Gemeindeleben
12.11.2025
Von Ferdinand Goslich

Die meisten sind aus der Ukraine

Claudia Steinke berichtet dem Gemeinderat über Aktuelles im Benedictus-Hof

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112 Menschen sind zurzeit im Benedictus-Hof untergebracht: Blick in eines der Zimmer

Der Benedictus-Hof wird nicht mehr, wie ursprünglich geplant, vor allem von Flüchtlingen aus vielen Ländern bewohnt. Bei der Gemeinderatssitzung gab die Koordinatorin des Ökumenischen Unterstützerkreises, Claudia Steinke, einen Überblick darüber, wie die Einrichtung an der Ecke Gröberweg/Hauptstraße derzeitig belegt ist.

Die beiden Trakte sind für 144 Personen ausgelegt. Momentan sind dort 112 Personen untergebracht. Jetzt seien es allein 76 Flüchtlinge, die aus der Ukraine gekommen sind, sagte Claudia Steinke. Damit habe man wohl nicht gerechnet. Aber das liege daran, dass die ukrainische Regierung seit dem Sommer auch junge Männer zwischen 18 und 22 Jahren aus- und wieder einreisen lasse.

Türkei, Afghanistan, Jemen, Jordanien, Kongo, Sierra Leone und Uganda

Die meisten der übrigen Benedictus-Hof-Bewohner stammen aus der Türkei. Es handelt sich um drei Familien mit 17 Personen. Dazu kommen eine Familie aus Afghanistan (5 Personen) sowie Flüchtlinge aus dem Jemen (1 Person), Jordanien (4), Kongo (3), Sierra Leone (4) und Uganda (2). Frau Steinke erwähnte auch die Altersstruktur der Benedictus-Hof-Bewohner. Es gebe dort 16 Kinder im Alter von 0 bis zu 10 Jahren. Die weiteren Personen gliedern sich folgendermaßen auf: 11 bis 20 Jahre (23), 21 bis 30 Jahre (24), 31 bis 40 Jahre (22), 41 bis 50 Jahre (8), 51 bis 60 Jahre (5), 61 bis 70 Jahre (8), 71 bis 80 Jahre (4) und 81 bis 90 Jahre (2).

Im Gegensatz zu den anderen Flüchtlingsunterkünften im Landkreis, die meist schon voll belegt waren, waren im neuen Tutzinger Benedictus-Hof noch Kapazitäten frei, die dann vor allem Ukrainerinnen und Ukainern zugutekamen, die zuletzt in verstärktem Maß ausgereist waren. Im Gegensatz zu den anderen Flüchtlingen bekommen die Ukrainer sofort bei der Einreise Bürgergeld.

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Die beiden Trakte des Benedictus-Hofs sind für 144 Personen ausgelegt

„Es sind sensationell tolle Menschen, die sich im Unterstützerkreis engagieren“

„Es sind sensationell tolle Menschen, die sich im Unterstützerkreis engagieren“, erklärte Frau Steinke und dankte denjenigen, die ehrenamtlich die Bewohner des Benedictus-Hofs auf vielerlei Arten betreuen. Zuletzt seien weitere 60 Personen dazugekommen, die mitwirken wollen. So halten sie Sprachkurse ab. Bei den Ukrainern gehe es besonders um eine „Alphabetisierung“, wie sie es nannte. Denn diese Bewohnergruppe müsse zunächst von ihrer kyrillischen auf unsere Schrift umlernen.

Die Unterstützer kümmern sich in verschiedenen Bereichen, um den Flüchtlingen das Eingewöhnen in die hiesigen Lebensumstände zu erleichtern. Außerdem gibt es fest aufgestellte Teams, die sich verschiedene Tätigkeitsbereiche aufteilen. So sind es etwa allein acht Personen, die die deutsche Sprache vermitteln und ebenfalls acht Personen, die sich im Sprach-Café um Beistand bemühen. Auch dem Office-Team gehören acht Personen an, die sich im Büro um Formulare, Hilfe bei Bewerbungen und Ähnliches kümmern. Weitere Aufgaben sind die Themen Arbeit (1 Unterstützer), Kindergarten und Schule (1), Veranstaltungen (2) sowie Technik (2). Bis vor einiger Zeit haben auch Ärzte freiwilligen Dienst in der Gesundheitsversorgung geleistet.

Kein Visum für Sport in England

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Blick in den Gemeinschafts-Waschraum der Anlage

Ein sportlich besonders begabter afghanischer Junge aus dem Kreis der Flüchtlinge habe bei einem Wettkampf in England teilnehmen wollen, sagte Frau Steinke. Er wohnt nicht im Benedictus-Hof, aber in Tutzing. Man habe alle Kräfte mobilisiert, um für ihn ein Visum zu bekommen. Aber es sei nicht möglich gewesen, bedauerte sie. Gesundheitlich seien die ukrainischen Flüchtlinge stark belastet: Es seien schon zwei Personen von ihnen an Krebs gestorben.

Claudia Steinke berichtete auch, dass sich der Ökumenische Unterstützerkreis weiterhin für die Aktion „Tutzing hilft im Mittelmeer“ einsetzen wird. Der Kreis unterhalte eine Partnerschaft mit der Aktion. Bisher habe man 200 000 Euro gesammelt. Die Akteure haben sich nun das stolze Ziel gesetzt, auf die Summe von 250 000 Euro hinzuarbeiten. Mit den Geldern werden zivile Hilfsorganisationen (NGOs), Seenotrettungsschiffe, Zeltcamps für Flüchtlinge, medizinische Hilfe und anderes gefördert. Auf Nachfrage erfuhr Vorort.news, dass der Unterstützerkreis als nächstes dazu am 3. Dezember in der Evangelischen Akademie Tutzing eine Veranstaltung plant. Am 12. Dezember ist eine weitere Veranstaltung im Kulturtheater angesetzt, mit dem der Unterstützerkreis jetzt eine Kooperation eingegangen ist. Bei dieser Gelegenheit wird der Film "Kein Land für Niemand" gezeigt, der sich mit Flucht, Außengrenzen und rechtslastigem Gedankengut beschäftigt. Für weitere kulturelle Abende im nächsten Jahr würde sich der Unterstützerkreis interessierte Helfer und Sympathisanten wünschen. "Wer kennt Künstler?", fragt Claudia Steinke, und zwar Künstler, die Lust hätten mitzumachen.

Bürgermeister Ludwig Horn dankte Claudia Steinke, dass sie den Gemeinderat in Kenntnis gesetzt habe, und den ehrenamtlichen Mitarbeitern für ihr großes Engagement.

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Ferdinand Goslich

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