Im Tutzinger Rathausgarten gab es am Donnerstag einen feierlichen Festakt: Bürgermeister Ludwig Horn hat zehn Ehrungen vorgenommen. Insgesamt hat er vier Bürgermedaillen, einen Ehrenbrief und fünf Ehrenurkunden verliehen. Unter den Gästen waren die Ehrenbürger Dr. Marianne Koch, Prof. Ursula Männle und Peter Brummer, die Altbürgermeister Peter Lederer, Marlene Greinwald (Tutzing) und Bernhard Sontheim (Feldafing), Udo Hahn, der Direktor der Evangelischen Akademie, die Leitungen der Tutzinger Schulen, Vereinsvorstände sowie Mitglieder der Gemeindeverwaltung.Horn erinnerte daran, dass Momente wie die jüngste Tutzinger Fischerhochzeit nicht von selbst entstehen, sondern das Ergebnis des Engagements vieler Menschen sind, die sich mit Herzblut für die Gemeinde einsetzen.
Bürgermedaille für Armin Heil
Als ersten ehrte der Bürgermeister Armin Heil mit der Bürgermedaille. Als ehemaliges Mitglied des Gemeinderats und Mitbegründer des Tutzinger Fördervereins für Tourismus habe er früh gezeigt, dass ihm die Entwicklung und Attraktivität des Ortes am Herzen liegt. Der eigentliche Grund für die Bürgermedaille liegt jedoch in seinem Lebenswerk: Seit den 1990er-Jahren ist Heil Geschäftsführer der Ambulanten Krankenpflege Tutzing. Unter seiner 30-jährigen Leitung wuchs die Einrichtung zu einem leistungsfähigen Träger mit einem breiten Angebot heran – von der ambulanten Pflege bis zur Palliativversorgung. Was Heil laut Horn besonders auszeichnet, ist seine „einzigartige Fähigkeit, Menschen zu begeistern und mitzunehmen" – nicht nur das Organisieren allein, sondern die Gabe, das eigene Engagement auf Mitarbeitende und Kooperationspartner zu übertragen. Das Ergebnis: Die Ambulante Krankenpflege Tutzing gilt weit über den Landkreis hinaus als Vorbild für exzellente, umfassende Altenbetreuung. Zurecht habe sich dafür ein Satz eingebürgert, so Horn: „In Tutzing kannst du ohne Sorgen alt werden – es gibt Armin Heil und die Ambulante Krankenpflege." Gerade für eine Gemeinde mit einem hohen Anteil älterer Bewohnerinnen und Bewohner sei das ein Wert, den man nicht genug schätzen könne. Heil habe nicht nur eine Dienstleistung aufgebaut, sondern ein Sicherheitsnetz geschaffen, das den Menschen die Gewissheit gebe, auch im Alter in ihrer vertrauten Umgebung gut versorgt zu sein. Armin Heil selbst formulierte, was ihn antreibt, mit vier Worten: „Ich liebe die Menschen.“
Bürgermedaille für Elisabeth Dörrenberg, Christine Nimbach und Stefan Feldhütter
Im Verlauf des Festaktes ehrte der Bürgermeister acht ehemalige Gemeinderatsmitglieder. Drei von ihnen erhielten die Bürgermedaille, den übrigen fünf überreichte er Ehrenurkunden. Der Tutzinger Gemeinderat hat vor langer Zeit beschlossen, dass Kommunalpolitiker ab 18 Jahren Zugehörigkeit zum Gemeinderat mit der Bürgermedaille ausgezeichnet werden.
Die Bürgermedaille erhielt Elisabeth Dörrenberg. Sie war 24 Jahre lang Mitglied des Gemeinderats und lange Vizebürgermeisterin – „eine gute Seele des Gremiums", wie Horn es formulierte, gerade in herausfordernden Zeiten, in denen menschliche Wärme und Verständnis gefragt gewesen seien. Ihr Einsatz für die Geflüchtetenthematik habe gezeigt, dass sie über kommunale und parteipolitische Grenzen hinaus gedacht habe. Auch innerhalb der CSU habe sie das Soziale stets im wahrsten Sinne gelebt. Als Kulturreferentin habe sie sich nach 2020 der Aufgabe gewidmet, das kulturelle Leben in Tutzing nach der Corona-Zeit wiederzubeleben. Als einen Höhepunkt ihres Wirkens bezeichnete Horn ihre federführende Mitorganisation der Tutzinger Fischerhochzeit 2017 gemeinsam mit Altbürgermeisterin Marlene Greinwald. Wieviel Zeit und Engagement die Arbeit für die Gemeinde erfordert hat und was das für ihre Familie bedeutete, schilderte Dörrenberg unter Gelächter der Anwesenden mit einem Zitat ihrer Kinder: „Kannst du nicht endlich mal über etwas anderes reden als diese blöde Dorfpolitik?“
Eine Bürgermedaille gab es auch für Christine Nimbach. Sie gehörte dem Gemeinderat von 1996 bis 2026 an – drei Jahrzehnte kontinuierlicher Arbeit für die Gemeinde. Als damals einzige grüne Gemeinderätin habe sie von Beginn an eigene Akzente gesetzt, sagte Horn. Ihr Paradethema sei die Umweltpolitik, ein Feld, in dem sie als Pionierin vorangegangen sei und das heute wichtiger sei denn je – von der Begrünung öffentlicher Flächen bis zu aktuellen Umweltfragen. Nimbach selbst erinnerte an ihre Mitwirkung bei Bürgerbegehren und Widerständen, so gegen die einst vorgesehene Bebauung des früheren Areals von Boehringer-Mannheim und Roche it einem Biotechnologiezentrum. „Ich freue mich, dass wir jetzt in Tutzing so ein Gelände haben“, sagte sie zur aktuellen Situation, „und nicht so, wie es vorher geplant war.“ Besonders hob der Bürgermeister ihre kontinuierliche, aktive Teilnahme an den Diskussionen im Gremium hervor. Horn dankte ihr zudem dafür, dass ihr Interesse am Wohlergehen der Gemeinde weit über ihre aktive Zeit hinausreiche: „Wir sehen sie immer wieder als Gast in Gemeinderatssitzungen“ – was tatsächich nur auf wenige ehemalige Gemeinderatsmitglieder zutrifft.
Auch Stefan Feldhütter wurde mit einer Bürgeredaille geehrt. Er war seit 2008, also 18 Jahre, Mitglied des Gemeinderats für die Freien Wähler. Wie Horn berichtete, übernahm er zu Beginn das Amt des Jugendreferenten und zeigte schon damals Verantwortungsbereitschaft. Über viele Jahre habe er dann eine Schlüsselposition in der Ortsplanung besetzt, in der er mit durchdachten Impulsen und fundiertem Fachwissen den Ort mitgestaltet habe – auch als verlässlicher Ratgeber, wenn es um die Einschätzung von Risiken ging. Horn beschrieb Feldhütter als „wahren Allrounder", der sich auch abseits seines Hauptthemas eingebracht habe. Besonders ausgezeichnet habe ihn seine angenehme, zurückhaltende Art, gepaart mit klaren, dezidierten Meinungsäußerungen, wenn es nötig war. Feldhütter habe sich freiwillig entschieden, nicht mehr anzutreten. Er werde fachlich wie menschlich fehlen, sagte Horn. Feldhütter selbst sagte: „Es war mir immer eine Ehre, ins Ehrenamt gewählt worden zu sein. Unter Gelächter fügte er hinzu: „Es war mir meistens ein Vergnügen, mit den Kollegen zu diskutieren – meistens.“ Er sei „zumindest nie ausgepfiffen“ worden.
Ehrenbrief für Matthias Helbig
Nach den Bürgermedaillen für die Gemeinderatsarbeit folgte eine Ehrung anderer Art: der Ehrenbrief der Gemeinde Tutzing für außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, verliehen an Matthias Helbig. „Kultur ist das Herzstück einer lebendigen Gemeinde", sagte Bürgermeister Horn. Sie verbinde Vergangenheit und Gegenwart und mache aus einem geografischen Punkt einen Ort mit Identität. Als Vorsitzender des Museumsschiffvereins Tutzing habe sich Helbig mit großem persönlichem Einsatz für den Erhalt und die lebendige Vermittlung der Geschichte des Museumsschiffs eingesetzt. Unter seiner Mitwirkung habe sich der Verein zu einem wichtigen Träger der lokalen Erinnerungskultur entwickelt– eine Leistung, die die Gemeinde vor Jahren bereits mit dem Hausenstein-Kulturpreis gewürdigt hat. Was Helbig laut Horn besonders auszeichnet, ist sein Blick nach vorn: Auch wenn die bisherige Ära des Museumsschiffs sich möglicherweise dem Ende zuneige, unterstütze Helbig konstruktiv die Diskussion um einen neuen Standort für ein Jugendzentrum und denke aktiv über neue Nutzungsformen nach. Ihm liege eben nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft des Ortes am Herzen. Helbig erinnerte schmunzelnd an einen Ausspruch seiner verstorbenen Frau Helga Vesper: „Ab und zu würde ich gern ‚Schiffe versenken‘ spielen.“ Die Arbeiten am Museumsschiff und auch besonders am reparaturbedürftigen Steg überforderten einen Verein total. Nachdrücklich bat er den Gemeinderat, sich Gedanken darüber zu machen, „dass der Tutzing die Verschrottung erspart bleibt“.
Ehrenurkunden für Georg Schuster, Barbara Doll, Stefanie Knittl, Michael Ehgartner und Claus Piesch
Zum Abschluss wandte sich Horn den weiteren Gemeinderätinnen und Gemeinderäten zu, die die Gemeinde in der Wahlperiode 2020 bis 2026 mitgeprägt haben und nach der Kommunalwahl im März nicht mehr im Gremium sitzen.
Den Anfang unter den fünf Verabschiedeten machte Georg Schuster, der mit zwölf Jahren die längste Amtszeit der Gruppe vorweisen kann. In der ersten Periode gehörte er dem Gemerinderat für die ÖDP an, in der zweiten für die FDP. Sein Engagement galt über die gesamte Zeit hinweg, wie Horn sagte, vor allem den Themen Bau und Ortsentwicklung – mit besonderem Blick auf die einzelnen Ortsteile der Gemeinde, deren unterschiedliche Bedürfnisse er immer wieder ins Gremium einbrachte.
Barbara Doll, die bei der Verabschiedung selbst beruflich verhindert war, war für die Tutzinger Liste im Gemeinderat. Sie habe sich mit großem Herz für die Interessen der Landwirtschaft und des Ortsteils Traubing eingesetzt., sagte Horn. Zugleich sei sie eine verlässliche Förderin und Unterstützerin des Sozialfonds der Gemeinde.
Michael Ehgartner gehörte dem Gemeinderat für die Grünen an. Er entwickelte sich im Bereich Bau und Ortsentwicklung zu einem Gemeinderatsmitglied, sagte der Bürgermeister, dessen Argumente niemand im Gremium so anschaulich und überzeugend vermitteln konnte wie er.
Stefanie Knittel war Gemeinderatsmitglied der SPD. SHorn verwies darauf, dass sie besonders im Bauwesen bewandert sei. Ihren Schwerpunkt habe sie beim Denkmalschutz und bei denkmalgeschützten Gebäuden gesetzt – ein Einsatz für das baukulturelle Erbe Tutzings.
Claus Piesch war Gemeinderatsmitglied der Freien Wähler.Für ihn gab es laut Horn kaum ein Thema, für das er sich nicht begeistern konnte. Seine besondere Leidenschaft brachte er vor allem in die Jugendarbeit und den Sport ein.
Was viele bewegt, fasste Georg Schuster in einer kurzen Dankrede zusammen: „Wenn de Leit zsammadean, dann geht was in Tutzing.“ An alle richtete er den dringenden Appell: „Hoit’s zsamm, dass in Tutzing was vorwärts geht!“

Kommentar hinzufügen
Kommentare