Gemeindeleben
29.6.2026
Von vorOrt.news

Picknick-Tisch auf der Promenade gewünscht

Bürgerversammlung im Zeichen von Alltagsthemen - Anerkennung für Gemeinde und Bürgermeister

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Am Samstagabend waren die Abfälle auf der Brahmspromenade weitgehend zu den Behältern gebracht worden - aber deren Aufnahmefähigkeit war begrenzt, und für Krähen, Marder und andere Tiere waren sie wohl attraktiv

Es waren weniger die Dauerbrenner-Themen, die kürzlich bei der Tutzinger Bürgerversammlung die Diskussion beherrscht haben. Leer stehende oder anderweitig genutzte ehemalige Gastronomieflächen wie Seehof, Andechser Hof, Bauerngirgl und Sportlerstüberl, Klimaschutz und Energiewende mit kommunaler Wärmeplanung, Seewärme, und Photovoltaik, Massenansturm von Naherholern am Seeufer an schönen Tagen, die Ortsentwicklung, die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger, die Parkplatzsituation, die Debatte über Tempo 30, Baustellen und Straßensanierungen, bezahlbarer Wohnraum trotz schier unerschwinglicher Grundstückspreise, das Bahnhofsumfeld: All diese Themen standen nicht im Mittelpunkt, sondern eher die des Zusammenlebens, des Alltags und des Gemeindelebens.

Über einen Tisch in einer der Tutzinger Parkanlagen am Seeufer würde sich eine Einheimische beispielsweise freuen. „Es wäre schön, wenn man sich mal mit seiner Familie an so einen Tisch setzen und ein Picknick machen könnte“, sagte sie. Bürgermeister Ludwig Horn will diese Idee in die Beratungen über das Entwicklungskonzept ISEK einfließen lassen, bei denen es auch um konkrete Maßnahmen unter anderem für die Brahmspromenade geht.

Andere beklagten „Müllvandalismus“ durch Krähen und Marder wegen offener Abfallbehälter. Über diese Thematik soll demnächst im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Gemeinderats gesprochen werden. Ein Besucher fragte nach Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Entsprechende Ständer sollen im Ortszentrum sukzessiv mehr und mehr aufgestellt werden, teilt die Gemeinde mit. Ein anderer Bürger regte ein Hupverbot im Ort an – ein Wunsch, der erst einmal auf Zurückhaltung stieß. Fragen nach einem Hupverbot für Tutzing Auch erheblicher Sanierungsbedarf an den Tutzinger Straßen wurde angesprochen, nachdem die Arbeiten an der Hauptstraße und ihren Nebenstraßen nun ihrem Ende entgegengehen. Die große und teure Aufgabe der Ortsstraßen will die Gemeinde nach und nach anpacken, ein entsprechendes Konzept ist in Arbeit Sanierungsplan für die Tutzinger Straßen

Über die eigentlich mit Freude begrüßte Ankündigung der Deutschen Telekom in Sachen Glasfaser-Ausbau äußerte sich ein Besucher eher enttäuscht, weil dies für Traubing und den Tutzinger Norden gelten soll, aber bisher nicht erkennbar fürs übrige Tutzing. Da konnte Bürgermeister Horn keine großen Hoffnungen in Hinblick auf Einflußmöglickeiten der Gemeinde machen. Er gab sich zwar zuversichtlich, dass die Telekom Tutzing komplett mit Glasfaser versorgen wird. Doch wenn sie das doch nicht machen sollte, dann könne die Gemeinde sich beschweren - einen Ausbau durchsetzen könne sie jedoch nicht.

Gegen Ende der Versammlung gab es für die Gemeinde unter der Führung von Bürgermeister Ludwig Horn ein dickes Lob: Er sei auf dem richtigen Weg, sagte ein Besucher anerkennend unter Beifall.

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Park, Badeplatz, Spielfläche: Das Tutzinger Seeufer hat inzwischen etliche Funktionen. Ein Outdoor-Schachbrett soll hinzukommen, nun gibt es auch den Wunsch nach einem Picknick-Tisch. Die einen sagen, das sei gut, nicht nur wegen der Tutzinger, weil ja auch die Münchner ein Recht auf Erholung hätten. Die anderen kritisieren die Entwicklung - die Promenaden würden mehr und mehr überfüllt und vermüllt.

Die Gemeinde wird in diesem Jahr einen Kredit aufnehmen

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Etwa 70 Einheimische verfolgten die Tutzinger Bürgerversammlung im Roncallihaus

Etwa 70 Personen kamen zu dieser Bürgerversammlung ins Roncallihaus. Bürgermeister Horn freute sich auch über den Besuch von zwei Gemeinderatsmitgliedern: Johanna Pfänder von der CSU und Flora Weichmann von den Grünen nahmen teil. Im Saal blieben aber etliche Stühle leer. Das mag an der Hitze gelegen haben, vielleicht auch am Terminplan, der in den nächsten Wochen und Monaten weitere Bürgerversammlungen in den Ortsteilen vorsieht – heute am Abend bereits in Traubing. Da werden sich wohl manche Informationen speziell über ihre Wohngegenden erhoffen.

In einer gut vorbereiteten Präsentation mit vielen Schaubildern und Tabellen gab Horn einen ausführlichen Überblick über zahlreiche Tutzinger Themen, doch zu denen gab es weniger Fragen. Er schilderte die Finanzlage der Gemeinde und kündigte an: „Wir müssen in diesem Jahr höchstwahrscheinlich einen Kredit aufnehmen.“ Dadurch werden sich die Schulden der Gemeinde, die seit 2022 von damals knapp 1,6 Millionen Euro bis auf knapp eine Million Euro (2026) reduziert werden konnten, im nächsten Jahr auf fast 3,2 Millionen Euro erhöhen.

Die Kreditaufnahme wird laut Horn auch für die Finanzierung der Mittelschulsanierung benötigt werden. Deren Gesamtkosten sind zurzeit mit 28 Millionen Euro prognostiziert. Unter Abzug von öffentlichen Zuschüssen und Beiträgen von Nachbarkommunen, aus denen Schüler nach Tutzing kommen, werden nach dem aktuellen Stand 14,2 Millionen Euro Kosten für Tutzing verbleiben, doch Horn sagte: „Diese Zahl wird definitiv noch höher.“ Damit rechnet er wegen nicht absehbarer Komponenten, so beispielsweise der Zinsentwicklung. Einen geplanten Eröffnungstermin für die Mittelschule, deren Fertigstellung sich gegenüber früheren Erwartungen bereits deutlich verzögert hat, nannte Horn nicht, er bemerkte aber, als er ein Bild vom künftigen Saal in der Schule zeigte: „Ich würde mich freuen, wenn wir im kommenden Jahr dort unsere Bürgerversammlung abhalten könnten.“

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Als Bürgermeister Horn den bald fertigen Mehrzweckraum in der Mittelschule zeigte, kommentierte er zuversichtlich: „Ich würde mich freuen, wenn wir im kommenden Jahr dort unsere Bürgerversammlung abhalten könnten.“

50 Prozent weniger Bauanträge 2025

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Die Einmündungen der Nebenstraßen in die Hauptstraße wie hier die Schlossstraße präsentieren sich mittlerweile in ganz neuer Optik. Bei der Fischerhochzeit hofft Bürgermeister Horn auf ein sehr schönes Tutzing.

Ein Thema, das Tutzing seit mehr als einem Jahrzehnt begleitet, ist die Sanierung der Hauptstraße. Nach Beendigung aller Baumaßnahmen dort und an den Nebenstraßen wird die Gemeinde für dieses Mehrjahresprojekt 11 Millionen Euro investiert haben, sagte Horn, davon 7,5 Millionen bis 8 Millionen für Straßen, Wege und Beleuchtung sowie 3 Millionen bis 3,5 Millionen Euro für die Wasserleitungen.

Einen positiven Nebeneffekt sah der Bürgermeister wegen der im Juli bevorstehenden Tutzinger Fischerhochzeit: Im Moment gebe es bei den Straßenarbeiten keine Probleme mehr, weil alle nur schauten, dass bis zum großen Schauspiel alles einigermaßen gut ausschaut. Einige Bäume werden jetzt – auch wegen der Fischerhochzeit – noch gepflanzt, mehr soll es dann im Herbst geben. Die Parkharfen werden noch mit Humus und Grassamen aufgefüllt.

Etwas Entspannung gibt es beim Thema Bauleitplanung und Ortsentwicklung: 50 Anträge waren in der Gemeinde 2025 zu bearbeiten – 50 Prozent weniger als im Jahr zuvor, sagte Horn. „Man sieht daran, dass die Niedrigzinsphase vorbei ist“, meinte er. Weil weniger Kapazität benötigt wird, soll im Bauamt der Gemeinde eine Stelle gestrichen werden, indem sie nicht nachbesetzt wird. 54 laufende Bebauungsplanverfahren sind „immer noch nicht wenig“, sagte Horn, „aber wir haben etwas abgearbeitet.“

Der "Bauturbo" erlaubt ganz neue Möglichkeiten

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Wo ist noch Platz für weitere Bauwerke? Die Tutzinger Ortsbausatzung beschränkt die Möglichkeiten, zum Beispiel mit der 600-Quadratmeter-Regel. Aber der "Bauturbo" erlaubt Vieles, was bisher nicht möglich war.

Horn berichtete über eine Neufassung der Ortsbausatzung, doch deren prägende Elemente wie beispielsweise eine geforderte Mindestgröße von Baugrundstücken – 600 Quadratmeter bei Einfamilienhäusern, 900 Quadratmeter bei Doppelhäusern mit Realteilung – seien unverändert geblieben.

Ganz neue Möglichkeiten erlaubt aber der „Bauturbo“. Nach ihm kann von den Festsetzungen eines Bebauungsplans befreit werden, Bauvorhaben müssen sich nicht mehr in die Umgebungsbebauung einfügen (Baugesetzbuch Paragraf 34), teilweise ist sogar eine Bebauung im Ortsrandbereich und im Außenbereich möglich. Einem „Wildwuchs“ durch den Bauturbo versucht die Gemeinde durch den Erlass von Leitlinien entgegenzwirken – auch mit besonderem Blick auf die Präzedenzwirkung für vergleichbare Fälle. Horn sagte dazu: „Wir müssen schauen, dass wir eine Gleichbehandlung der Antragsteller hinbekommen.“

Unter anderem in Traubing hofft die Gemeinde mehr Gewerbeflächen schaffen zu können. Immer wieder meldeten Tutzinger Unternehmen Flächenbedarf, sagte Horn. Was Gewerbe finanziell für die Gemeinde bedeutet, wurde in einem Schaubild über die wichtigsten Einnahmen im Verwaltungshaushalt klar: Die Gewerbesteuereinnahmen erreichen dieses Jahr 9,8 Millionen Euro – sie übersteigen schon seit drei Jahren die Einkommensteuerbeteiligung.

Ansehnliche Förderung für Spiel- und Erholungspark neben der Grundschule

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Für einen Spiel- und Erholungspark östlich der Grundschule, hat die Gemeinde einen Bescheid über eine Förderung von fast 180 000 Euro erhalten © Fotos: L.G. / BG

Ein ständiger Begleiter der Arbeit in der Gemeinde und im Gemeinderat wird mehr und mehr das auf Antrag der Tutzinger Liste beschlossene „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK). Horn bestätigte nochmals, dass nun immer mehr nach diesem Konzept erarbeitete Maßnahmen realisiert werden sollen. Für einen Spiel- und Erholungspark östlich der Grundschule, der 280 000 Euro kosten soll, hat die Gemeinde laut Horn von der Regierung von Oberbayern einen Bescheid über eine Förderung im Höhe von fast 180 000 Euro erhalten. Als Dauerbrenner bezeichnete Horn die Würmseehalle, bei der eine teure Dachsanierung bevorsteht.

Beim Thema Verkehr berichtete Horn über gewisse Verbesserungen. Die „Verschwenkungen“ in der Oskar-Schüler-Straße mit aufgestellten Pflanztrögen habe bei den Geschwindigkeitsmessungen zunächst Wirkung erzielt. Bei weiteren Messungen seien die Werte aber wieder höher gewesen. „Sie sind nicht schlecht“, kommentierte der Bürgermeister, „aber wir müssen weitere Maßnahmen treffen.“ Eine Besucherin regte an, weiter unten in der Straße ebenfalls so einen Pflanztrog aufzustellen, da die Autofahrer dort mehr beschleunigten. Dies gilt aber wegen der dort befindlichen Feuerwehr, wegen Privatausfahrten und Parkplätzen als unwahrscheinlich.

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