Gemeindeleben
30.1.2024
Von Evangelische Akademie Tutzing

Frieden! Frieden! Frieden! Ohne Demokratie kein Frieden!

Rede von Pfarrer Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, bei der "Tutzinger Lichterkette"2024

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Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing © Evangelische Akademie

Frieden! Das ist der Sehnsuchtsruf der Menschen in der Ukraine. Seit zwei Jahren führt Russland einen Angriffskrieg gegen dieses Land. Frieden! Das ist der Sehnsuchtsruf all jener, die weltweit um die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt trauern. Frieden! Das ist auch unser Sehnsuchtsruf in einem Land, in dem rechtsextreme Kräfte Hass säen und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zerstören wollen.

Deshalb stehen wir heute hier zusammen, um ein Zeichen zu setzen: für Frieden, Freiheit und Demokratie – und gegen jede Form von Gewalt und Extremismus! Wir sagen: Nie wieder Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit! Wir lassen uns den Frieden, den Zusammenhalt, die Demokratie nicht von denen zerstören, die Pläne zur Vertreibung von Millionen von Menschen in unserem Land schmieden. Und die Menschen aufgrund ihres Geschlechts, Alters oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder aufgrund von Behinderungen ausschließen wollen.

Wir treten ein für eine offene Gesellschaft der Vielfalt. Es gelten die Werte des Grundgesetzes – allen voran Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das bedeutet: Jedes Leben ist unantastbar. Niemand darf sich herausnehmen, über den Wert des Lebens eines Menschen zu entscheiden. Der rechtsextreme Geist ist ein inhumaner Geist. Er ist mit den Werten des christlichen Glaubens unvereinbar.

Zeiten dramatischer Veränderungen und der Verunsicherung sind Zeiten für Populisten, große und kleine Vereinfacher, Schuldzuweiser, Antidemokraten. Zeiten, in denen die Problemlösungsfähigkeit unserer Demokratie auf allen Ebenen besonders gefordert ist. Zeiten, in denen wir gerade das Vertrauen in bewährte Strukturen und Institutionen brauchen und vstärken müssen. Rechtsradikale Kräfte attackieren seit langem systematisch, was in unserer Gesellschaft für Stabilität und Vertrauen steht: Verwaltung, Wissenschaft, Presse, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Justiz und parlamentarische Demokratie.

Das zersetzende Wirken demokratiefeindlicher Kräfte hat es mittlerweile bis in die bürgerliche Mitte geschafft. Antidemokratisches, rassistisches, antisemitisches Gedankengut ist mitten unter uns, auf Wahlkampfveranstaltungen, in sogenannten sozialen Netzwerken, auf der Straße, sogar beim Nachmittagskaffee.

Wir müssen aufpassen! Wir dürfen nicht wegsehen! Es gilt, für Menschlichkeit einzustehen. Was wir jetzt brauchen ist Zusammenhalt, Achtung voreinander!

Auch die 9. Tutzinger Lichterkette versammelt Menschen, denen diese Botschaft am Herzen liegt, die das zivilgesellschaftliche Netz an diesem Ort bilden, die das Miteinander tragen. Dazu gehören die Schulen, Vereine, Initiativen, die Kirchengemeinden, die Akademien und viele mehr. Allen, die heute Abend zusammengekommen sind, ist nicht egal, was an diesem Ort und in unserem Land geschieht. Hier dabei zu sein, ist ein Zeichen von Zivilcourage. Was ist mit Zivilcourage gemeint? Der englische Begriff – moral courage – bringt es auf den Punkt: Es geht darum, die Werte zu leben, die den Zusammenhalt stärken, zu diesen Werten offen zu stehen und sie zu verteidigen.

Werte etwa wie Fairness. Fairness macht Kompromisse möglich. Wer sie sucht, ist überzeugt, dass ein Konflikt gemeinschaftlich gelöst werden kann – trotz unterschiedlicher Interessen. Es macht mir Sorgen, dass das Verbindende zu kurz kommt. Wir brauchen Brücken, ein Aufeinanderzugehen, Kompromisse. Nicht ohne Grund warnt der Politikwissenschaftler Kurt Sontheimer: „Es sind die Kompromisslosen, die unsere Freiheit bedrohen, nicht die Kompromissbereiten.“ Als Christ füge ich hinzu: Es ist die Bereitschaft zur Versöhnung, die wir brauchen, damit Frieden wachsen kann.

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