Gemeindeleben
21.5.2020
Von vorOrt.news

Als sei von Corona keine Rede

Umarmungen an der Brahmspromenade - Gemeinderat will Probleme von Menschen und Hunden aufgreifen

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Der Spielplatz an der Brahmpromenade und die Fläche rundherum sind längst auch ein beliebter Badeplatz © L.G.

An den Tutzinger Uferpromenaden geht es dieser Tage schon wieder zu, als sei von Corona keine Rede. Viele Menschen tummeln sich nah am Wasser. An Christi Himmelfahrt waren auch Vatertags-Feiernde unter ihnen. Bei etlichen von ihnen war eine Menge Alkohol im Spiel, was Vorbeigehenden schon wegen der Düfte nicht verborgen blieb. Immer wieder finden sich auch Grüppchen von Freunden oder Freundinnen zusammen. Anderthalb-Meter-Abstände werden da selten eingehalten. Als sich an der Brahmspromenade junge Damen aus so einer Gruppe verabschiedeten, hielten sie ganz kurz inne: Da war doch was mit Corona? Aber diesen Gedanken schüttelten sie schnell ab - und umarmten sich inniglich.

Verhaltensweisen an den Promenaden waren dieser Tage auch Thema im Tutzinger Gemeinderat. Da spannt sich der Bogen weit: Lagern und Baden ist nach Aufschriften auf Schildern verboten, doch einige Flächen haben sich trotzdem zu beliebten Badeflächen entwickelt. Ob dies geduldet oder geahndet werden soll, darüber gehen die Meinungen in Tutzing seit langer Zeit auseinander. Auch Hunde geben immer wieder Anlass zu Diskusionen. Die einen fordern einen Leinenzwang, die anderen Freiheit für ihre Tiere.

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Radfahrer auf dem Weg durch den Spielplatz: Kein Problem, wenn sie langsam unterwegs sind oder schieben - aber nur dann © L.G.

Nicht gerade von bestem Einvernehmen geprägt ist nicht selten auch das Verhältnis von Radfahrern und Fußgängern. Auf dem engen Weg zwischen dem Fischergassl und der Brahmspromenade ist zeitweise reger Betrieb. Radler und Spaziergänger treffen aufeinander, zumeist ohne Schwierigkeiten. Aber dann wieder rasen ein paar Radfahrer durch die Passanten, ohne abzubremsen, kurven um sie herum, dass die Fußgänger sichtlich erschrecken, fahren haarscharf an ihnen vorbei. Und sofort ist sie wieder da, die Debatte um ein freundschaftliches Miteinander aller Verkehrsteilnehmer: Wie soll das funktionieren, fragen sich die Spaziergänger untereinander, wenn manche immer nur nach dem Motto handeln: Hoppla - jetzt komm‘ ich?

An der Brahmspromenade gibt es schon Versuche einer Trennung statt eines Miteinanders. Der untere Seeuferweg soll Fußgängern vorbehalten, der obere auch von Radfahrern nutzbar sein. Diese Aufteilung soll auch den Spielplatz möglichst von Radfahrern freihalten, die manchmal nicht gerade langsam unterwegs sind, obwohl dort standig kleine Kinder kreuz und quer laufen. Das klappt noch nicht so ganz, wohl auch, weil an den direkt zum Spielplatz führenden Wegen keine entsprechenden Schilder stehen. Aber im Großen und Ganzen kommen alle gut miteinander zurecht - abgesehen von ein paar Mitmenschen, die offenbar der Meinung sind, sie seien allein auf der Welt.

All die Probleme der Promenaden werden wohl künftig einen Gemeinderatsausschuss beschäftigen, wie Bürgermeisterin Marlene Greinwald angekündigt hat.

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Comments

Hallo guten Abend, die Brahmspromenade ist kein Badeplatz, kann man nicht mal durchgreifen mit hohen Strafen, dieses Problem habe ich schon zur Amtszeit von P. L. der Gemeinde gemeldet.
Das betrifft ja nicht nur die Brahmspromenade - aber es interessiert seit Jahren - besser Jahrzehnten niemand diese Zustände in den Parks und Promenaden - leider...
"... ist kein Badeplatz, kann man nicht mal durchgreifen mit hohen Strafen..."
Ich frage mich, was könnte da wohl angemessen und hoch genug sein?
Vorschläge?
Ich bin auch schon sehr lange der Meinung, dass seitens der Gemeinde schon lange ein Handlungsbedarf besteht!! Hoffentlich wird der neue Gemeinderat tätig und greift endlich mal durch!
Am Thomaplatz und im Bleicherpark sollte das Verbot beibehalten bleiben.
Damit Nordbad, Freibad und Südbad nicht überrannt werden, könnte man ja z.B., im Kustermannpark beim Spielplatz, unter dem Johanneshügel und bei der Brahmspromenade oberhalb des Spielplatzes, das Baden erlauben.
(Bearbeitet)
Und dann haben wir was genau gewonnen?

Die Lebensqualität in einem Ort, in dem „gelebt“ werden darf, ist für mich wesentlich höher als in einem Ort wo ich zwar nette Grünflächen ansehen aber nicht nutzen darf.

Warum möchten Sie “mal durchgreifen”? Weil da ein Schild steht und Schilder durchgesetzt werden müssen? Weil es Gruppen gibt, die sich durch Badende und Lagernde gestört fühlen? Etwas anderes?

Der Traum des Lebens am See ist, dass jeder diesen in seiner Art zur Erholung und Freizeit nutzen kann. Welchen Sinn macht ein See, der nur angesehen, aber nicht für Baden, Segeln, Surfen, Sonnen, Flanieren, Fischen, Genießen, schlicht für jeden in seiner persönlichen, individuellen Art zur Erholung genutzt werden kann? Für jede dieser Aktivitäten gibt es für und wieder, die Kunst liegt in der Toleranz füreinander und in einer ausgewogenen Balance. Dies ist übrigens keine Einzelmeinung, sondern dieses Recht wird durch Art. 141 der Bayerischen Verfassung geschützt.

Meines Wissens ist in keinem der Tutzinger Parks (Bleicher, Thoma, Kustermann, Brahms) das Baden und Lagern explizit erlaubt. Wollen wir tatsächlich alle Badenden in Nordbad, Südbad und Garatshausener Freibad pferchen? Ist der See so exklusiv, dass er nur Menschen mit Grundstück am See oder Geld für einen regelmäßigen Eintritt in eine Badeeinrichtung zur Verfügung steht?

Eventuell sollten wir die Diskussion dann umdrehen: Wenn es eine Gruppe gibt, die den See zum Flanieren nutzen möchte, und sich trotz gegenseitiger Toleranz dabei durch Badende gestört fühlen, welche Möglichkeiten können wir dieser Gruppe einräumen oder welche existieren bereits, ohne diese gleich auf die Roseninsel zu schicken?

Ich bin mir sicher, dass diese Diskussion im Gemeinderat nicht neu ist, ich erinnere mich, dass sie im Zusammenhang mit der Einführung des Wachdienstes ebenfalls thematisiert wurde.
Unartige Bürger wie unartige Kinder maßzuregeln, das sind hilflose und aus der Zeit gefallene Versuche. Nicht einmal in der Erziehung Minderjähriger verfängt diese Strategie. Was wirkt, sind Vorbilder, wer idealtypisch handelt, wird nachgeahmt. Wir bräuchten folglich eine Politik, die in diesen schwierigen Zeiten Solidarität und Gemeinsinn vorlebt.
Und in der Hinsicht hat sich der Gemeinderat am 31. März diesen Jahres nicht mit Ruhm bekleckert. Die Vorort.news schrieben in der Ankündigung: "Veranstaltungen dürfen wegen der Corona-Krise eigentlich nicht abgehalten werden. Aber die Gemeinderatssitzung heute Abend findet statt." Ein ganz unglückliches Signal war das. Wähler haben ein feines Sensorium für die Arroganz der Macht; sie bemerken sehr wohl, wenn die Politik sich Privilegien herausnimmt und sich über diejenigen stellt, die sie repräsentieren soll. Auch kleine Gesten zeigen große Signalwirkung.
Und noch etwas kommt hinzu. Sowohl auf Kommunal- als auch auf Bundesebene wird derzeit politisch zutiefst widersprüchlich kommuniziert und gehandelt. Einerseits kehrt die Politik selber zu ihren Vor-Corona-Routinen zurück, so wird im Kreistag und im Gemeinderat getan, als gäbe es die Grünen nicht. Auf Bundesebene fördert man die klimaschädliche Auto- und Luftfahrtbranche wider jede Vernunft mit Milliardengeschenken. Die Politik bleibt bei ihren gewohnten und dem Komfort geschuldeten Verhaltensmustern. Während dem Bürger signalisiert wird, er müsse nur den Mundschutz tragen und Abstand halten, dann könne es weiter gehen, wie zuvor. Nur gründet dieses frühere Leben ja ganz entscheidend auf, das, was mit Corona nicht mehr geht: auf phyischen Kontakt, auf räumliche Nähe und barrierefreie Begegnung. Die Abstandsregeln wirken auf Wirtschaft und Zivilgesellschaft wie ein Sprengsatz mit Zeitzünder. Die Menschen bemerken diesen Widerspruch und werden mit ihm in fahrlässiger Weise alleine gelassen – was Aluhüte und Verschwörungsmythen nur so sprießen lässt.
Angesicht der Probleme, die auch in Tutzing auf uns zu rollen, bräuchte es in der Gemeindepolitik einen Ruck. Eine visionäre Ortsentwicklung tut Not, die auf eine verstärkte Bürgerbeteiligung gründet und dadurch Gemeinsinn stiftet. Eine ehrliche Ansprache der Menschen wäre geboten, zu der auch größtmögliche Transparenz und das Ende von Hinterzimmerabsprachen gehört. Bleibt das aus, muss sich niemand über Umarmungen an der Brahms-Promenade wundern. Wer wollte es den Menschen verübeln, wenn sie angesichts einer aus der Zeit gefallenen politischen Kultur Solidarität und Vernunft ablegen und sich in Ablenkung und Vergnügungen flüchten.
(Bearbeitet)
https://www.merkur.de/lokales/starnberg/tutzing-seeufer-bleicherpark-thomaplatz-kustermannpark-verschoenerungsverein-bikini-friedhof-5492649.html

die alte Meinung der Gemeinde, s, link, daraus
„Der Verschönerungsverein will es jetzt geklärt wissen: „Sind unsere Promenaden Freibäder oder nicht?“ Dabei hat der Gemeinderat dazu bereits eine klare Entscheidung getroffen. Im Zuge seiner Beratungen über eine neue Satzung für die öffentlichen Anlagen hat er beschlossen, das Baden am Ufer nicht zu verbieten. Der Starnberger See sei nach der Verfassung für alle zugänglich, sagt Bürgermeister Rudolf Krug. Gegen Auswüchse will er einschreiten, doch generell plädiert er für eine Willkommenskultur auch in dieser Hinsicht und für Toleranz der Einheimischen - „auch wenn es manchen Leuten schwer fällt“
Tutzing will doch "Erholungsort" werden.
Pro Jahr muss man dafür 70.000 Gästerübernachtungen nachweisen. Bislang fehlten wohl noch ca. 18.000 dieser Gästeübernachtungen.
Ob strenge Badeverbote in den wenigen Sommermonaten hilfreich sind, diese Lücke zu schließen, darf man bezweifeln.
(Bearbeitet)
Die ersten Kommentare zur Promenadenutzung sind ja schrecklich...
Der Gemeinderat unter Bürgermeister Krug hat sehr weitsichtig gehandelt: der See und die öffentlichen Anlagen sind nun mal "öffentlich" und gehören nicht nur ein paar (vielleicht ruhebedürftigen) Anwohnern.
Ich lebte mit meiner Familie fast 20 Jahre neben dem Midgardhaus und dem Spielplatz und habe mich nie daran gestört, daß die Menschen vor unserem Grundstück gelagert und gebadet haben und auch den Rummel in und um den Biergarten akzeptiert - obwohl das Treiben auf der Promenade im Sommer oft bis weit in die Nacht ging - ich sah mich nicht als privilegierten Anwohner der Alleinnutzungsrecht dieses Teils Tutzings hat!
In diesem Sinne wünsche ich mir viel mehr Toleranz insbesondere Familien und jüngeren Mitbürgern gegenüber, egal ob Einheimische oder Ausflügler.
Guten Abend,

"Als sei von Corona keine Rede", so war evtl. die Intention des Redakteurs, als Anregung zum Nachdenken. Und dann ging's aber ab in alle uralten Richtungen... Corona, keinThema.

Mal abgesehen, wie man zu den "historischen Beschlüssen" steht, schade, dass kein Moderator eingreift.
Marion Jepsen-Hloch
Hallo Frau Jepsen-Hloch,

gerne möchte ich auf unsere Regeln verweisen: https://vorort.news/faq-hilfe/regeln/?

Diese haben wir hauptsächlich für das Erstellen von Artikeln geschrieben, sie gelten aber natürlich auch für Kommentare. Eine kontroverse, aber respektvolle Diskussion ist uns wichtig und bereichert vorOrt.news. Wir werden „eingreifen“, wenn wir die Regeln als verletzt ansehen.

An dieser Stelle kann man auch der Community von vorOrt.news ein großes Lob aussprechen. Wir mussten bisher noch keinen Kommentar von unserer Homepage entfernen und wir hoffen, das bleibt so.
Hallo Frau Jepsen-Hloch, ich gebe zu bedenken, dass die Vorort.news ausdrücklich eine Mitmach-Zeitung darstellen. Jeder ist aufgerufen zum Redakteur zu werden oder auch nur zu kommentieren. Und genau das macht ja den Charme dieser Plattform aus, dass es hier die Möglichkeit zur Debatte gibt. Oder vielmehr gäbe. Denn diese Möglichkeit wird doch leider viel zu wenig genutzt. Und wenn, dann neigen recht viele Kommentierende dazu in knappen Worten nach dem Wachtmeister zu rufen. Meinungsbildende, erhellende, die Perspektive weitende Aspekte, streitbare, vielleicht auch polemische und manchmal komische Beiträge würden die Lektüre der Vorort.news für meinen Geschmack reizvoll würzen. Noch reizvoller ;-)
Im Übrigen geht es im obigen Gespräch sehr wohl um Corona, selbst wenn dieser Begriff explizit nicht fällt. Diese Epidemie macht in Gesellschaft und Gemeinde auf irgendwie auch sinnfällige Art und Weise erkennbar, was in den Zeiten ungebremsten Wachstums diskret unter dem Teppich blieb. Und diese wunden Punkte zeigen sich typischerweise im Alltäglichen, dort, wo Menschen aufeinander treffen und sich aneinander reiben. Also zum Beispiel an der Brahmspromenade. Lassen Sie uns doch miteinander diesen Diskurs pflegen. Das ist die erste demokratische Bürgerpflicht und dient dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Direkt hier, auf Gemeindeebene.
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