Den ursprünglichen Sinn der Freinacht haben von den Witzbolden, die in Tutzing unterwegs waren, nur ein paar wenige erkannt. So haben ein paar Spaßvögel eine Bank in eine Einfahrt gestellt. Tatsächlich geht es ja bei der nächtlichen Tradition am 1. Mai darum, herumstehendes Zeug „aufzuräumen“ und damit vielleicht sogar einen gewissen erzieherischen Effekt zu erzielen. Die meisten, die in der Freinacht bei Dunkelheit durch Tutzing streiften, waren in dieser Hinsicht aber offenkundig eher überfordert. Sie haben sich nicht etwa nach ungeordneten Gegenständen anderer Leute umgeschaut, um sie irgendwo anders hin zu bringen. Ganz im Gegenteil: Sie haben selbst Objekte mitgebracht, um sie zu verteilen, so vorzugsweise Klopapier und Rasierschaum. Mit ihnen haben sie weder Türklinken oder Schaukeln noch das Johannes-Brahms-Denkmal an der nach ihm benannten Uferpromenade verschont - lauter Sachen also, die nicht einfach unaufgeräumt herumstehen, sondern fest verbaut sind. Ganz offensichtlich ist es gar nicht so leicht, alte Bräuche zu verstehen. Und dabei auch noch wirklich witzig zu sein. Sehr viel ideenreicher waren da beispielsweise Scherzbolde im Seefelder Ortsteil Hechendorf, wie heute im "Starnberger Merkur" zu lesen ist: Sie haben in Anlehnung an die britische Dauerdiskussion um den "Brexit" einen "Hexit" aus ihrer Gemeinde vorgeschlagen, in der es ihnen offenbar nicht mehr gefällt. So weit sind die Garatshausener nicht gegangen. Zwar fühlen sich viele von ihnen eher nach Tutzing hingezogen als zur Gemeinde Feldafing, zu der sie gehören. Doch eine Feldafinger Flagge haben sie schon mal aufgerollt und durch eine von Garatshausen ersetzt. Von einem "Gexit" aber war weder in der Freinacht noch bei der Maibaumfeier die Rede, auch wenn eine Zeitung kurz zuvor schon vom "Tutzinger Ortsteil Garatshausen" geschrieben hat.
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1.5.2019
Nicht mal Brahms wurde verschont
Die Tradition der Freinacht überfordert die meisten Tutzinger Witzbolde
Quelle Titelbild: S.G.






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