Die Interessen sind unterschiedlich. Das konnte man am Samstag beim Tutzinger Weinfest gut beobachten. Während die einen von Trubel und Feierlaune schier nicht genug bekommen konnten, liefen die anderen durch die Reihen und zogen anschließend doch lieber ein ruhiges Essen anderswo vor. „Das kann ich verstehen“, sagte Organisator Ludwig Horn: „Deshalb haben wir ja auch Angebote zu verschiedenen Uhrzeiten gemacht.“
Die gemütliche, traditionelle bayerische Musik der „Würmsee Böhmischen“ war am Nachmittag für viele der pure Genuss. Draußen war eine am Rand aufgebaute Hüpfburg der Kreissparkasse für eine Menge Kinder der Anziehungspunkt schlechthin, und drum herum bis zum Spielplatz entwickelte sich ein Familienparadies. Später wechselte die Musik: Die Band „Deschawü“ drehte mehr und mehr auf - und da hielt es viele nicht mehr auf ihren Plätzen. Auf der Tanzfläche herrschte eine ausgelassene Stimmung, die alle, die dabei waren, regelrecht mitriss.
Der Andrang war gewaltig. Tausende Menschen dürften es gewesen sein. Viele aus der Region München waren dabei. Am weitesten angereist sein dürfte ein Besucher aus Flensburg. Er wollte eigentlich erst in ein paar Tagen nach Tutzing kommen, plante aber um, als er von dem Fest erfuhr. Auch für sehr viele Einheimische erwies sich die Veranstaltung als Magnet.
Über die Organisation waren überall anerkennende Äußerungen zu hören. Etliche Firmen und Spezialisten aus Tutzing und dem regionalen Umfeld wirken inzwischen sichtlich begeistert mit. So sorgt Clarissa Hiddemann, die frühere Wirtin des Forsthauses Ilkahöhe, in ihrer heutigen Funktion beim Münchner Unternehmen Saffer für eine ansprechende Weinauswahl. Peter Michler, der Chef von „Getränke City“ in Tutzing, half engagiert bis hin zu den Biertischen. Von der Seeshaupter Metzgerei Frey haben die jungen Veranstalter „Preise wie 2019“ bekommen, wie Horn berichtete. Voraussetzung: Sie mussten sie auch an die Besucher weitergeben und nichts draufschlagen. Der Fischer Rolf Bäck aus Unterzeismering hat teils erst kurz vor dem Fest für frischen Fang gesorgt. Das Bier holten die Veranstalter von der erst sechs Jahre alten Brauerei „Dorfbräu“ in Seeshaupt, nachdem die frühere Zusammenarbeit mit dem Starnberger Brauhaus laut Horn nicht mehr so recht geklappt hatte.
Eine starke Musikanlage hatten die Veranstalter in Pöcking ausgeliehen. Eine Unterhaltung war am Abend im Zelt bei voller Lautstärke kaum noch möglich, ausgelassenes Tanzen war auch den meisten viel wichtiger. Aber im Außenbereich hatten die Organisatoren bewusst nicht so viele Lautsprecherboxen aufgestellt. So konnten alle machen, was sie wollten, und abseits des Zelts, draußen an den Biertischen und rundherum, waren viele in Gespräche vertieft.
75 Helfer waren dabei, verteilt auf jeweils zweistündige Schichten. 35 Personen waren es am Sonntag beim Aufräumen. Viele Helfer – das ist die Idee für den neuen „Veranstaltungsverein Tutzing“, der diesmal schon die Organisation übernommen hat. Da gibt es viele personelle Überschneidungen mit dem Jugend- und Freizeitclub JM, für den Horn das Weinfest seit dessen Gründung im Jahr 2017 organisiert hat. Aber mehr und mehr klinken sich weitere Einheimische ein, so auch von anderen Vereinen. Gemeinsam mit anderen, so der Grundgedanke, können auch größere atttraktive Veranstaltungen organisiert werden - vielleicht auf Dauer nur noch so.





Kommentar hinzufügen
Kommentare
Schade war es zu sehen, wie viele Personen nachmittags an den Nachbartischen ihren eigenen Wein, Gläser, Brotzeit aus riesigen Kühlboxen auspackten und verzehrten.