Tutzings Ortszentrum war gestern belebt wie selten zuvor. Schon am frühen Nachmittag füllten sich die Straßen mit Menschen. An vielen Stellen waren Stände und Biertische aufgebaut – sowohl auf der Hauptstraße als auch auf den Nebenstraßen. Am Nachmittag war besonders vor dem Guggerhof, der sich im Schauspiel zum Gröberhof verwandelt, kaum noch ein Durchkommen, so eng war es. Aber auch auf der Schlossstraße gab es ein ständiges Kommen und Gehen. Das Festzelt auf dem Seehof war der zweite Brennpunkt dieses Tages – die Jubiläumsfeier der Schützengesellschaft Immergrün, die dort am Nachmittag stattgefunden hat, ging direkt in die weiteren Feiern am Abend über.
Vor dem Guggerhof warteten unterdessen alle, die sich dort eingefunden hatten, geduldig auf die weiteren Geschehnisse, während sie die Traubinger Blaskapelle munter unterhielt. Nebenan und gegenüber pulsierte überall das Leben an ideenreich gestalteten Verkaufsständen. Im großen Eingangsbereich des Guggerhofs hatten dessen Eigentümer Marlies und Fritz Häring charmante bayerische Figuren aufgestellt, die sie aus ihrer Wirtezeit im Midgardhaus aufgehoben hatten.
Drei Bürgermeister, neun Fischerhochzeiten
Drei Tutzinger Bürgermeister machten es sich dort auf einer Bank gemütlich: die beiden früheren Rathauschefs Dr. Alfred Leclaire und Peter Lederer mit ihren Frauen Irmi Leclaire und Christa Lederer sowie der derzeitige Bürgermeister Ludwig Horn, alle natürlich in ansprechender Tracht. In Leclaires Amtszeit – 1970 bis 1996 – gab es fünf Fischerhochzeiten, in Peter Lederers Amtszeit – 1996 bis 2008 – waren es drei dieser historischen Schauspiele. Für Ludwig Horn ist es die erste seiner Amtszeit - macht zusammen neun.
So viel wie diesmal war bei früheren Fischerhochzeiten nicht los, schwärmte Leclaire. Auf der Straße tat sich dann endlich was. Auf einem vor dem Hof aufgebauten Podium erschien der Erzähler, dargestellt von Alex Hiebl, der über den weiteren Ablauf der Ereignisse berichtete, und dann der Altknecht, gespielt von Christian Wolfert. Als er eindrucksvoll die Ankunft der Braut und des Kuchlwagens ankündigte, schienen sich viele der vielen Zuschauer regelrecht zurückversetz zu fühlen in die Zeit Napoleons, in der die Geschichte spielt.
Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bis es endlich so weit war. Beifall brandete bei der Begrüßungszeremonie auf – es war wie im richtigen Leben. Der Kuchlwagen, der noch lange neben dem Gugger-/Gröberhof stand, wurde mit seiner liebevoll hergerichteten Brautaussteuer wurde viel bestaunt, er war ein begehrtes Fotoobjekt.
Das Doppel-Ozapfn war ein Spaß trotz eines kleinen Missgeschicks
Unterdessen war Bürgermeister Horn im Festzelt angekommen, denn dort sollte er ein Fass Bier ozapfn – eine Tradition, die eigentlich den Beginn eines Festes markiert. In diesem Fall hatte Horn aber am Mittwoch Tobias Wegl, dem Vorsiitzenden des Veranstaltungsvereins Tutzing, den Vortritt gelassen. Wegl hatte dabei Probleme, nach sechsmaligem Schlag spritzte es kräftig, weil der Zapfhahn kaputt war. Am Samstag schaffte es der Bürgermeister mühelos mit zwei Schlägen. Das Doppel-Ozapfn war für alle trotz des kleinen Missgeschicks ein Spaß, und Wegl bekam mit seinem Veranstaltungsverein ohnehin viel Lob für die Organisation der Festwoche.
Vor dem Guggerhof und auf den Straßen genossen viele noch lange den warmen Sommerabend im Tutzinger Zentrum im Stehen oder, gut bewirtet, an den Biertischen. Zu den Klängen der Hochberghausene Tanzlmusi wurde der Tanz auf der Straße dann Realität, unter kundiger Anleitung machten etliche Paare begeistert bei Volkstänzen mit, bis pünktlich um 22 Uhr der Nachtwächter zur Ruhe mahnte. Schließlich sollten alle am Morgen wieder ausgeschlafen am Seeufer sein, um die Braut zu empfangen. Der Aufforderung, nach Hause zu gehen, folgten die meisten allerdings noch lange nicht. Im Festzelt auf dem Seehof ging es mit fröhlicher Musik se Tegernseer Tanzlmusi, der Würmsee Böhmischen und der Saustoimusi sowieso noch bis nach Mitternacht weiter.


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