Gemeindeleben
24.2.2026
Von vorOrt.news

Die „Tutzing“ soll Jugendzentrum werden

Idee fürs Schiff aus der Familie des Vorsitzenden Matthias Helbig – Antrag der Freien Wähler

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Matthias Helbig hat die "Tutzing", nachdem sie 1995 ausgemustert worden war, zusammen mit Gleichgesinnten nach Tutzing geholt und über fast drei Jahrzehnte mit großem Engagement zu einer Attraktion dieser Gemeinde gemacht © L.G.

Seit bald drei Jahrzehnten liegt das Museumsschiff „Tutzing“ fest vertäut an einem Steg im Kustermannpark. Wegen hohen Renovierungsaufwands – für das Schiff und auch den Steg – ist immer wieder seine drohende Verschrottung im Gespräch. Aber nun gibt es eine ganz neue Idee: Die „Tutzing“ soll an Land gebracht und künftig als Jugendzentrum dienen – und zwar im Freizeitgelände Süd, wahrscheinlich auf dem alten Volksfestplatz.

Entstanden ist diese Idee in der Familie von Matthias Helbig, der sich als Vorsitzender des Museumsschiffvereins leidenschaftlich, mit erheblichem persönlichen Einsatz und auch mit ansehnlichen privaten finanziellen Beiträgen für die „Tutzing“ engagiert. Mit dem Vorschlag, das Schiff einer neuen Nutzung gerade für junge Leute zuzuführen, hat Helbig bei Claus Piesch, dem Jugendbeauftragten des Tutzinger Gemeinderats, gleich Begeisterung ausgelöst. Piesch, der auch Mitglied im Museumsschiffsverein ist, hat für die Freien Wähler, deren Gemeinderatsmitglied er ist, einen Antrag zu diesem Thema formuliert und in der vorigen Woche bei der Gemeinde eingereicht (siehe pdf unten auf dieser Seite).

Helbig war zusammen mit Gleichgesinnten die treibende Kraft dabei, das historische Ausflugssschiff „Tutzing“ nach seiner Ausmusterung 1995 nach Tutzing zu holen und als Museumsschiff zu betreiben. Über die Jahre hat er auf dem Schiff auch regelmäßig ein attraktives Kulturprogramm mit namhaften Künstlern angeboten. Dafür hat der Museumsschiff-Verein den "Wilhelm-Hausenstein-Kulturpreis“ der Gemeinde Tutzing und den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung erhalten.

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Die Zeit der "Tutzing" war 1995 eigentlich schon vorbei. Aber engagierte Schiffsliebhaber aus Tutzing, allen voran Matthias Helbig, haben aus ihr eine attraktive Sehenswürdigkeit gemacht, die auch immer wieder mit kulturellen Programmen für Aufmerksamkeit sorgt. Eine langfristige Zukunft für das Schiff sieht Helbig aber nur an Land.
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Helbig verweist aber auch auf große finanzielle Probleme, die eine Erhaltung des Museumsschiffs an seiner bisherigen Stelle im See verursachen würde. So sei eine Erneuerung des Stegs in den nächsten Jahren fällig – für geschätzte 60 000 bis 100 000 Euro. Die Kosten einer neuen Elektroanlage von 10 000 Euro hat Helbig vor drei Jahren zur Hälfte selbst übernommen. „Mir geht langsam die Puste aus“, sagt er offen. Der Museumsschiffverein hat zwar nach seinen Angaben 110 Mitglieder, doch die meisten von ihnen sind schon älter, tatkräftig packen nur wenige mit an, und für die hohen anstehenden Aufgaben fehlt das Geld.

Der Vorstand des Museumsschiff-Vereins hat bereits die grundsätzliche Bereitschaft erklärt, das Schiff einer neuen Nutzung als Jugendzentrum zuzuführen und dieses Vorhaben aktiv zu unterstützen – so steht es im Antrag. Vorbehaltlich eines entsprechenden Mitgliederbeschlusses sei auch eine Anpassung der Vereinssatzung an die neue Aufgabe vorstellbar.

„Für mich steht fest, dass es in den nächsten Jahren vorbei ist“, sagt Helbig mit einer Mischung aus Wehmut und Ernüchterung: „Das ist keine langfristige Sache mehr.“ Deshalb sei er froh, wenn es eine andere Zukunft für die “Tutzing“ gebe: „Und eine langfristige Zukunft sehe ich nur an Land.“

Bei der Neugestaltung des Schiffs soll die Tutzinger Jugend aktiv eingebunden werden

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Claus Piesch, der Jugendbeauftragte des Tutzinger Gemeinderats, hat die Idee des Schiffs als Jugendzentrum sofort begeistert aufgegriffen

Über die neue Idee hat Piesch auch schon den Tutzinger Jugendbeirat informiert, der sie nach seinen Angaben ausdrücklich begrüßt. Gerade das besondere Ambiente und die außergewöhnlichen Nutzungsmöglichkeiten eines Schiffes als Jugendzentrum würden als sehr motivierend für junge Menschen eingeschätzt. Bei der Planung zur Gestaltung und der Umsetzung könne die Tutzinger Jugend aktiv eingebunden werden. Auch die Entscheidung über den Namen der Einrichtung soll die Jugend treffen - „ein bewusst partizipativer Akt“, so die Antragsteller, der das Schiff auch symbolisch in die Gemeinschaft übergebe.

„Ein Jugendzentrum müsste in Tutzing sowieso gemacht werden“, sagte Piesch auf Anfrage von vorOrt.news. Das sei beim Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK beschlossen worden. Im Antrag steht, dass im Gemeindegebiet die dauerhafte Einrichtung eines attraktiven offenen Jugendzentrums mit niedrigschwelligem Angebot dringend benötigt werde: „Dies dient als ‚geschützter Raum‘, der von jungen Menschen nach Bedarf, anlasslos und ungezwungen aufgesucht werden kann.“ Eine Betreuung durch sozialpädagogisches Fachpersonal sei dabei erforderlich. Pädagogische Angebote sollten nach Bedarf erfolgen.

Den Bedarf bestätigt auf Anfrage auch Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn. Um die hauptamtliche Jugendarbeit voranzubringen, sei eine Person notwendig, die diese Tätigkeit übernimmt, und auch ein geeigneter Ort sei erforderlich. Horn weist darauf hin, dass in den vergangenen Monaten mit Beschluss des Hauptausschusses ein Konzept für eine hauptamtliche Stelle abgestimmt und ausgearbeitet worden sei. Derzeit befinde man sich in Gesprächen, um die Stelle mit Leben zu füllen. Für die Finanzierung versuche man Fördermittel zu akquirieren.

Bislang wurde dabei nach Angaben des Bürgermeisters daran gedacht, ein Angebot sukzessive in bestehenden Liegenschaften aufzubauen. Die Idee zur vertieften Planung eines Treffpunkts für junge Menschen im Freizeitgelände Süd sei Bestandteil des letztjährigen Gemeinderatsbeschlusses zum ISEK. Diese Überlegung unterstützt Horn nach eigenen Worten: „Einen Treffpunkt mit Charme halte ich für sinnvoll, damit ein Jugendzentrum gut angenommen wird.“ Die konkrete Umsetzbarkeit und Finanzierbarkeit sei Teil der derzeitigen Aufbereitung.

Die "Alte Utting" ist heute in München-Sendling ein vielbesuchter Veranstaltungsort

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Die „Alte Utting“, die früher auf dem Ammersee fuhr, ist heute in München-Sendling ein vielbesuchter Veranstaltungsort © Fabian Christ / Alte Utting GmbH

Mit der Umnutzung des ehemaligen Ausflugsschiffes „Tutzing“ als Jugendzentrum biete sich die besondere Chance, „den Bedarf in außergewöhnlicher, nachhaltiger und für die Gemeinde identitätsstiftender Weise zu decken“, heißt es im Antrag der Freien Wähler, der nach Pieschs Erwartung wohl im März oder im April im Gemeinderat behandelt werden wird.

Dabei sind noch viele Einzelheiten zu klären, die im Antrag konkret benannt werden. Dazu gehören die Genehmigungsfähigkeit des Standorts, die technischen und baulichen Voraussetzungen (Transport, Aufstellung, Einlassen, Erschließung), eine belastbare Kosten- und Finanzierungsübersicht und die Förderfähigkeit mit den jeweiligen Antragsfristen.

Geplant ist nach dem Antrag, das Schiff an den alten Volksfestplatz in etwa 150 Metern Entfernung vom See zu transportieren und dort dauerhaft aufzustellen. Der hierfür geplante Bereich unterliege keinen besonderen Schutzbestimmungen, erklären die Antragsteller, denn alle Auflagen – Naturdenkmal, Landschaftsschutzgebiet, Flora-Fauna-Habitat, Vogelschutz, Biotope - seien nur für die angrenzenden Flächen gültig.

Transportiert werden soll das Schiff eventuell direkt mit zwei Schwerlastkränen über den Nemesweg oder den Verbindungsweg zum Volksfestplatz. Als eine andere Möglichkeit erwähnt wird eine Anlandung zwischen Dampfersteg und Biersteg und weitere Beförderung mit einem Schwerlasttransport. Als Beispiele für derartige Beförderungen von Schiffen führen die Antragsteller die Transporte der „Schondorf“ (2012) aus dem Ammersee, die in Tutzing in den See gebracht wurde, und der „Alten Utting“, ebenfalls aus dem Ammersee, an, die 2017 auf eine Brücke in München-Sendling gehoben wurde und heute ein vielbesuchter Veranstaltungsort ist.

850 000 Euro Kosten werden geschätzt - aber die Antragsteller hoffen auf Förderungen

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Zur barrierefreien Erschließung der Decks soll außen eine Rampe dienen, wie dieses mit KI erstellte, noch etwas fehlerhafte Bild zeigt. Da so eine Rampe steiler als 6 Prozent ansteigt, wäre sie nur mit Unterstützung nutzbar. © KI-Grafik: Claus Piesch

Nach seinem Transport soll das Schiff auf einem Stahlgerüst gelagert und auf einem Betonfundament stehend etwa 1,5 Meter in den Boden eingelassen werden. Ergänzend sind nach dem Antrag die Aufstellung eines Containers für eine barrierefreie WC-Anlage sowie eine Umzäunung des Geländes mit Zugangstor vorgesehen. Der für die Fläche erforderliche Zaun einschließlich Zugangstor könne nach dem Rückbau des Ausweichstandorts der Mittelschule in Feldafing – ohne Stacheldraht – wiederverwendet werden. Der Zaun sei von der Gemeinde Tutzing finanziert worden und ist in seiner Länge ausreichend.

Innen soll es zwei separate Räume für Veranstaltungen geben, Kühlkammern und Lager für Getränke und zum kochen sowie zwei Bord-Toiletten. Sie sind allerdings so klein, dass entweder vor dem Schiff eine barrierefreie Toilette errichtet werden oder die etwa 30 Meter entfernte frühere öffentliche Toilette umgebaut und ertüchtigt werden soll. Vorder-, Zwischen- und Achterdeck sollen für Außenaktionen genutzt werden können. Über eine Rampe außen vorbei am Heck nach Backbord sollen eventuell auch die Decks barrierefrei erschlossen werden. Zur barrierefreien Erschließung der Decks soll außen eine Rampe dienen. Da so eine Rampe steiler als 6 Prozent ansteigt, wäre sie nach Pieschs Angaben nur mit Unterstützung nutzbar.

Die Kosten für Transport, Aufstellung, Sanierung und Umgestaltung könnten nach einer ersten groben Schätzung 850 000 Euro betragen. Finanziert werden sollen sie vorbehaltlich der Förderfähigkeit über Mittel der Städtebauförderung im Rahmen des ISEK, zusätzlich möglichst über eine ISEK-Sonderförderung sowie über Fördermittel des Bayerischen Jugendrings, der Aktion Mensch und aus dem Förderprogramm zum Erhalt als Industriedenkmal.

Die Antragsteller erwähnen noch etliche weitere denkbare Unterstützungsmöglichkeiten. So könne die initiative als Planungsprojekt einer Fachhochschule oder Universität im Zweig Architektur dienen. Lokale Ingenieure, Architekten und Handwerksbetriebe könnten gegen Spenden oder Werbung mitwirken. Das Taucherausbildungszentrum der Bundeswehr in Percha könne sich mit engagieren. Und ehrenamtliche Helfer könnten gewonnen werden. Hingewiesen wird im Antrag zudem darauf, dass die Gemeinde Tutzing für den Fall des Nutzungsendes des Schiffes eine Bürgschaft für die Verschrottung des Schiffes übernommen habe. „Aus dieser bestehenden Verpflichtung heraus", so wird gefolgert, "sollen die Transportkosten an den Standort anteilig als gemeindlicher Beitrag in das Projekt eingebracht werden.“

ID: 8546
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Kommentare

Die Kustermann Villa ist völlig unrealistisch und das Gewächshaus zu klein, falls Sie dieses meinen.
Das Projekt ist aber viel zu wichtig und hat es deshalb verdient, ernsthaft diskutiert zu werden.
(Bearbeitet)
Wo könnte denn ein großzügiges Jugendzentrum wohl stehen? Ein Diskussionsvorschlag jugendlich formuliert könnte lauten:
>>>>> Das mit Abstand wohl "Geilste Jugendzentrum ever" <<<<< befände sich vielleicht bereits seit ganz langer Zeit im Kustermannpark.......
Perfekt für alle Veranstaltungen geeignet; auch veranstaltungsabhängig generationsübergreifend und auch für Integration!
(Bearbeitet)
Ich halte den Vorschlag für hervorragend,
weil er der einzige Weg ist, die Tutzing als Schiff zu erhalten, den gibt es keine Umnutzung , wartet der Schweißbrenner, das Schiff wird verschrottet und verschwindet.
Gleichzeitig erhält die Jugend in der Gemeinde endlich ihr Jugendzentrum!
Der Bedarf für einen Platz, für die jungen Menschen mit einer „offenen Tür“ ohne dass diese Vereinsmitglied oder ähnliches sein müssen, ist seit vielen Jahren da.
Durch die vielen möglichen Zuschüsse und Förderungen, werden die Kosten leicht tragbar.
Dazu kommt, dass die Gemeinde, für die sicher erheblichen Verschrottungskosten aufkommen müsste.
Also doch lieber etwas neues, sehr sinnvolles mit der wunderbaren Tutzing machen und der Jugend einen Platz geben.
Es ist wieder einmal kaum zu glauben. Oder "Was geht ab in Tutzing?" um es jugendlike auszudrücken.

Gleich vorab: Ich bin sehr FÜR ein schönes, attraktives und geräumiges, neues HAUS- Jugendzentrum in der Gemeinde Tutzing.
Danke Herrn Helbig und den vielen großartigen Helfern für Ihr Engagement in den letzten 30 Jahren. Der Staffelstab sollte nun an die Gemeinde weitergereicht werden, mit dem Erhaltungsziel des historischen Schiffes. Zuletzt wurde berichtet, dass die allgemeine Finanzlage Tutzings nicht schlecht sei.

Nun soll also eine der wenigen verbliebenen Attraktionen Tutzings für alle Bürger und Touristen plötzlich stillgelegt, abtransportiert und einer wasserfremden Nutzung zugeführt werden.
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Wo ist bitte die Bürgerbeteiligung ?
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Soll es wieder einmal an einem Dienstag schnell beschlossen werden?
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Wir haben sehr gern -wie sehr viele Bürger und für Tutzing übrigens wichtige Besucher und Touristen- im Sommer das Museumsschiff besucht, gemütlich gegessen und Kaffee getrunken und uns den erfrischenden Wind um die Nase wehen lassen und hierbei auch das schöne Alpenpanorama genossen.
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Das gehört zum Erlebnis "Starnberger See" absolut und essenziell dazu.
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Bekannte Restaurantnutzungen direkt am See, so in Seeseiten, Seeshaupt und St. Heinrich sind in den letzten Jahren bedauerlicherweise doch auch schon weggefallen oder wurden leider eingeschränkt.
Die negative Grundstimmung sehr vieler Menschen, es werde allgemein "immer schlechter" erhielte möglicherweise auch durch diese Maßnahme weitere Nahrung.
Prognostizierte Erneuerungskosten in den nächsten Jahren für den Holzsteg werden mit 60.000 - 100.000 Euro angesetzt um neue Kosten von geschätzten 850.000 Euro zu rechtfertigen?
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Hat unsere Jugend nicht ein geeigneteres und besseres Jugendzentrum als ein enges altes Schiff verdient? Im obigen Artikel heißt es auch, dass es ähnliche Schiffsprojekte bereits im Umkreis gäbe; nun, unsere Jugend ist durchaus motorisiert!
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Meiner Meinung nach wäre ein echtes Jugendzentrum (ein auch für die Winternutzung natürlich geeignetes Haus) in Tutzing selbst erstrebenswerter und für unsere Jugend selbstverständlich auch angemessener.

BEIDES IST ERFORDERLICH UND WICHTIG: EIN TOLLES JUGENDZENTRUM in Tutzing.... und, ja und .... EIN HISTORISCHES MUSEUMSSCHIFF auf dem Starnberger See.
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Nun, liebe Tutzinger und Freunde des Starnberger Sees, wie ist Ihre geschätzte Meinung? Soll das historische Museumsschiff aus dem Starnberger See entfernt, und die bisherige Nutzung aufgegeben werden? Oder sollte vielleicht die Gemeinde um die Erhaltung am Standort; parallel um Schaffung eines separaten, geräumigen Jugendzentrums in Tutzing ersucht werden?
(Bearbeitet)