Gemeindeleben
15.8.2026
Von vorOrt.news

Abgelehnte Trinkwasserbrunnen

ÖDP-Gemeinderätin Caroline Krug kritisiert Tutzinger Entscheidung – Beispiel Josefaplatz

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Ein neues Modul "Wasser & Abkühlung" des österreichischen Unternehmens IT-Innerebner GmbH, Mils (Tirol) unterstützt Städte und Gemeinden bei der digitalen Information ihrer Bürgerinnen und Bürger. Sie können damit Anlaufstellen während Hitzeperioden zentral erfassen und über eine App zur Verfügung stellen. Erfasst werden können unter anderem öffentliche Trinkwasserbrunnen, Refill-Stationen, schattige Parkanlagen, klimatisierte öffentliche Gebäude, Wasserspielplätze, Nebelduschen sowie weitere Orte, an denen sich Menschen während großer Hitze abkühlen können. © IT-Innerebner GmbH

Die Hitze der vergangenen Tage hat Tutzing fest im Griff, und die Presseabteilung der Gemeinde hat mit ihrem Beitrag „Erneut Hitze-Alarm" bereits reagiert – mit Ratschlägen, wie man sich schützen kann. Erneut Hitze-Alarm Für ÖDP-Gemeinderätin Caroline Krug greift das allerdings zu kurz. Sie erinnert an eine Entscheidung, die für sie bis heute nachwirkt: die Ablehnung öffentlicher Trinkbrunnen im Gemeindegebiet.

„Wir müssen weitere Schritte gehen, um dem ‚Klimawandel‘ etwas entgegen zu setzen“, fordert Krug gegenüber vorOrt.news. Besonders Kinder und ältere Menschen litten unter den hohen Temperaturen. Nach vorläufigen Schätzungen des Robert Koch-Instituts habe es bundesweit bereits rund 12 000 hitzebedingte Todesfälle in diesem Sommer gegeben. Mit Ratschlägen allein sei es nicht getan.

Die Gemeinderätin verweist auf eine Sitzung des Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschusses an 30. September vergangenen Jahres, in der die „Errichtung eines öffentlichen Trinkbrunnens im Bereich der Grundschule Traubing und der Grundschule Tutzing" zur Debatte gestanden habe. Ein Vorschlag der Gemeindeverwaltung habe vorgesehen, das Thema zur Entscheidung an den Gemeinderat weiterzugeben – dieser Vorschlag sei mit 3 Ja- zu 5 Nein-Stimmen gescheitert.

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Schild am Brunnen auf dem Josefaplatz in Tutzing © L.G.

Der zweite, konkretere Vorschlag ging weiter: zwei kostenfrei nutzbare Trinkbrunnen mit Informationstafeln nach den Vorgaben des Freistaats, Betrieb und Wartung durch die Gemeinde. Die Brunnen wären kostenfrei nutzbar, Betrieb, Wartung und Instandhaltung übernähme die Gemeinde. Die Verwaltung sollte Standorte vorschlagen und die laufenden Kosten ermitteln. Auch dieser Antrag fiel durch – denkbar knapp, mit 4 zu 4 Stimmen – und das, obwohl eine Umsetzung finanziell unterstützt worden wäre, erklärt Krug unter Hinweis auf ein Sonderprogramm des bayerischen Umweltministeriums für „Kommunale Trinkbrunnen".

Für Krug bleibt der Zeitpunkt des Beschlusses bemerkenswert: Vor der Fertigstellung des Josefaplatzes, so argmentiert sie, wäre es – wie in der zweiten, ebenfalls abgelehnten Beschlussfassung angedacht – noch möglich gewesen, dort neue Standorte für Trinkbrunnen vorzuschlagen.

Als Beispiel führt Krug die Landeshauptstadt München an, wo Trinkwasserbrunnen im dreistelligen Bereich über das Stadtgebiet verteilt sind: „Ich möchte an diesem kleinen Baustein Thema Trinkwasserbrunnen festhalten, um zumindest in den folgenden heißen Sommern den Menschen Zugang zu Trinkwasser auch im öffentlichen Raum zu bieten.“ Zugang zu Trinkwasser erhöhe die Aufenthaltsqualität am Platz für Menschen aller Altersgruppen, insbesondere für Familien mit Kindern, Menschen mit Behinderung und älteren Menschen: „München macht es uns mit Trinkwasserbrunnen im dreistelligen Bereich vor und es gibt sogar Karten, damit sie jeder finden kann.“ Diese Brunnen seien aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Manche würden ganzjährig betrieben, die restlichen machten „Winterpause“.

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Kommentare

Sehr geehrter Herr Muhr, sehr geehrter Herr Jilg,

ich teile Ihrer beider Enttäuschung und den sehr richtigen Gedanken, den Sie vortragen. In einer Gemeinde leben Kinder, Hochbetagte, Kranke und Pflegebedürftige, die sich weder einen Brunnen bohren noch ein schattiges Ortszentrum pflanzen können. Sie alle sind darauf angewiesen, dass die gewählte Politik für sie vorsorgt – gerade in Sommern, die der Klimawandel Jahr für Jahr heißer werden lässt. Und gutes Regierungshandeln zeigt sich eben auch in so scheinbar nebensächlichen Dingen wie einem Trinkbrunnen an der Grundschule.

Als der Gemeinderat im April 2024 über den Seniorenbeirat beriet, wurde dort versichert, die Ratsmitglieder verstünden sich als Vertreter aller Menschen in Tutzing, von den Kindern bis zu den Senioren, und die Seniorenthemen seien im Rat „sehr gut aufgehoben". Man verwies sogar darauf, dass etliche Ratsmitglieder mit ihrem Alter für einen Seniorenbeirat „qualifiziert" seien. Zwei heiße Sommer später wissen wir, dass dieses Versprechen schon an der Brunnenfrage gescheitert ist. Dabei hätte ausgerechnet die eigene Alterskohorte am meisten davon gehabt, denn wen trifft die Hitze härter als die Älteren, die beim Einkauf oder Spaziergang ganz besonders auf Schatten und ausreichende Wasserzufuhr angewiesen sind?

Sie haben recht, Herr Muhr, dass bei Millionenprojekten großzügig durchgewunken und beim Centbetrag für die Daseinsvorsorge gegeizt wird, obwohl der Freistaat die Brunnen sogar bezuschusst hätte. Sparsamkeit, die ausgerechnet am Wasser für Kinder und Alte ansetzt, muss man wohl eher als Gleichgültigkeit bezeichnen. Und wer Anträge zur Klima- und Klimafolgenthematik verlässlich niederstimmt, um das Thema damit den Antragstellern als deren Privatanliegen zu überlassen, entzieht sich seiner politischen Verantwortung.

Es bleibt dabei, worauf all die Debatten der letzten Wochen hinauslaufen, ob Hitzeaktionsplan, Verschattung oder Trinkbrunnen. Es geht um den Schutz der Menschen in ihrem ureigenen Lebensraum. Der lässt sich nicht per Ratschlag an die Bevölkerung zurückdelegieren, und er ist keine freiwillige Leistung, die man nur in guten Jahren erbringt, um die Lasten in den schlechten den Schwächsten aufzubürden. (Stand heute im gesamten Land laut RKI: 12.500 Hitzetote.)
(Bearbeitet)
Ich fand es absolut richtig und vorausschauend, dass man sich in Tutzing zum Thema Waldbrandgefahr immerhin noch vor der Sommerpause zusammengetan hat. Sehr gut, bitte dranbleiben !

Aber das Thema HITZEWELLEN ist für uns Bürger gewiss ebenso wichtig.
Für den Sommer 2026 ist es leider bereits zu spät für wirksame Hilfs- & Schutzmaßnahmen.
Aber als Bürger dieser Gemeinde erwarte ich schon, dass man sich im Gemeinderat & in der Gemeindeverwaltung ebenso ernsthaft auf zukünftige Hitzewellen vorbereitet. Das sollte noch diesen Herbst gleich nach der Sommerpause auf die Tagesordnung.

Ein schlüssiges GESAMTKONZEPT, bei dem die einzelnen Maßnahmen wirkungsvoll ineinandergreifen, tut dringend not !!
Dabei kann es nicht schaden, wenn man sich zu Beginn des Projektes auch die Infos & evtl. Ideen von hiesigen Ärzten, unserem Krankenhaus, unseren Schulen, und unserer ambulanten Pflege einholt.
Der nächste Hitzesommer kommt bestimmt ... wenn nicht gleich 2027, dann spätestens wieder 2028, 2029, usw.

Nachtrag I:
Und nehmt bitte uns Bürger von Anfang an mit ins Boot!
In jeder Straße, in jedem Haus leben und/oder arbeiten Bürger. Einer von uns ist fast immer vor Ort...
Dann könnten sich beispielsweise 2 oder 3 finden, die im nachbarschaftlichen Team sommers ehrenamtlich einen Wasserspender regelmäßig nachfüllen, falls eine fest installierte Trinkwasserzuleitung zu aufwendig bzw. zu teuer sein sollte?
Oder andere Ideen?

Nachtrag II:
Die neuen Bänke in der Hauptstraße können auch einen Beitrag leisten, wenn sie geschickt so positioniert werden, dass immer zumindest einige im Schatten stehen.
(Und natürlich sauber & benutzbar gehalten werden.)
(Bearbeitet)
Ich bin total enttäuscht von mindestens einem Bürger Tutzings.
Ernsthaft sie gönnen den Kindern nicht mal die Renovierung der Schule, weil sie zu faul sind a Flaschn Wasser mitzutragen?
Immer diese blöden Kinder, mit ihren Bedürfnissen.
(Bearbeitet)
Ich bin total enttäuscht von den Gemeinderäten in Tutzing, es werden Millionen für Schulen ausgegeben, aber ein paar Trinkwasserbrunnen sind nicht bezahlbar.
Wenn die Gemeinde 100 Tsd. Euro beim Schulbau einspart, würde der Schulbetrieb keine Einschränkungen haben, aber man könnte locker einige Trinkwasserbrunnen damit finanzieren.
Ich bin wirklich enttäuscht von den Gemeinderäten, die angeblich die Bürgerinteressen vertreten wollen und bei großen Beträgen die Augen zumachen und bei kleinen Beträgen sparen.
Wie in den Familien, beim Butter freut man sich 10 Cent gespart zu haben und für Hobbys gibt man tausende Euros im Jahr aus.
(Bearbeitet)