Gemeindeleben
17.12.2021
Von vorOrt.news

Viele Ziele und eine persönliche Note

Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald feiert heute ihren 60. Geburtstag

Greinwald_Boot.jpg
Kurs halten: Unter diesen Titel stellt Marlene Greinwald ihre wichtigsten Ziele für Tutzing © http://buergermeisterin-fuer-tutzing.de

Bürgermeisterin Marlene Greinwald wird heute 60 Jahre alt. Herzliche Glückwünsche!

Mehr als die Hälfte dieser 60 Jahre davon hat sie der kommunalpolitischen Arbeit in der Gemeinde Tutzing gewidmet. 1990 gewann sie der Parteilose Wählerblock (PWB), der sich damals längst als zweitstärkste kommunalpolitische Kraft in Tutzing etabliert hatte, zu ihrer ersten Kandidatur, und sie wurde gleich in den Gemeinderat gewählt. Zu dieser Zeit war die damals 28-Jährige, die in Xanten am Niederrhein geboren ist, erst vier Jahre in Tutzing. Nach dem Abitur hatte sie eine landwirtschaftliche Lehre absolviert, dann wollte sie andere Gegenden kennenlernen. In Dietlhofen bekam sie eine Stelle auf einem Biohof, im Sommersemester der Weilheimer Landwirtschaftsschule lernte sie 1986 auf einem Hof in Bernried Martin Greinwald kennen, den sie kurz darauf heiratete. Gemeinsam haben sie drei Kinder, aber sie mussten einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Ihr Sohn Xaver ist 2016 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Die erste Frau an der Tutzinger Rathausspitze

Marlene Greinwald liebt den Hof. Seine Umstellung zu einem der ersten biologisch geführten landwirtschaftlichen Betriebe der hiesigen Region schon seit den 1880er Jahren trägt ihre Handschrift. Aber sie hat sich entschieden - die Kommunalpolitik nimmt in ihrem Leben einen wichtigen Stellenwert ein. Dem PWB, der in den 1990er Jahren in Freie Wähler umbenannt wurde, ist sie bis heute treu geblieben. Im Gemeinderat hat sie unter vier Bürgermeistern mitgewirkt: Dr. Alfred Leclaire in seiner letzten Amtsperiode, Peter Lederer - beide von der CSU -, dem parteilosen Dr. Stephan Wanner und Rudolf Krug von der ÖDP, der 2014 mit Unterstützung der Freien Wähler an die Rathausspitze gewählt wurde. Bei Rudolf Krug wurde sie dritte Bürgermeisterin. Als er erkrankte und 2017 starb, gelangte sie zusammen mit der Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg in eine führende Funktion. Mit ihrer Wahl Anfang 2018 kamen die Freien Wähler erstmals allein an die Tutzinger Rathausspitze - und erstmals gelangte in Tutzing eine Frau ins Bürgermeisteramt.

Anzeige
Banner-4.png

Vielfalt im Gemeinderat: Acht Gruppen, keine Mehrheit

FW-2020-1.jpg
Mitten im Geschehen: Marlene Greinwald bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen der Freien Wähler Tutzing im Januar 2020

Eine Mehrheitsfraktion hat Marlene Greinwald nicht hinter sich, ihre Gruppe ist bei der Kommunalwahl im vorigen Jahr sogar von vier auf drei Mandate geschrumpft, wenn man sie selbst nicht einbezieht. Neun verschiedene Parteien und Gruppen waren von 2014 bis 2020 im Gemeinderat vertreten, seit der Kommunalwahl im vorigen Jahr sind es acht.

Die Vielfalt sieht sie positiv, als gelebte Demokratie. Mit ihrem Gemeinderat komme sie gut zurecht, betont sie oft. Den Diskussionen lässt sie meist ihren Lauf. Immer häufiger gelingt es ihr, selbst dann betont gelassen zu bleiben, wenn ihr manche Äußerungen anderer erkennbar nicht gefallen. Aber sie hat klare Standpunkte, die sie deutlich vertritt, wenn sie es für angebracht hält.

Mit dem Fahrrad zum Rathaus

"Kurs halten" - so lautet die Überschrift einer recht umfangreichen Aufzählung wichtiger Ziele auf ihrer Webseite. Eine Auswahl: Investitionsstau abbauen, Gewerbebetriebe in Tutzing halten, Ortsbild bewahren. bezahlbaren Wohnraum sichern, Ausgleich finden zwischen Kraftverkehr, Fahrradfahrern und Fußgängern, ein Jugendzentrum etablieren, Hallenbad sanieren. http://buergermeisterin-fuer-tutzing.de/ziele-2/ Bei all dem bringt sie durchaus auch in mancher Hinsicht eine persönliche Note ein. Am ersten Tag ihrer Amtszeit kam sie mit dem Fahrrad zum Rathaus, wo bereits eine Menschenmenge auf sie wartete. Auch ihr Wunsch zu ihrem Geburtstag ist irgendwie charakteristisch für sie: 60 Bäume hätte sie gern - möglichst solche, die dem Klimawandel gut standhalten. Dabei kommt es ihr nicht darauf an, ob sie auf Privatgrundstücken gepflanzt oder der Gemeinde für öffentliche Anlagen gespendet werden.

Nächste Bürgermeisterwahl 2024: "Ich möchte gern weitermachen"

Schon in etwas mehr als zwei Jahren steht in Tutzing die nächste Bürgermeisterwahl an. Sie hat nun einen anderen Rhythmus als die Gemeinderatswahl, die erst wieder 2026 stattfindet. Bewerber aus anderen Richtungen sind bisher nicht erkennbar. Ob Marlene Greinwald wieder kandidieren will, müssen wir sie gar nicht fragen. Sie sagt es selbst ganz spontan: „Ich möchte gern weitermachen.“

ID: 4522
Über den Autor

vorOrt.news

Add a comment

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.

Comments

Liebe Frau Greinwald,

gerne gratuliere auch ich Ihnen sehr herzlich zum runden Geburtstag. Ich wünsche Ihnen viel Freude am Amt, anhaltende Begeisterung für das politische Geschehen und immer genug Ausgleich im Privaten.

Aus der Perspektive des Mitbürgers sei Ihnen zudem ein vielfältiges, lebendiges und demokratieverliebtes politisches Umfeld mit reichlich Gegenrede, Kontroverse und fruchtbaren Debatten gewünscht. Zum einen verbessert die Vielfalt der Beiträge bekanntlich das erzielte Ergebnis und zum anderen dürfte so das Amt auch Ihnen mehr Spaß machen. Wer will schon täglich die Stapel von Ergebenheitsadressen seiner Steigbügelhalter durchblättern?

Ein von Ihnen bereits vollzogener Schritt hin zur Vielfalt ist Ihre Unterstützung bei der Einführung des Jugendbeirats. Die damit einhergehende Veränderung wird dem Ort gut tun und ihn insgesamt weiterbringen.

Ich freue mich jedenfalls darauf, im neuen Jahr auf vorOrt.news viele Kontroversen mitverfolgen und hier und da auch diskutierend mitgestalten zu können. So grüße ich bis zur nächsten Begegnung im Bioladen!
Feedback / Report a problem