Gemeindeleben
16.7.2026
Von vorOrt.news

Ein Jubiläum mit Herzblut und Rückblick

20 Jahre "Tischlein-deck-dich" in Tutzing - Eine feste Einrichtung des Gemeinschaftslebens

Am 7. Juli vor genau 20 Jahren wurde in Tutzing zum ersten Mal ein Lebensmittelkorb an eine bedürftige Familie übergeben. Am 10. Juli dieses Jahres kamen frühere und aktuell aktive Helferinnen und Helfer des „Tutzinger Tischlein Deck Dich" (TTDD) zusammen, um dieses Jubiläum zu feiern. Sie blickten auf zwei Jahrzehnte zurück, in denen aus einer kleinen Idee eine feste Einrichtung des Tutzinger Gemeinschaftslebens geworden ist. „Es war eine schöne Zeit mit viel Herzblut und Freude an diesem Ehrenamt, wie schnell doch die Zeit vergangen ist", sagte Koordinatorin Caroline Krug, die auch als ÖDP-Gemeinderätin bekannt ist, beim Rückblick auf die Anfänge.

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31 Personen sorgen regelmäßig für die Lebensmittel und deren Ausgabe - "mit viel Herzblut und Freude", sagte Koordinatorin Caroline Krug (oben, 2. von rechts) bei der Jubiläumsfeier. Bürgermeister Ludwig Horn (rechts) äußerte sich sehr erfreut über das Angebot der Tutzinger Tafel, das auch zahlreiche Tutzinger Geschäftsleute unterstützen

Vom Krankenpflege-Treffen zum Pfarrsaal – die Anfänge 2006

Die Geschichte der Tafel begann am 26. Mai 2006 mit einem ersten Treffen bei der Ambulanten Krankenpflege Tutzing. Beteiligt waren von Anfang an die katholische Pfarrgemeinde St. Joseph, die evangelische Gemeinde und die Ambulante Krankenpflege. Bereits Wochen später, am 7. Juli 2006, fand die erste Ausgabe statt – zunächst im Betreuten Wohnen in der Bräuhausstraße 3. Armin Heil, der Geschäftsführer der Ambulanten Krankenpflege, stellte damals eine Liste mit 20 hilfsbedürftigen Personen und Familien zusammen, Lebensmittelkörbe wurden gepackt und vom Personal der Krankenpflege zugestellt. Am 22. September 2006 zog die Ausgabe in den alten Pfarrsaal von St. Joseph um. Von da an kamen die Menschen selbst statt beliefert zu werden.

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Spenden von Tutzinger Geschäften ermöglichen regelmäßig ein reichhaltiges Tischlein-deck-dich

31 Ehrenamtliche, fast 50 Familien – die Tafel heute

Aus einem Team von fünf bis sechs Personen ist im Lauf der Jahre eine feste Struktur mit 31 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen geworden: 17 Personen bei der Ausgabe und 14 Personen, die die Lebensmittel mit privaten Autos aus den teilnehmenden Geschäften holen. Jeden Freitag, seit 20 Jahren, wird ausgegeben – macht rund 1040 Ausgabetage und, bei durchschnittlich vier Stunden und 13 eingesetzten Helferinnen pro Freitag, etwa 54 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit. Allein in den ersten zehn Jahren wurden schätzungsweise 104 Tonnen Lebensmittel in den Pfarrsaal getragen.

Die Zahl der Unterstützten ist seither deutlich gewachsen: Ab Dezember 2013 kamen erste Asylbewerberinnen und Geflüchtete hinzu, ab 2016 auch rund zehn Familien aus Bernried, seit dem Krieg in der Ukraine zusätzlich Geflüchtete von dort. Heute unterstützt das TTDD fast 50 Familien und Haushalte – umgerechnet zwischen 200 und 240 Einzelpersonen. Ein Nachweis der Bedürftigkeit erfolgt über eine Selbstauskunft. Manche aus Tutzing kommen laut Krug bereits seit vielen Jahren regelmäßig zur Tafel.

Träger und Partner: Kirche, Krankenpflege und Tutzinger Geschäfte

Getragen wird das Tischlein bis heute vom Zusammenspiel der Gründungspartner – Pfarrgemeinde St. Joseph, evangelische Gemeinde und Ambulante Krankenpflege – sowie einem breiten Netz von Tutzinger und Bernrieder Geschäften, die Waren spenden, die im Verkauf nicht mehr verwertbar, aber einwandfrei sind: Brot vom Vortag, Obst und Gemüse etwa. Dazu zählen Aldi, Lidl, die Bäckereien Ziegler und Kasprowicz, das Café Erin, das Tutzinger Früchtehaus Babacan, Edeka Nord und Süd, Netto Bernried, Clement Chococult Bernried sowie dm und Rossmann in Tutzing. In den Edeka-Märkten steht zudem eine Sammelbox für Pfandbons zugunsten des TTDD. Seit einem Gemeinderatsbeschluss aus dem Juli 2015, damals unter Bürgermeister Rudolf Krug, unterstützt zudem die Gemeinde die Tafel jährlich mit einer finanziellen Zuwendung.

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Die Warenmenge von Discountern schwankt - aber mit Hilfe von Spenden kann das engagierte Team des Tischlein-deck-dich Nahrungsmittel dazu kaufen © Fotos: Tutzinger Tischlein Deck Dich

Spenden, die zu 100 Prozent ankommen

Weil die Warenmenge der Discounter stark schwankt, ist das Tischlein zusätzlich auf Geldspenden angewiesen – von Privatpersonen ebenso wie aus sozialen Aktionen von Vereinen, etwa der „Kauf eins mehr"-Initiative des Rotary Clubs. „Diese Spenden kommen zu 100 Prozent bei den Bedürftigen an", betonte Caroline Krug. Mit dem Geld kauft das Team haltbare Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Milch, Gemüsedosen, Wurst und Käse dazu. Zu Weihnachten spenden Tutzinger Geschäfte und Privatleute zusätzlich Geschenke für die Kinder der Tafel-Familien. Gelegentlich holt das Team auch Restbestände von der Starnberger Tafel ab. Besonderen Dank richtete Caroline Krug an alle, die seit Jahren selbstgemachte Marmelade oder Körbchen vorbeibringen.

Für die Koordinatorin ist die Arbeit dabei mehr als reine Lebensmittelausgabe: Neben der materiellen Hilfe soll das Tischlein auch ein Ort gegen die Einsamkeit sein, an dem Gleichgesinnte sich austauschen können. „Vielleicht nimmt der märchenhafte Name ein wenig die Scheu, das Angebot der kostenlosen Lebensmittelausgabe anzunehmen", so Krug. Not, betonte sie, gebe es auch in einem wohlhabenden Landkreis wie Starnberg – echte, materielle Not.

Freitags im Thelinraum

Die Ausgabe findet mittlerweile jeden Freitag zwischen 8.30 und 12.30 Uhr im Thelinraum der Ambulanten Krankenpflege in der Bräuhausstraße 3 statt. Das TTDD dankte in diesem Zusammenhang auch Armin Heil und der Gemeinde Tutzing für die kostenlose Bereitstellung der Räumlichkeiten.

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