Allerlei lustige, skurrile und auch nachdenklich stimmende Eindrücke hat die Festwoche mit der Tutzinger Fischerhochzeit geliefert. Sogar der Ministerpräsident war in Tutzing - aber viele haben das nicht mitbekommen oder ihn nur kurz in der Kutsche vorbeifahren sehen. Wir haben hier einige Splitter zusammengefasst ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit.
Doppelt ozapft hält besser
Manche Anekdoten schreibt das Leben selbst – und manchmal hilft ein defekter Zapfhahn ein wenig nach. Als Tobias Wegl zur Eröffnung der Fischerhochzeit zum ersten Ozapfn ansetzte, spritzte das edle Nass nach sechs Schlägen kräftig aus dem Fass heraus – aber nicht in die bereit gehaltenen Masskrüge. Ein lustiger Auftakt für die Festwoche zur Fischerhochzeit. Das fanden alle Umstehenden und auch Bürgermeister Ludwig Horn - wahrscheinlich besonders, weil er Wegl bei diesem Ozapfn den Vortritt gelassen hatte. Am Samstag durfte der Rathauschef dann selbst ran, brauchte nur zwei Schläge und prostete anschließend gemeinsam mit den Musikern allen im Festzelt zu. Doppelt ozapft hält besser, wird er sich gedacht haben.
Ob im Beruf oder im Ruhestand - die Fischerhochzeit genießen alle
Als Leiter des Tutzinger Bauamts ist Christian Wolfert viel Arbeit gewöhnt. Aber die Rolle des Altknechts, scheint er hier nach seinem Auftritt beim Polterabend zu gestehen, ist nochmal eine ganz andere Nummer (Bild links). Was er vortrug, war aber ein Genuss - für die vielen, die zuschauten, für ihn selbst bestimmt auch. Tutzings Ex-Bürgermeister Dr. Alfred Leclaire (links auf dem Bild rechts) und Peter Lederer verfolgten das Geschehen derweil gelassen: Beim Polterabend hatten sie sich, gemütlich bei Fritz und Marlies Häring am Guggerhof sitzend, offenkundig viel zu erzählen. Sie genossen alles auf andere Art: indem sie keine Verantwortung mehr hatten wie bei den insgesamt acht Fischerhochzeiten in ihren Amtszeiten.
Augenschmaus mit Einschränkungen
Elegant, gemessen, charmant: Zur perfekten Begleitung durch Utum Yangs Flötengruppe kamen die jungen Leute aus der Tutzinger Realschule zu ihrem imposanten Auftritt mit Biedermeiere-Tänzen – ein echter Augenschmaus, wie viele Gäste fanden. Während des Reiftanzes setzte leichter Regen ein, im Publikum gingen die Schirme auf - einer sogar direkt vor den Pressefotografen, für die das nicht unbedingt ein Augenschmaus war. Nur die Musiker spielten ungeschützt weiter – sie waren genug beschäftigt, und auch ihre Instrumente. Die durften sich später im Festzelt mal ausruhen.
"Immer wieder marschieren Truppen durch Tutzing"
Tutzing wie damals: „Seit Bayern ein Königreich ist, befindet es sich unentwegt in kriegerischen Auseinandersetzungen. Ob als Teil des (napoleonischen) Rheinbundes in Schlesien und Polen, oder gegen die Habsburger in Altbayern und Tirol. Immer wieder marschieren auch Truppen durch Tutzing oder quartieren sich hier ein. Und dann marschierte Napoleon mit seiner Grande Armée im Juni 1812 mit rund 600.000 Mann in Russland ein. Unser König unterstützte diesen Krieg mit 33.000 bayerischen Soldaten.“ (Aus der Festschrift „Die Tutzinger Fischerhochzeit 2026“. Seite 14).
„So wias d’Suppn salzt, so wird die Eh wern"
Das Salz in der Suppe: Wirt und Wirtin begrüßten die Brautleute im Festzelt. Später forderte die Wirtin die Braut auf, die Suppe zu salzen: „So wias d’Suppn salzt, so wird die Eh wern. Salz net zvui nach, dass net z’scharf wird, lass aba ned z’mild, denn des taugt nix, des is fad.“
Die Lindlwiese - ein großer Parkplatz
Verkehr mal anders: In Sachen Parkplatzbedarf zeigte die Festwoche neue Möglichkeiten auf. Vom Johannishügel bis zur Lindlwiese (Bild links) wurden etliche sonst freien Areale zu Stellflächen. Und muss ein Festzug bei Rot anhalten? Diese Frage haben sich manche Teilnehmer durchaus gestellt, aber nur just for fun. Ganz ernst nutzten gleichzeitig andere, die auf Rädern unterwegs waren, während der Straßensperrung munter die Radschutzstreifen – offenbar in der Annahme, da seien sie sicher, denn schließlich müssen ja alle anderen mindestens anderthalb Meter Abstand halten.
Die Musiker können sich gelegentlich selbst nicht hören
Zu laut? Da gingen die Ansichten auseinander. Wenn es aus den Lautsprechern schallt und dazu noch Lärm vom Publikum dröhnt, ist es sogar für die Musiker manchmal schwer, sich selbst zu hören. Deshalb hielten sich manche von ihnen ein Ohr zu, um den Außenschall zu reduzieren und ihre eigene Stimme klarer und unmittelbarer über die Knochenleitung wahrzunehmen. So konnten sie Tonhöhe und Klang präziser kontrollieren.
Auf Brunnensuche
Versteckspiel: Der Brunnen, der kürzlich seinen angestammten Platz verlassen musste, war schon wieder verschwunden, dachten manche Gäste. Dabei befand er sich nach wie vor an seinem neuen Standort. Allerdings war er von Ständen beidseits so eingerahmt, dass ihn manche erst mal übersehen haben.
Bald gibt's ein Jubiläum: 40 Jahre Seehof-Leerstand
Ein Jubiläum der besonderen Art gibt es in zwei Jahren in Tutzing zu feiern: 2028 steht der Seehof seit 40 Jahren leer. Vielleicht der Anlass fürs nächste Fest auf diesem Gelände? Viele Besucher der Fischerhochzeit meinten, das ufernahe Areal eigne sich perfekt für Veranstaltungen. Kinder wussten das kleine Spielparadies schon während der Festwoche zu schätzen. Da trotz fertigem Bebauungsplan keine Absicht zur Bebauung des Grundstücks zu erkennen ist, würde seine Nutzung für Feiern den Eigentümern vielleicht wenigstens ein paar Euro Miete einbringen. Verglichen mit dem Kaufpreis für die Fläche, der angeblich 13,5 Millionen Euro betragen hat, wäre das zugegebenermaßen ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wer den Cent nicht ehrt...
"Hallöchen Aperölchen"
So ein Ereignis wie die Fischerhochzeit treibt die Kreativität voran. Dafür konnte man in diesen Tagen viele Belege finden. Der Schreiner Lukas Dreher, der beim Tutzinger Bauhof arbeitet, hat zum Beispiel das Schild fürs Festzelt perfekt angefertigt (Bild oben links). Ideenreich haben auch etliche Gastronomen und andere Geschäftsleute ihre Verkaufsstände gestaltet. Einer lockte mit dem neckischen Spuch "Hallöchen Aperölchen". Beobachten konnte man allerdings auch, wie intensiv die Götter mit dem Erfolg Fleiß verbunden haben. Nach Festschluss konnte man sehen, wie mancher Betriebsinhaber ganz allein die Biertische weggeräumt hat. Sogar die gwt Starnberg war bei der Fischerhochzeit mit einem Stand vertreten (Bild rechts unten). Warum? gwt steht für „Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg“. Auf dem Seehof, neben dem sie ihren Stand hatte, gibt es zwar nach wie vor kein Hotel. Aber dass für ein solches Bedarf wäre, hat gwt-Chef Christoph Winkelkötter schon oft erklärt. Er hat schon bei allerlei Gelegenheiten die Werbetrommel für den Landkreis Starnberg gerührt – und auch für Tutzing mit der Fischerhochzeit, so beispielsweise bei der Grünen Woche in Berlin. Ehrensache, dass er persönlich in Tutzing dabei war. Und wer weiß - vielleicht hat der Wirtschaftsexperte eine zündende Idee für den Seehof?
Schützenvereine standen vor dem Festzelt Schlange
Das war ein Anblick, wie es ihn selten gibt: Sage und schreibe 60 Schützenvereine waren am Samstag beim Jubiläum zum 100jährigen Bestehen der Schützengesellschaft Immergrün zu Gast. Auf dem Seehof warteten ihre Mitglieder mit den Fahnen geduldig, bis sie ins Festzelt einziehen konnten. Landrat Stefan Frey war schwer beeindruckt von diesem „größten Fahnenmeer am Starnberger See“.
Eine echte Seltenheit: Alle durften in den Tutzinger Schlosspark
Nicht nur Tagungsteilnehmer oder Sommergäste, sondern die ganz normale Bevölkerung im Park des Tutzinger Schlosses: Das war am Tag der Fischerhochzeit eine echte Ausnahme. Normalerweise erlaubt der Schlossherr - die Evangelische Akademie - so etwas nicht. Im Gegensatz zu anderen ufernahmen Parkanlagen wie etwa beim Buchheim-Museum oder beim Schloss Garatshausen ist dieses bevorzugt gelegene Areal für die Öffentlichkeit fast immer gesperrt. Bei einer Tutzinger Fischerhochzeit aber gelten andere Regeln. Viele Menschen in Tutzing würden sich freuen, wenn das öfter mal der Fall wäre.
Ein Konsul und ein zurückhaltender Ministerpräsident
Auch internationale Gäste ließen sich die Fischerhochzeit nicht entgehen: Gergely Juhász, Wirtschaftskonsul im ungarischen Generalkonsulat in Bayern, besuchte den Polterabend – zur Freude von Bürgermeister Ludwig Horn, dem die Partnerschaft mit der ungarischen Gemeinde Balatonkenese am Plattensee am Herzen liegt. Und auch der bayerische Ministerpräsident war dabei: Markus Söder fuhr beim Festzug in einer Kutsche mit, gemeinsam mit dem Bürgermeister, dessen Frau und dem Landrat, winkte den Menschen am Straßenrand zu, hielt sich ansonsten aber in der Tutzinger Öffentlichkeit zurück. Gesprächiger - und auf kritische Fragen recht kritisch konternd - hatte er sich kurz zuvor am Steg der Akademie für Politische Bildung gezeigt, wo ihn der Fernsehsender ZDF vor der Kulisse aus See, Nordbad, Schiffen und Bergen interviewte.






Kommentar hinzufügen
Kommentare