Gemeindeleben
19.12.2023
Von vorOrt.news

Kreative Tutzinger Vorweihnachtszeit

Unterschiedliche Darstellungen der Herbergssuche in den Kirchen - Kamel Ali wieder der Star

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"Die Heilige Nacht" in der katholischen Kirche St. Joseph von Tutzing © L.G.

Besinnliche Vorweihnachtsstimmung breitet sich mehr und mehr in und um Tutzing aus. Leuchtende Beschmückung an vielen Geschäften und Häusern begleitet die Menschen in diesen Tagen, auch kleinere und größere festliche Veranstaltungen finden immer wieder statt.

Am Sonntag gab es gleich mehrere Aufführungen zur selben Zeit in der katholischen Kirche St. Joseph „Die Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma und in der evangelischen Christuskirche ein ganz besonderes Weihnachtsspiel - mit sehr unterschiedlichen Darstellungen der Herbergssuche. In der Pa-Kua Schule an der Hauptstraße war der „Lebendige Adventskalender“ von Tutzing zu Gast, und in Garatshausen, das ja für viele Einheimische eigentlich auch zu Tutzing gehört, war der beliebte kleine, aber in seiner Art besonders anheimelnde Christkindlmarkt wieder eine Attraktion. Die einen konzentrierten sich auf dieses, die anderen auf jenes Angebot, manche versuchten auch von allem etwa zu erhaschen, was zu einem gewissen Kommen und Gehen führte.

In der katholischen Kirche hat Peter Weiß Ludwig Thomas ins Bayerische übertragene Geschichte um die Herbergssuche gefühlvoll erzählt. Der von zahlreichen Filmen und Fernsehproduktionen bekannte Schauspieler, der auch regelmäßig als Sprecher der Sendung „quer“ im Bayerischen Fernsehen fungiert, wurde musikalisch von der Schwangauer Geigenmusik und Werner Zuber an der Truhenorgel begleitet.

Innovative Ausdrucksform: Das Weihnachtsspiel in der Christuskirche

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Das Weihnachtsspiel in der evangelischen Christuskirche von Tutzing © L.G.

Auf sehr ideenreiche Weise haben die Mitwirkenden des Weihnachtsspiels in der evangelischen Christuskirche die Herbergssuche als Projekt der himmlischen Heerscharen dargestellt, die chaotischen Menschen zur Ordnung zu rufen. Zum dritten Mal nach 2019 und 2021 hat ein Weihnachtsspiel dieser ungewöhnlichen Art in Tutzings evangelischer Kirche stattgefunden. „Viele kreative Köpfe“ haben dabei mitgewirkt, wie Pfarererin Beate Frankenberger sagte: Michaela Nina Bäuerlein, Rolf Gottstein, Maya und Henrik Hingst, Daniela und Luis Jilg, Christina Kumpf, Erika Schalper und Sandra Schmolz, Verena Rendttorff alas Choreographin, Katrin Hering beim Bühnenbild und den Kostümen, Aylin Aykan am Klavier und als musikalische Leiterin, Antonia Gerdes mit der Bratsche, Claudio Wörner mit dem Kinderchor und nicht zuletzt als Star, wie schon bei den beiden vorangegangenen Aufführungen, das Kamel Ali.

Zweimal nacheinander wurde das Weihnachtsspiel am Sonntag aufgeführt. Pfarrerin Beate Frankenberger konnte dabei Christian Kopp, den neuen Landesbischof der evangelischen Kirche, mit seiner Frau und den Weilheimer Dekan Jörg Hammerbacher begrüßen. Das Weihnachtsspiel sei in Kooperation mit der Gemeinde Tutzing durch das „MUT"-Projekt der bayerischen evangelischen Landeskirche vermittelt worden, sagte sie. Im Rahmen dieses Projekts werden Initiativen gefördert, in denen sich innovative Ausdrucksformen von Kirche und ergänzende Formen des Kircheseins neu bilden und entwickeln sollen. Dabei habe sich auch Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald engagiert, sagte die Pfarrerin. Sie fragte: „Welche Bürgermeisterin geht schon mit in ein Bewerbungsgespräch, um Gelder für ein Theaterprojekt zu generieren?“

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Alis Besitzer ernüchtert: Strafbefehl nach Einstellung eines Migranten aus Afghanistan

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Kamel Ali war der Star © L.G.

Mit Kamel Ali kam dessen Besitzer Konstantin Klages gern wieder mit ihm nach Tutzing – und nicht mit einem anderen Kamel: Der zwölfjährige Wallach ist relativ klein und passt dehalb durch die Kirchentür. Zudem ist Ali besonders gelassen, erzählte Klages. Das sei keineswegs bei allen seiner Artgenossen so. Tatsächlich blieb Ali komplett ruhig, als nach den Aufführungen vor allem viele Kinder um das Tier herum wuselten und sich intensiv mit ihm beschäftigten. Früher hatte Klages 50 und mehr Kamele auf seinem Hof "Bayern-Kamele" in Grub (Gemeinde Valley). Inzwischen sind es nur noch 15 Kamele. „Wir finden kein Personal mehr“, sagte er.

Viele Hoffnungen hatte Klages auf Menschen aus anderen Ländern gesetzt, die im Zuge der Migrationswelle nach Deutschland gekommen sind, doch in dieser Hinsicht wirkte er sehr ernüchtert: Es habe in keinem einzigen Fall geklappt. Warum? „Überwiegend, weil sie nicht wollten“, erzählte er - viele hätten andere Vorstellungen von Arbeit in Deutschland, so etwa bei BMW oder beim FC Bayern. Auch mit den Behörden sei es schwierig gewesen. Das Landratsamt Miesbach habe ihm einmal jemanden aus Afghanistan geschickt. Den habe er sofort eingestellt - aber anschließend habe er einen Strafbefehl über 25 000 Euro bekommen. Der Mann habe nämlich keine Arbeitsgenehmigung gehabt - er hätte bei ihm nur ein Praktikum absolvieren dürfen. Er habe sich natürlich darauf verlassen, dass alles in Ordnung sei, wenn das Landratsamt ihm jemand schicke, sagte er immer noch verständnislos. Im Zuge längerer Verhandlungen sei die Strafzahlung schließlich auf 800 Euro verringert worden - aber es blieb bei einer Strafe für die Anstellung eines geflüchteten Menschen. Weil er insgesamt kein geeignetes Personal mehr findet, hat er sich mittlerweile entschlossen, seinen Hof zu verkleinern: „Wir machen lieber auf kleiner Flamme weiter.“

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Ali im Pfarrgarten: Das Kamel scheint sich in Tutzing wohl zu fühlen © L.G.
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