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Bahnstreik: Tutzinger Tagung verschoben

Quartierstagung der Evangelischen Akademie soll im April statt in dieser Woche stattfinden

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Diesmal ist nicht der Schnee schuld, wenn die Bahn nicht fährt: Auch am Tutzinger Bahnhof wird von Mittwoch bis Freitag dieser Woche wohl manche Fahrgelegenheit entfallen © L.G.

Der von der Lokführergewerkschaft GDL angekündigte Streik hat Folgen in Tutzing. Die Evangelische Akademie hat heute beschlossen, eine für Mitte dieser Woche geplante "Quartierstagung" auf April dieses Jahres zu verschieben.

Die Gewerkschaft GDL will von Mittwoch bis Freitag dieser Woche streiken. Die Deutsche Bahn versucht zwar, dies noch mit einem Eilantrag zu verhindern, sie hat die Fahrgäste jedoch bereits dazu aufgerufen, Reisen möglichst zu verschieben. Außerdem hat die Bahn einen Notfahrplan mit eingeschränkten Angeboten angekündigt. Dabei will sie längere Züge einsetzen. Die Bahn garantiert aber nicht, dass alle Fahrgäste mitfahren können. Wie viele Züge im Regionalverkehr fahren werden, soll sehr unterschiedlich sein.

Aufgrund der Streikpläne ist in der Evangelischen Akademie Tutzing über die Vorgehensweise beraten worden. Wie der für die Quartierstagung zuständige Studienleiter Dr. Hendrik Meyer-Magister berichtet, waren die Verantwortlichen im Team der Akademie besorgt, dass einem großen Teil der Beteiligten und angemeldeten Teilnehmenden die Anreise am Mittwoch und auch die Abreise am Donnerstag nicht möglich sein werde. "Wir würden aber gerne den Präsenzcharakter der Veranstaltung erhalten und so die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung und zum intensiven Austausch bieten", so Meyer-Magister. Deshalb sei die Entscheidung gefallen, die Tagung auf den 24. und 25. April 2024 zu verschieben.

Wie wird aus einer Schlafstadt ein aufgeweckter Lebensort?

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Schnee auf dem Schlossbalkon - Evangelische Akademie Tutzing

Es handelt sich bereits um die vierte Tutzinger Quartierstagung. Unter dem Titel "Hey Alter! Generationen vernetzt im Quartier" will die Akademie ausloten, wie insbesondere auch unterschiedliche Generationen gut miteinander leben können. "Mehr denn je wird es zukünftig darauf ankommen, dass Menschen ihr Miteinander im Sozialraum gestalten, füreinander Verantwortung übernehmen und Engagement zeigen", so die Akademie in der Einladung.

Dabei gehe es um alle: Ältere benötigten Hilfe, wenn sie gesundheitlich nicht mehr in der Lage seien, den Alltag zu bewältigen oder sich demenziell veränderten. Andere vereinsamten, weil die Kinder weggezögen, Freunde gestorben oder schlecht zu erreichen seien. Auch Jüngere, zum Beispiel Familien mit Kindern, seien nicht so stark und autark, wie es scheine: Werde ein Kind krank, breche das Konstrukt aus doppelter Berufstätigkeit und Kinderbetreuung schnell zusammen. Wenn keine Verwandtschaft in der Nähe sei, dann sei guter Rat teuer. "Wie einfach erscheint der Gedanke, dass ältere, einsame Menschen auf Kinder in der Nachbarschaft aufpassen", so die Akademie: "Doch wie schwer ist das im Einzelnen umzusetzen!" Alles beginne mit einem "voneinander zu wissen". Die 4. Tutzinger Quartierstagung frage nach dem Miteinander der Generationen im Quartier:"Wie können sich Menschen wirklich begegnen, anstatt nur nebeneinander auf den Bus zu warten? Wie wird aus einer Schlafstadt ein aufgeweckter Lebensort?"

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Wie wird aus einer Schlafstadt ein aufgeweckter Lebensort? Diese Frage stellt die Evangelische Akademie in ihrer "Quartierstagung". An Anschauungsbeispielen mangelt es in Tutzing nicht. Links drei Leerstände: (von oben) Andechser Hof, Seehof, Hallenbad. Rechts pulsierendes, Generationen-übergreifendes Leben: (von oben) der neu belebte Minigolfplatz, das Weinfest und das Seefest. © L.G.

Podiumsgespräch "Zusammen fürs Klima?"

Auch lokale Aspekte sollen bei der Tagung beleuchtet werden. "Tutzing ist ein lebenswerter Ort", betonen die Verantwortlichen der Akademie - nicht zuletzt wegen der Initiativen, Kirchengemeinden und Vereine, die sich um ein gutes Zusammenleben bemühten. An vielen Orten entdeckten Menschen derzeit ganz neu den Wert einer funktionierenden Nachbarschaft und eines lebendigen Quartiers. An einem Podiumsgespräch mit dem Titel "Zusammen fürs Klima?" wird Sonja Bonneß von der Inititative "Tutzing Klimaneutral 2035" teilnehmen. Studienleiter Meyer-Magister und seine Mitarbeiter zeigen sich überzeugt: "Zukünftig wird es umso mehr darauf ankommen, dass Menschen im Miteinander vor Ort Herausforderungen angehen und Probleme lösen."

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"Zusammen für’s Klima?" Diese Frage wird bei einem Podiumsgespräch in der Quartierstagung gestellt, an dem Sonja Bonneß von der Initiative "Tutzing klimaneutral 2035" teilnimmt. Die Grafik zeigt die Handlungsfelder der Initiative. © Tutzing klimaneutral 2035

Eingeladen sind alle, die an einem guten Miteinander interessiert sind

Eingeladen zur 4. Tutzinger Quartierstagung im Schloss Tutzing sind alle, die selbst in der Quartiersarbeit tätig sind, in einem Verein, einer Kirchengemeinde oder Initiative am Gemeinwohl arbeiten oder als Bürgerin und Bürger an einem guten Miteinander interessiert sind.

Alle Informationen zum Programm und den Anmeldemodalitäten zur Tagung HEY ALTER! GENERATIONEN VERNETZT IM QUARTIER finden Sie auf der Homepage der Evangelischen Akademie Tutzing: https://www.ev-akademie-tutzing.de/veranstaltung/hey-alter-generatinen-vernetzt-im-quartier/

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Das ist bezeichnend für Tutzing. Der Artikel will über "alle" Tutzinger sprechen und listet so auf: "Ältere benötigen Hilfe", "Familien mit Kindern", dann nochmal "ältere, einsame Menschen" und "Kinder in der Nachbarschaft", auf die aufgepasst werden muss. Und das war es dann auch schon.

Merken Sie, was da fehlt?

Jugendliche werden nicht erwähnt, denn das sind Kinder, auf die man nicht aufpassen muss. Sie brauchen aber auch das eine oder andere, und auch sie kosten Geld, das budgetiert werden muss: altersangemessene Angebote, Räume, Sozialpädagogen, Möglichkeiten zur anlasslosen Begegnung mit Gleichaltrigen und sie müssen im öffentlichen Raum, zum Beispiel im Straßenverkehr, mitgedacht werden.

Wieder einmal fällt diese Altersgruppe unter den Tisch, ohne dass sich in Tutzing jemand daran stören würde. Denn der Ort scheint die abwegige Position zu vertreten, dass alle Bedarfe durch ein paar Vereine abgedeckt seien. Was nun definitiv falsch gedacht ist.

Hoffentlich gelingt es dieser Veranstaltung, diese Fehlstelle herauszuarbeiten. Wobei ich die Befürchtung habe, dass die Evangelische Akademie diesen Punkt ebenfalls nicht auf dem Schirm hat. Gerade mal 10 % der bundesdeutschen Bevölkerung befinden sich in der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren. Und unter die Teilnehmer der 4. Quartierstagung wird sich wohl kaum ein einzelnes Prozent von ihnen verirren. Wozu sich also beim Rotwein in den Salons die gute Laune mit Problemen verderben, an denen sich weder im noch außerhalb des Schlosses jemand stört. Wer in dem Alter nicht bei der Feuerwehr untergebracht ist, fällt in diesem Quartier durchs Raster.
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