„Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“. Unter dieses Motto stellte Armn Heil, der Geschäftsführer der Ambulanten Krankenpflege Tutzing, am Montag die Einweihung des neuen Begegnungszentrums an der Traubinger Straße. Fast alle etwa 80 Besucher begrüßte er namentlich. Sie alle, sagte er, sind mit der Ambulanten Krankenpflege verbunden, sie alle haben wichtige Beiträge geleistet, dass der Verein zu seinem 105. Geburtstag in diesem Jahr eine neue Heimat - das Von-Ehrlich-Haus - bekommen hat.
Das neue Begegnungszentrum hat die etwa 80 Gäste sichtlich beeindruckt. Schon am Sonntag bei einem Tag der offenen Tür hatten sich etwa 300 Besucher angetan von dem neuen Domizil des weithin angesehenen Tutzinger Vereins gezeigt. Das Haus war nicht nur bis Mitte der 1960er-Jahre Wohnsitz der Familie von Ehrlich-Treuenstätt – dort war auch der erste Tutzinger Sitz des von ihr gegründeten und in Tutzing ansässigen Unternehmens Verla-Pharm, das heute eines der führenden mittelständischen Unternehmen im deutschen Pharmamarkt ist.
Etwa 70 Mitarbeiter von Verla haben das Gebäude schon am Samstag besichtigt. Der ausdrückliche Wunsch der 2024 verstorbenen Firmenchefin Gabriele von Ehrlich-Treuenstätt war es, Haus und Garten zu erhalten und im Sinne der Familie einem sozialen Zweck zuzuführen. Die von ihr 2022 gegründete Verla Stiftung hat das Haus grundsanieren lassen, das die evangelische Pfarrerin Beate Frankenberger und der katholische Pfarrer Peter Seidel am Montag im Rahmen der Einweihungsfeier segneten.
Hoffnung und Perspektiven in einladender Umgebung
Im Fokus des neuen Begegnungszentrums stehen Menschen mit leichten psychischen Störungen, etwa Depressionen, sowie Personen im frühen Stadium einer demenziellen Erkrankung. Mit strukturierten Tagesangeboten will die Einrichtung Stabilität geben und Selbstständigkeit fördern – auch für Menschen, die zwar Unterstützung benötigen, aber noch keinen Pflegegrad haben. Auch Angehörige sollen von Entlastungsangeboten wie der Verhinderungspflege profitieren. Als besonderer Baustein gilt das Projekt „Hope“ - Hoffnung und Perspektiven für Menschen mit Krebserkrankung. Jeden Montag soll Hope einen geschützten Begegnungsraum bieten - mit Gesprächsrunden, Workshops zu Ernährung, Bewegung und Entspannung sowie Fachvorträgen zu psychoonkologischen Themen.
Mit großer Freude hieß Heil Dorothea von Ehrlich willkommen, die Schwester von Gabriele von Ehrlich, an die im neuen Haus vieles erinnert, von den Gardinen über die Lampen bis zu einer Tonbüste, die die Würzburger Künstlerin Hilde Würtheim eigens gestaltet hat. Dorothea von Ehrlich hatte bereits zwei Tage mitgefeiert und das Fest mit Blumen und Obst unterstützt – und alle Gäste erhielten von ihr je eine Rose.
Die hellen Räume des Von-Ehrlich-Hauses sind unterschiedlich und ideenreich gestaltet, alles wirkt großzügig und einladend. „In der heutigen Zeit wird viel gejammert, weil Vieles nicht klappt – aber Ihr seid Menschen, die zeigen: Es geht auch anders“, sagte Heil zu Unternehmern, die maßgeblich mitgewirkt haben und die er ausdrücklich für ihre Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit lobte: dem Bauunternehmer Toni Leitner und dem Schreiner und Designer Willi Renner.
Bürgermeister Horn: "Was für ein Glück wir haben!"
„Der Erfolg der Verla ist in diesem Haus verankert“, sagte der stellvertretende Landrat und Andechser Bürgermeister Georg Scheitz. Über die Ambulante Krankenpflege fügte er hinzu: „Es ist so wichtig, dass wir so eine Institution haben, dass unser soziales Miteinander gelingt.“ Und es gelinge, weil es Menschen mit Herz im Ort gebe. Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn freute sich sehr über die Möglichkeiten, eine Zukunft für Menschen zu gestalten, denen es nicht so gut geht, mitten in der Gemeinschaft, ermöglicht von der Stiftung, der Stifterin, den Verantwortlichen und den vielen anderen Mitwirkenden: „Was für ein Glück wir haben!“
Karl-Georg- Bätz, der Vorsitzende im Kuratorium der Verla-Stiftung, erinnerte an intensive Vorbereitungen über Jahre für die Stiftung, die Gabriele von Ehrlich maßgeblich initiiert und geprägt hat. Zwei wesentliche Ziele hat sie nach seinen Worten vorgegeben und sowohl in der Satzung als auch testamentarisch festgehalten: Die Stiftung muss ausschließlich für gemeinnützige und karitative Zwecke zur Verfügung stehen, und es muss eine Lösung gefunden werden, die es dem Unternehmen Verla-Pharm ermöglicht, als selbstständiges Unternehmen weiter zu existieren und nicht, so formulierte es Bätz, „in irgendwelchen Pharma- oder Chemie-Riesen unterzugehen“. Es sei wichtig, dass beide Ziele gleichberechtigt seien. „Wir haben eine Zwitterstellung“, sagte der Kuratoriumsvorsitzende: „Das ist ein Spagat, der nicht so einfach zu bewältigen ist.“
Zustiftung soll Erweiterung des Stiftungszwecks ermöglichen
Eingeengt fühlt man sich in der Stiftung nach den Worten von Bätz durch eine klare Begrenzung des Stiftungszwecks auf psychische Krankheiten und Probleme. Nach dem Wunsch der Stifterin müsse die psychische Seite der Aktivitäten immer überwiegen: „Das ist immer Voraussetzung“, sagte Bätz. Aus diesem Grund könne man zum Beispiel Alzheimer nicht einbeziehen, weil es sich dabei nach Angaben von Experten nicht um eine psychische Erkrankung handele. Auch Inklusionsprojekte sind nach seinen Angaben bisher ausgeschlossen. Man habe bereits mit der Regierung von Oberbayern Kontakt aufgenommen, um eine Erweiterung des Stiftungszwecks zu ermöglichen. Er sei aber nicht sehr optimistisch, sagte Bätz, dass dies gelingen werde. Denn eine Erweiterung setze zwingende Gründe voraus. Wenn eine Stifterin den Stiftungszweck aber klar festgelegt habe, „dann hatte sie dafür ihre Gründe.“
Eine Lösung gilt dennoch als möglich: Dorothea von Ehrlich, die Schwester von Gabriele von Ehrlich, hat laut Bätz inzwischen eine so genannte Zustiftung angeboten - eine dauerhafte Zuwendung ins Grundstockvermögen der bestehenden Stiftung. Damit könnte vielleicht eine Berechtigung zur Erweiterung des Stiftungszwecks verbunden werden.
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