Themen sollen künftig fester Bestandteil sein, ergänzt um regelmäßige Sprechstunden mit Psychologen. Ein besonderer Fokus liegt auf Brustkrebspatientinnen, etwa mit Kosmetikseminaren, Perücken- und Kopftuchberatung oder Stilworkshops.

Nach Heils Schilderung schließt „Hope“ eine Lücke, die in der Region bislang kaum aufgefangen wurde. Ein Postkrebszentrum am Klinikum Starnberg unterstützt bislang nur diejenigen Patienten psychotherapeutisch, die sich dort auch operieren lassen. Wer anderswo operiert wird, fällt aus diesem Netz. „Hope“ soll genau diesen Menschen einen Anlaufpunkt geben.

Für die Ambulante Krankenpflege gibt es bereits im November den nächsten Grund zum feiern: Dann feiert der Verein Jubiläum – er ist vor 105 Jahren gegründet worden. Mehr als 1000 Mitglieder zählt er zurzeit, 108 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für ihn im Einsatz, dazu 92 Ehrenamtliche. Im Schnitt betreuen sie 245 Menschen in deren eigenem Zuhause. Allein in Tutzing kommen derzeit jährlich rund 12 700 Hausbesuche zusammen. Das Tätigkeitsspektrum des Vereins reicht aber noch weit darüber hinaus. Auch die betreuten Wohnanlagen in der Bräuhausstraße in Tutzing und in Bernried im Theresia-Petsch-Haus am Grundweiher gehören dazu, drei Tagespflegen in Tutzing, Starnberg und Bernried, der Trödelladen und die Kleiderstube im alten Pfarrsaal der Kirche St. Joseph in Tutzing, die Tutzinger Tafel Tischlein deck dich und neuerdings eine Koordinationsstelle für Nachbarschaftshilfe durch Ehrenamtliche.

ID: 9092
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.